Die Schlacht um Struth

Vorgeschichte

Vorgeschichte: Der militärische Zusammenbruch des Dritten Reiches im Frühjahr 1945

Im Frühjahr 1945 stand der militärische Zusammenbruch des Dritten Reiches unmittelbar bevor. Das Blatt hatte sich bereits 1943 gewendet. Nach den verlorenen Schlachten von Stalingrad und Kursk, erfolgte der Rückzug der Wehrmacht aus weiten Teilen der Ukraine. Die Ostfront konnte trotz gewaltigen Material- und Menschenaufgebots nicht mehr stabilisiert werden, da die angreifende Rote Armee zahlenmäßig stark überlegen und ihre Kräfte nicht auf mehrere Kriegs­schauplätze verteilen musste. Die Zersplitterung der deutschen Frontheere, die im weiten Bogen verteilt in den okkupierten Gebieten Europas und Nordafrikas stationiert waren, tat ein Übriges die Ostfont weiter zu schwächen. Wurde das Reich durch den Luftkrieg der Amerikaner und Briten auch nicht in der Rüstungsproduktion beeinträchtigt, so erlitt doch die Moral der betroffenen Zivilbevölkerung eine ent­scheidende Schwächung. Da die Luftwaffe ab 1943 nicht mehr in der Lage war den Wellen an­greifender Bomberflotten vom Reichsgebiet standzuhalten, wurde nicht nur den Landsern an der Front klar, was der "Totale Krieg" mit allen Schrecken der modernen Kriegstechnik bedeutete. An den von der Führung  propagierten Endsieg gegen einen durch sein unbeeinträchtiges Industrie­potential haushoch überlegenen Gegner, glaubte zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung. Das der Krieg noch fast zwei weitere Jahre andauerte, lässt sich teilweise mit den Anstrengungen, der durch Greuelpropaganda verängstigten Bevölkerung, dem massiven Einsatz von Kriegsgefangenen in der, bis 1944, steigenden Rüstungsproduktion und der erst im Juni erfolgenden Eröffnung einer ?Zweiten Front? im Westen erklären. Im Sommer 1944 hatten sowjetische Truppen den Widerstand der Wehrmacht ,durch Vernichtung der Heeresgruppe Mitte, in den weißrussischen Pripjet - Sümpfen vollständig gebrochen. Von nun an trieb die Rote Armee  die deutschen Heeresverbände vor sich her und erreichte im Herbst 1944 die Grenzen des Reichs­gebietes, von denen 3 Jahre vorher, das Unternehmen Barbarossa seinen Ausgang genommen hatte. Nachdem sie im Januar 1945 die Oder erreicht und einen Brückenkopf bei Küstrin etabliert hatten, erfolgte eine Unterbrechung des Vormarsches, die das Ziel hatte, alle verfügbaren Kräfte für den finalen Kampf um Berlin, die Kapitale des verhassten Faschistenregimes, zusammenzuziehen. Gleichzeitig drangen, nach der Invasion des 6. Juni 1944 alliierte Truppen,  von Westen nach Osten vor. Unter totaler Kontrolle des Luftraumes und der massiven Überlegenheit an Truppen und Material, gelang es ihnen in wenigen Monaten das besetzte Frankreich zu befreien und weiter in Richtung Reichsgebiet vorzustoßen. Als die deutsche Ardennenoffensive im Dezember 1944, unter Einsatz letzter Reserven, erwartungsgemäß scheiterte, war der Weg in das Reich auch vom Westen her geöffnet. Mit der Großoffensive vom 23. Februar 1945, gelang es den Alliierten im Westen die Front bis zur der natürlichen Barriere des Rheins vorzutragen. Die daran beteiligten Truppen gehörten zur 1., 2. und 9. US- Armee, sowie zur 21. britisch-kanadischen Heeres­gruppe. Am 7. März gelang die Einnahme der unzerstörten Rhein­brücke bei Remagen. Dies machte deutlich, das die Verteidigungslinie am Rhein letztlich unrealistisch war. Die Über­win­­dung der Rheinlinie an anderen Punkten erfolgte kurz darauf. Nach der Einnahme großer Teile Süd­­hes­­­­sens durch die 1. und 3. US- Armee, begann die 1. und 9. US - Armee am 25. März mit der Ein­­­schlie­ß­ung des Ruhr­gebietes. Eingekesselt war die deutsche Heeresgruppe B unter General­feld­­­marschall Model, mit 21 Divisionen und ca. 340 000 Mann. Damit war die deutsche Westfront fak­tisch zusammengebrochen.Die Perspektivlosigkeit eines Widerstandes gegen die ameri­ka­nischen Trup­pen führten dazu, dass nach der endgültigen Liquidation des Kessels am 18. April mehr als 317 000 deutsche Soldaten in Gefangenschaft gingen. Marschall Model wählte den Freitod. Der als Resultat der Einkesselung entstandene Bruch der deutschen Front war endgültig. Ein Verlust von 21 Divisionen war durch nichts mehr zu ersetzen. Zur Bildung einer neuen Verteidigungslinie herangezogene Kräfte bestanden aus  16 - 17-jährigen Rekruten der Waffen- und Heeresakademien, Einheiten der Flotte und des Bodenpersonals der Luftwaffe, sowie lokalen Volkssturmregimentern, mit denen die ausgebluteten Rest­regimenter der Wehrmacht aufgefüllt wurden.Der Volkssturm wurde per Dekret vom 25. September 1944 aus der Taufe gehoben. Alle im Reich verbliebenen waffenfähigen Männer im Alter von 16 - 60 Jahren wurden zur Verteidigung des Reiches und der Heimat herangezogen. Betroffenen waren 6 Millionen Männer, doch wurden diese in vollem Umfang nicht mehr erfasst. Aufgrund fehlender Bewaffnung und mangelhafter Ausbildung war die militärische Rolle des Volkssturms gering. Trotz allem stellten diese Verbände in vielen Gefechten ein Unterstützung der hoffnungslos unterlegenen Wehrmacht dar, trugen oft sogar die Hauptlast der Kampfhandlungen. Wo Panzer, Geschütze und Flugzeuge fehlten wurde mit Infanterie kompensiert und oftmals verlustreich improvisiert. Die Auflösungserscheinungen waren allgegenwärtig. Mit Todesurteilen durch Standgerichte wurde versucht diesem entgegenzuwirken.

Bild 1:

Im Laufe des Monats März fiel der hessische Raum unter die Kontrolle der 3. US-Armee, die von vornherein fiktive Ver­tei­digungs­­linie der deutschen Wehrmacht zog sich nun entlang der Weser über die Werra, den Thüringer Wald und die fränkische Alb bis hin zur Donau. Der Oberbefehlshaber Süd war General­feldmarschall Albert Kesselring. Die Lage jedoch war nicht haltbar.Nachdem schon der Versuch den Ruhrkessel zu öffnen am 1. April gescheitert war, wurde der allgemeine Rückzug auf die vorher genannte Linie befohlen. Doch die Panzerkolonnen von Pattons 3. Armee fegten wie im Sturmlauf über Nordhessen hinweg. Damit war ein Keil zischen die 7. und 11. deutsche Armee getrieben.


Bild 2:

 

Alle Kräfte der Deutschen, deren Ziel die Öffnung des Ruhrkessels war, wurden nun verlegt um die Verbindung zu den südlichen Teilen der Streitkräfte wieder herzustellen. Gleichzeitig plante man die  auf den Raum Mühlhausen zielenden, weit vorgedrungenen Ameri­kaner, somit von ihren rückwärtigen Verbindungen abzu­schneiden. Den Verlauf der Autobahn über Eisenach und Gotha nutzend stießen die Amerikaner nach Thüringen vor. Am 2. April erreichte die 69. Kampfgruppe der 6. US ? Panzer­di­vision Bad Sooden und den Hohen Meißner, wo es zu Gefechten mit den schwachen deutschen Verteidigungstruppen kommt. Am selben Tag erreichen die 44. und 50. Kampfgruppe die Werra bei Reichenhausen, wo ein Brückenkopf gebildet wird. Auf ihrem Rückzug zerstörten die Wehrmacht sowohl den Flugplatz Eschwege, als auch die dort befindlichen Werrabrücken.

Bild 3:

Am 3. April begannen 6 Kampfgruppen der 6. US - Panzer­division mit dem Marsch auf Mühlhausen. Rasch fielen Eschwege an Einheiten der 65. Infanteriedivision, während die 50. Kampfgruppe über Weißenborn Großburschla erreicht und dort die nur schwach verteidigte Werrabrücke besetzt. So erlebten am Abend des 3. April die ersten 5 Dörfer des Eichsfelds ihre Befreiung oder wenn man es so nennen will Besatzung. Darunter Wendehausen, Diedorf, Katharinenberg, Faulungen und Heyerode.  Mit dem Ziel Mühlhausen vor Augen wurde an diesem Tag dann auch noch Treffurt genommen und Wanfried besetzt. Die Deutschen Soldaten zogen sich derweil in Richtung Mühlhausen zurück. Am Morgen des 4. April brachen die 6 Kampfgruppen der Amerikaner aus drei Bereitstellungsräumen auf, um Mühlhausen einzunehmen und danach, wenn möglich noch weiter bis Bad Langensalza vorzustoßen.

Bild 4:

Mühlhausen war, mit damals 45 000 Einwohnern und 3 Kasernen, wie jede andere größere Stadt, zur Festung erklärt worden. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie bis zum letzten Mann verteidigt worden wäre. Der Nazikreisleiter Vollrath forderte von der Zivilbevölkerung ein Verteidigung bis zum Äußersten und setzte sich kurz vor der Ankunft der Amerikaner ab, nicht aber ohne vorher noch Einwohnermelde- und Lebensmittelkartenkartei zu vernichten. In den Morgenstunden des 4. April gelangte die Kampfgruppe 44 auf dem Weg nach Mühlhausen  von Heyerode nach Oberdorla, wo sie in Kämpfe mit deutschen Infan­terie­einheiten verwickelt wurden, die  dort eine Verteidigungsstellung bezogen hatten.


Bild 5
:

Auf dem Mühlhäuser Bahnhofsgelände fiel den Amerikanern ein unentladener Transportzug der Reichsbahn mit 10 Sturm­geschützen, den sogenannten Hetzern und anderen Stabs- und Versorgungsfahrzeugen  in die Hände. Das Material war für einen Gegenangriff der Wehr­macht bei Struth bestimmt und so wurde schon im Vorfeld der Schlacht um Struth, die ohnehin schon nicht ausreichende Kampfkraft der Deutschen noch weiter geschwächt.
Davon hatten die Amerikaner natürlich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung.

Von Eigenrieden, wo sich ein großes Camp der Amerikaner befand, nahmen die 15. und 68. Kampfgruppe ihren Marsch in Richtung Struth auf. Das Dorf wurde am 4. April um 10.00 Uhr kampflos besetzt, worauf stundenlang Militärkonvois durch die Hauptstraße rollten. Vorgabe der Divisionsleitung war eine weiträumige Umfassungsbewegung nördlich um Mühlhausen. Dazu sollte auch das Dorf Bickenriede besetzt werden. Aber ein deutscher Leutnant hatte sich zum Widerstand entschlossen. Es kam zu Gefechten am Dorfrand und Beschuss des Dorfes durch amerikanische Artillerie, worauf dann auch mehrere Gebäude niederbrannten.  Nach Osten wendend folgt die Besetzung Dörnas und Hollenbachs, durch die 68.  kampflos. Sie erreicht am Abend den Stadtrand Mühlhausens und muss aufgrund von Panzersperren die Position halten. Erst nach Ankunft der 9. Kampfgruppe kann das Hindernis überwunden werden.

Bild  6:

Von Dörna aus stoßen Panzerspitzen nach Lengenfeld vor und geraten dort von zwei deutschen Artilleriegeschützen, die hinter dem Dorf Stellung bezogen haben, unter Beschuss. Daraufhin nehmen die Amerikaner die vermutete Stellung ihrerseits unter Feuer.
Mehrere Scheunen und 3 Wohnhäuser werden dabei ein Raub der Flammen. Mit der Befreiung endete auch die Gefangenschaft von 400 Kriegsgefangenen, Offiziere der Royal Air Force.
Auch in Richtung Küllstedt erfolgte am Abend des 4. April ein Aufklärungsvorstoß der Amerikaner. Von Struth her näherten sich ein Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen. Doch durch deutschen Panzerbeschuss wurde dieser zum Rückzug gezwungen, wobei ein Jeep verloren ging. Am nächsten Tag jedoch erschienen erneut zwei Jeeps auf der Straße in Richtung Küllstedt, darunter einer mit Rot- Kreuz Zeichen. Sie wurden erst am Dorfrand von deutschen Fallschirmjägern gestoppt, wohl wegen ihrer geringen militärischen Bedeutung. Erstaunt bemerkten die Deutschen Soldaten, dass sich in dem Sanitätsjeep eine hochschwangere Frau aus Struth befand. Der überforderte Ortsarzt Dr. Goldmann hatte den einen amerikanischen Offizier gebeten die Frau in das Küllstedter Krankenhaus zu bringen. Den ersten Versuch hatten die Amerikaner mit dem Verlust eines Jeeps und zweier Soldaten bezahlt. Umso mehr erstaunt die menschliche Entscheidung einen zweiten Versuch zu unternehmen.
Am Morgen des 5. April war die Einnahme Mühlhausens abgeschlossen und die Amerikaner wandten sich nach Südosten um Bad Langensalza einzunehmen, das mit seiner Luftwaffenbasis, einige militärische Bedeutung besaß.
Zu dieser Zeit war im Raum Mühlhausen schon ein deutscher Gegenangriff in der Vorbereitungsphase. Ursprünglich sollte mit diesem Gegenstoß die durchtrennte Verbindung zur 7. Armee unter General Smilo Freiherr von Lüttwitz  wiederhergestellt  werden. Befehlshaber des Gegenstoßes war Oberst i. G. Worgitzki. Worgitzki hatte in den ersten Apriltagen eine Verteidigungslinie westlich von Kassel aufgebaut, verlegte seinen Gefechtsstab aber bald nach Heiligenstadt und am 6. April nach Küllstedt. Zur Verfügung standen ihm das Regiment von Hirschfeld mit der Stärke von zwei Bataillonen, die Pionierbrigade 688 mit ebenfalls zwei Bat., das 15. Fallschirmjäger Regiment in Bataillonsstärke, sowie ein Infanterie- Bataillon der 26. Volks-Grenadier-Division und eine Pionier-Kompanie der gleichen Division.
Weiterhin drei Kompanien Panzerjäger, die Panzerabteilung 44, die verstärkt ca. 30 Sturmgeschütze, Panzer und gepanzerte Einheiten umfasste. Daneben noch 1 Batterie 10,5 cm Feldhaubitzen, 1 Zug schwere Flak und 2 Züge leichte Flak.
Die nominale Kampfstärke der gepanzerten Kräfte konnte jedoch nicht eingesetzt werden, da z.B. beim Anmarsch der 44 Panzerabteilung die erste Abteilung der Jagdpanzer  durch Gefechte und Spritmangel von 11 auf drei reduziert wurde, während der zweite Zug den Amerikanern unversehrt am Mühlhäuser Bahnhof in die Hände fiel. Der dritte erreichte vollständig Küllstedt.

Bild 7:

So waren für den bevorstehen Angriff nur 13 Hetzer, ein Kampfpanzer Panther V, sowie ca. 2.200 Mann bereit. Der Aufmarsch hatte schon ab dem 4. April begonnen als Einheiten der Panzer - Abteilung 44 Küllstedt erreichten und am Dorfrand nach Süden und Westen Stellung bezogen. In den zwei darauf folgenden Tagen ballte sich so in Küllstedt eine, für das Eichsfeld, gewaltige Truppenansammlung zusammen. Alle Klassenräume der Schule , der große Saal des Hotels zur Post und auch fast alle Wohn­häuser waren, durch Einquartierungen, belegt. Das Dorf soll einem einzigen Heerlager ge­glichen haben. Aus Furcht vor bevorstehenden Kampfhandlungen hatte sich der Großteil der Bevölkerung in den Küllstedter Grund geflüchtet.

Bild 8:

Der Nachschub an 7,5cm Granaten wurde in Wachstedt  in der Scheune der Revierförsterei deponiert. Die Reserven für Treibstoff befanden sich im Forsthaus Westerwald und in der Dorfmitte Wachstedts. Auf LKW und Schützenpanzerwagen im Bereit­stellungsraum befanden sich Infanteriemunition, Panzerfäuste und Flakmunition 3,7 cm. Verbandplätze für Verwundete wurden in Wachstedt und Küllstedt selbst eingerichtet. Durch schlechtes Wetter behindert unterblieb eine Luftaufklärung und so blieben die deutschen Angriffs-vorbereitungen  den Amerikanern weitgehend verborgen. Um Klarheit über die Stärke des Gegners zu erhalten unternahmen deutsche Spähtrupps am 6. April Aufklärungsvorstöße. So z.B. in Büttstedt, welches zwar am 4. April schon befreit worden war, aber nicht über eine ständige Besatzung verfügte.

Bild  9:



Daneben stieß eine 12 Mann starke deutsche Fallschirm­jäger­gruppe nach Effelder vor. Dort kam es zu einem Vorhut­gefecht. Ein Armeejeep der Amerikaner wurde durch Einsatz der Panzer­faust zerstört. Zwölf amerikanische Soldaten gerieten in Gefangenschaft als sich ihre Trup­pe in Überschätzung der deutschen Kräfte zurückzog. Dabei wurde der  Pfc (Oberge­freite) Robert Smith schwer verletzt und starb später an den Folgen seiner Ver­letzungen.

Bild 10:

Die Deckung der Wälder ausnutzend näherten sich die Späh­trupps auch Struth. Die Ent­deckung des amerikanischen Fahr­zeug­parks, der aus LKW und Halbkettenfahrzeugen bestand, deutete auf eine starke Besatzung im Ort hin. In Erfahrung gebracht wurde auch, dass die amerikanischen Panzerspitzen zwischen Langensalza und Eberleben standen und noch nicht weiter vorgestoßen waren. Die Weisung des Stabes der 11. Armee hatte Angriffe und Truppenbewegung nur in der Nacht und der Abend- oder Morgendämmerung durchzuführen um nicht Opfer der amerikanischen Lufthoheit zu werden. So begann der Angriff auf Struth in den ersten Morgenstunden des 7. April. Bis Mitternacht hatten sich alle Truppen der ersten Angriffswelle in ihre Bereitstellungsräume begeben. Die Planung sah ein nächtliches Einsickern der Truppen in das Dorf vor. Am Morgen sollten dann die Amerikaner endgültig überwunden werden. Von den 48 vorgesehenen Panzerfahrzeuge waren aber nur 18-20 einsatzfähig. Diese sollten nun in 3 Wellen mit Infanterieunterstützung in das Dorf einfallen.

Bild 11:

Gegen 2.30 Uhr begannen dann erste Spähtruppaktivitäten am Nordrand des Dorfes  und um 3.00 Uhr an der Straße von Effelder. Das 3. Bataillon des 261. Infanterieregiments war sofort in voller Alarmbereitschaft und es kam zu Kämpfen. Trotzdem waren bis 4.00 Uhr schon eine Reihe der Häuser der Langen Straße, vom Kalten Berg her in deutscher Hand. Sowohl die Angegriffenen, als auch die Zivilisten waren vollständig verwirrt. Hatten die meisten noch geglaubt der Krieg sei nun mit der Ankunft der Amerikaner für sie vorbei, sahen sie sich jetzt in der  misslichen Lage, dass in ihren Häusern und Kellern Soldaten kämpften. Der Widerstand der Amerikaner verhärtete sich, es wurden nur wenige Gefangene gemacht. 16 Amerikaner wurden unter Bewachung in den frühen Morgenstunden nach Küllstedt überführt. Bei den Kampfhandlungen gingen etliche Häuser und Scheunen in Flammen auf.

Bild 12

Als es heller wurde gelang es den Amerikanern den deutschen Vormarsch teilweise auf­zu­halten, doch in diese Phase traf der Hauptangriff des 688. Pionierbataillons aus der Richtung des Wilhelmswaldes. Durch deckungsarmes Gelände stürmend ge­langten die Deutschen nur unter großen Verlusten und der Unter­stützung zweier Hetzer an den Dorf­rand. Der Soldat Radfort beschreibt den Angriff der Deutschen aus amerikanischer Sicht: "...Bei Morgendämmerung kam ein Melder herauf und fragte mich: ?Wie ist die Lage?? Ich sagte ihm, dass wir den Befehl hätten nicht vor dem Gebäude nach Nordost zu feuern, da dort oben unsere Truppen seien. Wir konnten am Horizont eine Menge Bewegung sehen, und sehr bald feuerte ein deutsches Maschinengewehr auf uns , das auf der Linie von unserer Einheit zum Fahrzeugpark im Tal lag. Der Melder zog rennend ab. Ich dachte es sei besser sich fest an den Boden zu drücken und zu kriechen. Ich kam gut voran aber der 4. oder 5.Feuerstoß traf mich mit zwei Kugeln., eine davon ein Leuchtspurgeschoss, dass in meinen Rücken und Lunge eindrang . Ich bemühte mich am Leben zu bleiben, hustete und spuckte Blut und Schießpulver. Ich hörte den Sergeant sagen (seine Stimme klang wie aus einem Fass): " Wir werden gleich Sanitäter hier haben."
...Ich begann herumzusehen, was ich in meiner misslichen Lage erwarten könnte. Lastwagen des Fahrzeugparks fuhren ins Dorf, wohl um aus dem Beschuss im Tal zu kommen. Ich sah nach dem Maschinengewehrfeuer, dass ein stetiger Strom von Leuchtspur war. Einige Geschosse trafen den Boden ganz in meiner Nähe und spritzten Schlamm und Schmutz. Ich legte mich so, ein so kleines Ziel wie möglich zu geben, parallel zu den Leuchtspuren. Ich konnte meine Einheit abziehe hören. Dies zu überleben ist sehr unwahrscheinlich. Von niemanden konnte ich erwarten sich diesem Feuer auszusetzen. Es würde für jeden Selbstmord sein.

Bild 13:

...Ich sah nicht gern was ich sah. Mehrere hundert deutsche Soldaten und Panzer machten sich am Rande des Feldes fertig, den Hügel herunter anzugreifen. Ich sah nach rechts, also nach Osten und Süden. Ich lag etwa 30m nördlich der Ecke einer eingezäunten Viehweide mit Weideschuppen. Ich war sicher, dass die meisten Männer und Tanks bald um die Ecke kommen würden, um nach West und Süd um das Dorf vorzugehen.

Seit Jahren habe ich überlegt, wann ich mein Taschentuch aus der Tasche nahm. Es muss zu dieser Zeit gewesen sein. Im Bewusstsein, dass ich bald in deutscher Hand sein würde, kam in mir die Frage auf, was würden sie tun. Sollte ich mich tot stellen? Viele Dinge gehen einem durch den Kopf in solch einer kurzen Zeit. Ich sah nicht mehr hin und lag sehr ruhig und still. Bald konnte ich Fußtritte und Tanks den Hügel herunter kommen hören. Mehrere Wellen von Tanks und Wellen kamen vorbei , als ich sehr ruhig wartend da lag. Es muss wohl die dritte Welle gewesen sein, als ein Sanitäter an meinen Helm trat und mich bewegte. Er stand gerade über mir und wollte wissen ob ich Russe oder Amerikaner war. Ich war froh ihm sagen zu können, ich sei Amerikaner. Er wollte mir dann erste Hilfe geben. Zu dieser Zeit feuerten unsere Leute ziemlich heftig auf die Deutschen, und ich hielt es für vorerst besser abzulehnen. Ich machte ihm verständlich, dass ich keine Hilfe wollte. Er schüttelte nur  ungläubig den Kopf
...Nun bemerkte ich, dass die Deutschen dabei waren, sich auf den Hügel zurückzuziehen: Ich wurde sehr unruhig. Da würden wahrscheinlich mehr Fahrzeuge und Männer noch zurückkommen , sie auf dem Rückzug und ich genau in ihrem Wege. Ich wollte 30-40 Yard weiter und mich an den Weideschuppen schmiegen, die Planken (Bretter) würden mir ein wenig Schutz bieten. An meiner Kampfjacke hatte ich noch zwei scharfe Handgranaten. Ich fragte mich, ob die 105er sie zünden könnten? All dies kam mir in den Sinn. Zwei lebende deutsche Soldaten kauerten an der Ecke. Ich sage lebende, denn da waren noch mehr. Ich war verzweifelt und begann das lange Kriechen und Kämpfen zum Zaun.. Unterwegs versicherte ich mich, dass die Soldaten wussten, was ich tat und wohin ich wollte. Während sie zusahen, nahm ich die Handgranaten ab, legte sie zur Seite und setzte meinen Weg fort. Ich kam etwa 5 Meter an ihnen vorbei. Als ich endlich am Zaun ankam, war ich sehr erschöpft. Die Artillerie- Salven kamen wieder in unmittelbare Nähe. Ich erinnerte mich immer wieder durch Übung, halte deinen Mund offen und atme. Wenn eine Explosion kommt. Es war eine dieser Salven, dass Splitter mich am Kopf trafen. Ein Granatstück, etwa 6mm dick und von der Größe eines halben Dollars schlug durch die Planken und fiel herunter. Ich hob es auf, aber es war zu heiß. Kurz nach diesem Vorfall kam ein US-Tank mit Haubitze aus dem Dorf ca. 400 Yard im Südosten und feuerte südwestwärts. Es war großartig, dass sich die Dinge in Rauch auflösten. Was getroffen wurde konnte ich nicht sagen. Die Jagdbomber bombardierten und schlugen den Feind, mit Infanterie und Tanks, sowie unseren 808 Tankzerstörern wurden 11 abgeschossene feindliche Panzer gezählt, von 16 geschätzten erfuhr ich später.

Bild 14

Am Sägewerk an der Straße nach Bickenriede kam es zu schweren Gefechten zwischen den Verteidiger, die sich im Wohnhaus verschanzt hatten und den Angreifern, die Bretterstapel und Holzlager als Deckung nutzten. Ein weiteres Vordringen ins Dorfinnere gelang den Deutschen aber nicht. Der Widerstand der Amerikaner wurde nun immer stärker. Als Absicherung verblieb einer der beiden Hetzer am Dorfrand zurück, der andere griff mit Infanterieunterstützung entlang der Hauptstraße an. Durch Feindfeuer zurückgeworfen drang nur der Hetzer bis zu Haus Nr. 26 vor, dem Gefechtsstand des Bataillons. Der Komman­dant des Sturmgeschützes Richard Krieg starb, aber es gelang zwei weiteren Besatzungsmitgliedern die für das Gebäude bestimmte Spreng­ladung abzuwerfen. Der Schaden war gering, da diese an der Hauswand abprallten. Ein an­greifender amerikanischer Panzerstörer vernichtete den Hetzer mit einem Volltreffer.

Bild 15

Nun war etwa 1/3 Struth's in deutscher Hand, doch für ein weiteres Vordringen fehlten den Deutschen die erforderlichen Mittel. Die "Unterm Rain" auf den "Kalten Berg" vorrückenden deutschen Panzerstreitkräfte nahmen aus ihrer erhöhten Position den Fahrzeugpark der Amerikaner unter Feuer. Der wurde fast vollständig zusammengeschossen. Dennoch harrten die amerikanischen Verteidiger zwischen den Wracks aus, bis am Nachmittag die Kämpfe endeten. Die Lage für die Amerikaner besserte sich, als die Artillerie des 260. Infanterie - Regiments, die bei Eigenrieden stationiert war, auf das Gebiet im Westen und Nordwesten zu feuern begann. Außerdem feuerten bei Tagesanbruch die Granatwerfer im Dorfinneren wirkungsvoll auf die Angreifer.

Bild 16

Da die schnelle Eroberung des Dorfes ins Stocken gekommen war, begann verfrüht der Angriff gepanzerter Kräfte vom ?Kalten Berg?, um ihn wieder in Gang zu bringen. Daran beteiligt war der einzelne Kampfpanzer Panther V, sowie mehrere Sturmgeschütze. Daneben gingen Infanteriewellen vor. Wegen des offenen Geländes und des massierten Feuers der Amerikaner brach der jedoch zusammen. Der Großteil der Infanterie wurde zu­sammen­geschossen und die Soldaten verbluteten auf freiem Feld. Als Resultat des deutschen Angriffs blieben mindestens 3 zerstörte amerikanische Panzer zurück. Die gepanzerten Trup­pen der Wehrmacht mussten sich aber auf den Ausgangspunkt zurück­ziehen.

Bild 17

Wirksame Hilfe erhielten die Verteidiger des Dorfes aus der Luft. Nach dringender Anfrage  erschienen gegen 9.00 Uhr 11 Flugzeuge des Typs P 47 und nahmen die gepanzerten Kräfte der deutschen aufs Korn. Die Sturmgeschütze nordwestlich von Struth werden ausgeschaltet. Ein weiteres erfolgreich bekämpftes Ziel ist der Kommandeurwagen Worgitzkis, der Funkleitwagen der Panzerkräfte und weitere Wehrmachtsfahrzeuge, die am "Büttstedter Rain" Stellung bezogen haben. Ebenfalls zerstört wird ein Wehrmachts - LKW, beladen mit Flakmunition für die vier Flakgeschütze vor Struth, die auch noch zerstört werden. Opfer des Tieffliegerangriffs wird auch Zivilbevölkerung in Wachstedt. Ein mit Motorschaden liegengebliebener Panzer und eine der am Angriff beteiligten 10,5 cm Haubitzen, die am östlichen Dorfrand in Stellung lagen wurden zerstört.

Bild 18

Die auf dem freien Feld zwischen Büttstedt und Effelder befindliche Infanterie erlitt durch die Tieffliegerangriffe schwere Verluste. Da die Lage unhaltbar war zogen die vier Feldhaubitzen in Richtung Martinfeld ab, wobei eine verloren ging. Auch Naschschub der sich mit Pferdegespannen über die Straße zwischen Luttermühle und Effelder bewegte wurde beschossen. Jugendliche aus Effelder brachten noch verwendbare Panzer­fäuste und Munition mit Handwagen zum Einsatzort. In der zweiten Angriffswelle etwa 3 Stunden später wurde der deutsche Rückzug über die Straße Küllstedt - Wachstedt ? Flins­berg gestellt. Pferdegespanne und Wehrmachtsfahrzeuge werden zusammen­ge­schossen. Auf der Straße zwischen Wachstedt und Flinsberg bleibt ein Munitionswagen teilweise zer­stört zurück. Die noch unversehrten Panzer und Sturmgeschütze im Raum Effelder und Struth werden außer Gefecht gesetzt.
Nach Norden hin geraten auch die Dörfer Kefferhausen und Kreuzebra unter das Feuer der Jagdbomber. In Kefferhausen wird ein mit Munition beladener Schützenpanzerwagen der Deutschen zerstört. Truppenkonzentrationen im Raum Kreuzebra lassen Bombenabwürfe und Beschuss folgen. Den dort stationierten Flaks gelingt um 12.50 Uhr der Abschuss der Thunderbolt von Oltn. Robinson. Eine versuchte Notlandung südlich von Dingelstädt misslingt wohl wegen zu hoher Geschwindigkeit, die Maschine überschlägt sich mehrfach. Das weitere Schicksal des Piloten geht aus dem Heeresbericht der Amerikaner nicht weiter hervor. So trug der Einsatz der Jagdbomber entscheidend zum Sieg der Amerikaner bei. Der Verlust der Panzerfahrzeuge demoralisierte die Truppe, machte einen weiteren Vorstoß der Deutschen unmöglich. So blieb angesichts der weit überlegenen Amerikaner nur der Rückzug der Kampfgruppe Worgitzki. Was als Infanterie- und Panzerangriff begonnen hatte, scheiterte am Einsatz kombinierter Waffensysteme durch die Amerikaner und ihre Fähigkeit schnell Verstärkung heranzuziehen, die den Deutschen nicht zur Verfügung stand. Dazu bemerkte der amerikanische Schlachtbericht, erschienen in der ?Halbert Newsletter?: ?Die 65. Division hatte eine mehr lokale aber bittere Schlacht bevor Abzug und Übergabe ihrer Positionen an der Mühlhausen - Langensalza -Linie an Einheiten der 76. Infanteriedivisionen, um dann SW in ein Sammelobjekt nahe Berka zu ziehen, wo sie dem VIII. Corps der Reserve angeschlossen wurde. Dies war die Schlacht von Struth, die als ein Infanteriegefecht begann und als eindrucksvolles Beispiel der Wirkung kombinierter Waffen endete.

...Der ursprüngliche Plan des 3. Bataillons war, nach L. Komp., Rückzug nach Effelder mit Verstärkung am folgenden Tag zurückzukehren. "Jerry" störte diese Pläne. Er griff vor der Dämmerung Struth an. Im folgenden Gefecht war das 3. Bataillon (Bu) der Widerstandskern, während andere Einheiten Umgehungsmanöver um den Feind in und um Struth ausführten.
"Der Feind griff Struth in zwei Hauptstoßrichtungen an. Der erste war eine Panzerspitze um den Westen des Dorfes, um das Gebiet um den Fahrzeugpark anzugreifen. Der zweite war ein Haus zu Haus Kampf durch Infanterie, der von einem Haus am Nordende des Dorfes
ausging und durch ein halbes Dutzend vorankam , bevor es gestoppt wurde. Als schließlich addiert wurde, wurde geschätzt, dass die Deutschen mit 1000 Infanteristen, Panzern und Sturmgeschützen angriffen.
...Schließlich gab es noch einen anderen Umstand im Kampf um Struth . Der Feind konnte seinen Angriff nicht mit Reserven verstärken. Der größte Teil seiner Truppe war im Kampf , aber eine erhebliche Verstärkung wurde in Dörna gestoppt, als sie sich Struth vom NO näherten. I- Ko., war dabei aus diesem Dorf abzuziehen, kurz bevor der Angriff begann, um eine Bewegung nach SW nach Eigenrieden zu  machen. Doch eine Handvoll war in Dörna zurück­­­ge­­blieben, um nach einiger Ausrüstung zu sehen, die in einem weiteren Zug folgen sollt. Diese Wache diente als Außenposten. Sie nahmen sofort Verbindung zum Kern der I-KO auf, die schnell zu diesem lebhaften Nebengefecht zurückkehrten. Wenn der Feind die Flanken­verteidigung der Division durchdringen konnte, hätte er gut hinter die Positionen der 20. Infan­terie hinter Mühlhausen vordringen können. Dies war das eigentliche Ziel , wie später Gefangene und Dokumente bezeugten, während dieses erfolglosen Angriffs , verlor er 12 von geschätzten 15-20 Panzern und Sturmgeschützen, SP- Kanonen und 4 AA- Kanonen 37mm, daneben 253 Tote und 500 Gefangene von seinen auf 1000 bis 1500 geschätzten Truppen."

Anfänglich war zwar das 3. Bataillon mit 643 Soldaten unterlegen, doch im Laufe der Kampfhandlungen erhielt es schnell Verstärkung. Das 1. Bataillon des 261. Regiments begann um 10.00 Uhr mit einem Frontalangriff aus südlicher Richtung auf Struth. Vom zurückeroberten Struth stieß es gegen Effelder vor, das besetzt wurde. Durch Einsatz des 2. Bataillons des 261. und des 385. Regiments der 76. US- Infanteriedivision kam es gegen 15.00 Uhr zur Eroberung Küllstedts.

Bild 19

Mit Hilfe der aufgeführten Truppen und Mannschaften des 260. Regiments der 65. Division be­gann man die Deutschen, welche 1/3 des Dorfes besetzt hielten, gegen 11.30 Uhr einzu­schließen. Die Umfassungsbewegung wurde gegen 13.30 Uhr abgeschlossen und die Rest­ver­bände der gepanzerten Streitkräfte der Deutschen vernichtet.
Oberst Worgitzki hatte noch am Vormittag mit einem Motor­radbeiwagen den Gefechtsstand der Pioniere in Struth besucht, doch danach begann die Initiative an die Amerikaner über­zu­gehen. Die Aussichtslosigkeit der Lage bewegte 3 verblieben Sturmgeschütze eigen­mächtig zum Rückzug. Sie transportierten Verwundete in Richtung Küllstedt, das sie gegen 11.00 Uhr erreichen.
Sie ziehen in Richtung Wachstedt weiter, nehmen dort Treibstoff auf und fahren nach Heuthen. Dort finden sie zwischen Gebäuden Deckung vor dem zweiten Jagdbomberangriff. Ihnen gelingt schließlich der Durchbruch in den Harz.
Mit Einkesselung der Angriffstruppen und Verlust der Panzer und Sturmgeschütze sieht Kommandeur Worgitzki keine Möglichkeit mehr die Schlacht siegreich zu beenden und befiehlt den Rückzug. Der Befehl aber erreicht die Eingeschlossenen schon nicht mehr.

Bild 20:

Die Angst noch in den letzten Tagen des schon verlorenen Krieges zu fallen beschreibt der Gefreite Hermann Käufel, Fallschirmjäger der 5. Fallschirmjäger- Division:
"...Mir hatte auch jemand eine Panzerfaust in die Hand gedrückt, für alle Fälle. Unser Truppführer ließ es langsam angehen.

Es war ihm anzumerken, dass er von unserem Auftrag auch nicht begeistert war. Und der Durst war immer ein menschlicher Knackpunkt an den man sich lange erinnern kann. Es war ein warmer Frühlingstag und wir kamen an einer Pumpstation vorbei. Das Wasser plätscherte, aber die Tür war fest verschlossen, und wir kamen nicht heran. Kaputtschießen wollten wir die Tür aber auch nicht. So legten wir uns wenigstens eine Zeitlang ins Gebüsch in die warme Frühlingssonne. Nur keine Eile hieß die Parole.
.... Wir dachten an nichts Böses, da tauchten oben am Waldrand zwei oder drei Panzer auf. In gebückter Haltung gingen wir hinter dem Gebüsch weiter und über Lücken krochen wir bis zur nächsten Deckung. Auch die Abstände von Mann zu Mann vergrößerten wir. Aber dann ging die Ballerei los. Sie hatten uns mit ihren technischen Augen ausgemacht und beschossen uns aus ihren Geschützrohren. Die ersten Granaten schlugen noch im ungefährlichen  Abstand von uns ein. Doch dann hatten ihre Richtschützen unsere Lage genau im Visier.
Die ungleiche und unerbittliche Jagd nahm ihren Lauf. Es knallte, gefrorene Erdklumpen flogen durch die Luft und um unsere Köpfe. Wir krochen auf allen Vieren, sprangen ein Stück, blieben flach auf dem Boden gepresst liegen. Volle Deckung, die keine war, in Erwartung der nächsten Ladung.  Und die kam und kam und kam...Nach einem Einschlag rannte ich zum nächsten Gebüsch ein paar Meter weiter. Da bekam ich einen Schlag ins Gesäß und an den Kopf. Mich warf es um.
...Erst als ich mich kriechend fortbewegen wollte, bemerkte ich meine Verletzungen. Ich rief nach den Kameraden, und nun sah ich erst, dass kaum 10 m mir entfernt auch einer schwer getroffen lag.

...Mit einem Kochgeschirr - Riemen band er mir am Oberschenkel das Bein ab, um die Blutung aufzuhalten. Ein anderer bemühte sich um den Kameraden nicht weit von mir. Mitnehmen konnten sie uns beide nicht. Zwei weitere Kameraden hatten leichtere Verletzungen erlitten und konnten sich mit Unterstützung noch fortbewegen. Wir beiden Schwerverwundeten baten die übrigen, sie sollten sich möglichst unauffällig davon  machen, damit die Beschießung nicht von neuem losgehe.
Da lagen wir zwei nun wenige Meter voneinander getrennt, kannten einander nicht, waren zufällig durch den Spähtrupp zum gleichen Schicksal verurteilt worden. Draußen auf weiter Flur, auf hart gefrorenem Aprilboden, weitab von Menschen an einem Ackerrain. Ich sehnte die Nacht herbei, die nicht eintreten wollte, die Kameraden, die uns doch holen wollten. Wo bin ich überall verletzt, ist es schlimm lebensbedrohend? Ich taste mich ab, Schmerzen waren eigentlich noch erträglich, die Hände blutig von der Kopfwunde . Bewegen konnte ich mich nicht , das Gesäß brannte. Mein Kamerad hatte schwere Verwundungen an beiden Beinen und vielleicht auch innerlich, denn er jammerte vor Schmerzen.
Ich redete ihm zu, halte aus, die Kameraden werden bald kommen. Plötzlich hörten wir schwere Motorgeräusche, die immer näher kamen.


Bild 21:

Ich erschrak fürchterlich und bekam Todesangst, die ich nicht beschreiben kann. Zwei Panzer rollten den Acker entlang, kamen immer näher und fuhren direkt auf uns arme Teufel zu. Um Gottes Willen, die werden uns doch nicht überfahren? Wir schrien mit letzten Kräften , streckten auf dem Rücken liegend die Hände hoch. Ich zitterte und betete. Liebe Mutter Gottes, lass das doch nicht zu. Der Schweiß , Todesschweiß, muss mir aus allen Poren gequollen sein, kurz vor so einem schrecklichen Ende. Diese Minuten zwischen Sein und Nichtsein sind einfach nicht zu beschreiben. Die Luken der Panzer waren zu. Ich hoffte zwar noch, glaubte aber schon nicht mehr daran, dass die uns ausgemacht hatten. Unbeschreiblich schreckliche Sekunden, in denen ich nur noch Panzerketten sah.
Kaum 15 m vor mir hielt der vordere Panzer an. Die Einstiegsluke öffnete sich und heraus kam ein Mensch, kein Feind, ein Retter. Sie hatten uns gesehen, sie wollten uns arme Hunde nicht zermalmen. Was ging in diesem Augenblick in mir vor? Ich weiß es nicht. Das eine aber weiß ich, ich weinte nur noch....."

Bild 22:

Den Sichtschutz der Wälder nutzend ziehen die Geschlagenen in Richtung Westen ab. Einzeln oder in kleinen Gruppen und zum Großteil nicht mehr bewaffnet. Einzig die noch voll bewaffneten Fallschirmjägereinheiten bilden noch geordnete Einheiten. In den Dörfern die sie durchqueren erregen sie Aufsehen und Empörung. Unterdessen erobern die Amerikaner im erbittertem Nahkampf Haus um Haus zurück und brennen diese hinter sich ab. Nur wenigen Einheiten der Eingeschlossenen geling der Rückzug. Es blieb ihnen nur Tod oder Gefangenschaft. Wie gefährlich auch die Kapitulation war beschreibt der Auszug eines Briefes den ein Landser an die Angehörigen seines gefallenen Kameraden schrieb:
"...Nachdem der Ort zu zwei Dritteln in Flammen stand, und wir auf engstem Raum zusammen­gedrängt waren, gab es für uns nur noch die Möglichkeit entweder zu sterben oder in Gefangen­schaft zu gehen. Um 13.30 Uhr gingen wir mit einem kleinen Häufchen der 4. Kompanie in Gefan­gen­schaft. Die Verwundeten wurden sofort von den Amerikanern übernommen und abge­liefert..."

Bild 23:

Gegen 14.30 Uhr erlosch auch der letzte Widerstand der Deutschen im Dorf.
Die Angriff der Wehrmachtstruppen forderte einen hohen Blutzoll. Ständig waren Sanitätsfahrzeuge im Einsatz um die Verwundeten von den Verbandsplätzen in Struth, Küllstedt, Wachstedt und der Luttergrundmühle in die Heiligenstädter Lazarette zu trans­portieren. Bis zum Jahresende erlagen dort noch 135 deutsche Soldaten ihren Verletzungen.
107 von ihnen sind auf Heiligenstädter Friedhöfen bestattet. Auf dem Schlachtfeld zurückgebliebene Deutsche wurden am 8. April von ameri­kanischen Sanitätern versorgt.
Bei der Rückeroberung Struths begannen die Amerikaner systematisch Wohnhäuser und Scheunen in Brand zu stecken. Anlass dafür war die Vermutung der Amerikaner die Bewohner des Dorfes hätten sich der Partisanentätigkeit schuldig gemacht.
Diese war erwartet worden, da Himmler und Goebbels am 1. April den "Wehrwolf", zur zerstörerischen Partisanentätigkeit hinter den deutschen Linien  aufgerufen hatten. Dieser Aufruf endete mit den Worten: ?...Hass ist unser Gebet und Rache unser Feldgeschrei.? Aber solch ein Aufruf fand in der kriegsmüden Bevölkerung keine Resonanz mehr. Als die Schlacht von Struth tobte kam es zu zwei Ereignissen, die in der amerikanischen Führung den Verdacht weckten es mit Partisanentätigkeit zu tun zu haben. Der deutsche Angriff kam wie schon festgestellt überraschend und verursachte hohe Verluste. Es kam zum Läuten der Kirchenglocken, was die von den Amerikanern als Verständigung zwischen den in die Kirche geflüchteten Zivilisten und den vorstürmenden Deutschen. Fakt aber ist, das ein deutscher Beschuss des Kirchturmes stattfand. Da die amerikanische Artillerie sehr präzise in den Bereitstellungsraum der Deutschen schoss, vermuteten die einen Beobachter auf dem Kirchturm. Die daraufhin eingeschlagenen Panzergranaten könnten ein Läuten der Glocken bewirkt haben. Ein zweiter Beweis soll die Hetzerattake auf den Kommandostand des 3. Bataillons sein. Kurz vor dem Haus Nr. 22 stoppte der Hetzer, worauf der Befehlshaber die Weiterfahrt zur Nr. 26 befohlen haben soll. Der Bericht Robert Cardinalls 2nd Leutnant, 3. Bataillon des 261. Regiments bemerkt dazu: "Noch waren die Zivilisten nicht fertig mit ihrer schmutzigen Arbeit. Einer der Männer von der Nachrichtenabteilung sah aus einem Haus und bemerkte eine deutsche Selbstfahrlafette, die die Straße herunterkam. Alle paar Häuser hielt der Panzer und der Kommandeur sah heraus. Er schrie etwas und sie polterten ein paar Häuser weiter. Als sie gegenüber dem Unteroffizier Goldstein hielten, sah der Kommandeur heraus und rief: ?Nein das ist Nummer 22, wir wollen Nummer 26." Das waren seine letzten Worte, denn Goldstein trat hervor, spannte seine M-3 Maschinenpistole und schoss den Kommandeur ab. Jedenfalls ratterte der Panzer weiter zu Nummer 26. Warum? Weil es das Hauptquartier des Bataillons war, und dieser Panzer wollte es nehmen. Ich war der erste am Fenster als ich Goldsteins Schüsse hörte. In dem Moment, wo ich am Fenster war, stoppte der deutsche Panzer. Zwei Männer von drinnen warfen zwei Kofferladungen mit Dynamit, jede etwa 12 Pfund schwer und donnerten davon. "Schlagt sie", schrie ich mit aller Kraft und sprang zur Rückwand des Zimmers. Das machte ich nicht aus eigener Kraft, sondern ich prallte mit einem dröhnenden Schlag gegen die Wand durch die Wucht der Explosion. Ich wurde von der Mitte des Raumes an die Wand geschleudert und mag wohl geguckt haben, wie Tommy die Katze in einem Zeichentrickfilm, wenn sie gegen die Tür läuft. Für einen Moment lag ich dort und konnte keine Luft kriegen. Es gelang mir dann, wieder auf die Füße zu kommen und ich schwankte zu den Überresten des Fensters. Ich sah in dem Moment heraus, als ein Schütze der K-Kompanie zu einem unserer Panzerzerstörer rannte, der gerade in Richtung Ortsausgang zeigte. Gerade 50 Yard hinter ihm war der deutsche Panzer.
Er schlug mit seinem Gewehrkolben an das Panzerfahrzeug bis der Unteroffizier seinen Kopf heraus steckte. Nach einem schnellen Austausch mit Worten und Gesten, folgte das
Wenden des Turmes mit seinem  90 mm Geschütz. Es schien erst anzuhalten als er auch schon schoss, es gab einen grellen Feuerblitz und Staub. Ein zweiter Schuss folgte und der deutsche Panzer begann zu brennen.
...Jedenfalls gebührt Goldstein die meiste Achtung, weil er rechtzeitig vortrat und den Panzerkommandeur erschoss, den Mann der geplant hatte, diese Kofferladung durch das Fenster in unser CP zu werfen. Ein Wurf der unser aller Tod gewesen wäre. Sein Tod hat uns alle gerettet, weil die anderen im Panzer zu tief saßen, um die Ladung in die Fenster zu werfen und konnten sie nur außen explodieren lassen, für uns ungefährlich. So endeten die Aktivitäten der Zivilisten von Struth. Es hat aber auch gereicht, denn viele waren im Ergebnis gefallen oder verwundet worden, durch diese Aktionen, die unnötig waren. Der Bürgermeister verständigte die deutschen Truppen und sagte ihnen wo wir waren. Er war verantwortlich für die Kirchenglockensignale, die unsere Schwachstellen aufzeigte. Er verriet den Ort unseres CP und hätte ihn beinahe vernichtet, was zur Folge gehabt hätte, dass das Bataillon ohne Führung gewesen wäre und viele Verletzte unserer Hilfsstation getötet hätte.
... Die Aktionen der Zivilisten trugen bedeutend zum teilweisen Erfolg und zur Überrumpelung durch die deutschen Streitkräfte bei, das ist die einzige Möglichkeit, denn die Aktion hätte niemals stattgefunden, wenn nicht der Bürgermeister aus dem Ort geflohen wäre und die deutschen Kräfte in der Nähe von Mühlhausen alarmiert hätte.
...Die amerikanischen Soldaten waren sich nun der Gefahr bewusst, die von der Zivilbevölkerung ausgehen kann und sie standen deren Aktivitäten nicht mehr gleichgültig gegenüber. Ärger wuchs in allen von uns, während der Schlacht und als wir uns am 7. April 1945 aus Struth zurückzogen zeigten wir unseren Zorn gegen die Zivilbevölkerung offen. Es war eines der wenigen Male, dass amerikanische Truppen Repressalien begingen. Wir brannten viele der Struther Häuser an, als wir abzogen. Ich selbst brannte das Haus des Bürgermeisters ab und bis zum heutigen Tag habe ich das kein bisschen bereut. Ich fühle, das ist die verdiente Strafe für die unerwünschte Einmischung."

Die Amerikaner vermuteten einen Verrat des flüchtigen Bürgermeisters. Konnte er den Deutschen Informationen über die Positionen der Amerikaner weitergegeben habe? Das jedoch ist eindeutig widerlegt. Aus deutschen Berichten geht hervor das vor der deutschen Operation kein Kontakt zwischen den Bewohnern des Dorfes und den Truppen stattgefunden hatte.
Naheliegend deshalb, dass die Wut über hohe Verluste die Amerikaner verleitete, die Misere einer Partisanentätigkeit zuzuschreiben. Dazu aus den "Kamperfahrungen" des Phillip Kales: "...Um 15.00 Uhr dieses Tages war alles vorbei. Die Schlacht hatte gerade 12 Stunden gedauert. Was anfangs als eine düstere Lage erschien , wandelte sich in einen großen Sieg. Wir schossen alle Panzer und schwere Ausrüstung der Jerries ab, töteten einige hundert der Supermann- Heinis und nahmen ein paar gefangen. Um den Job gut abzuschließen, brannten wir das Dorf nieder bevor wir abzogen. Was für ein schönes Feuer das gab! Dort war es auch wo uns die Nazis mit einem neuen Namen ehrten. Wegen unserer Brutalität dort, den Feind eher zu töten als gefangen zu nehmen und wegen unseres Plünderns und Niederbrennens ihrer Häuser, nannten sie uns "Pattons SS". Der Name blieb an uns hängen und war ein Schreck sowohl für Soldaten als auch für Zivilisten bis zum Kriegsende. Inzwischen hatten wir auch Ansehen und Anerkennung bei unserem eigenen Stab  gefunden und wurden "Patton´s Crack 65." (Pattons Krack 65) genannt."
Letztlich werden in einem Krieg alle Konventionen zur Makulatur. Der Lehrerin Fräulein Döbel aus Martinfeld wurde, als sie sich über die Beschädigung ihrer Wohnungseinrichtung beklagte, lakonisch geantwortet: "Es ist Krieg?  Sie schreibt in ihrem Tagebuch: ?...Ich fragte ihn: ? Why have you so damaged my dwelling room?"Warum haben sie meine Wohnung so beschädigt?)...Der Amerikaner: "And what have you done in Luxemburg, Belgium and France? In France no house is undamaged!" (Und was habt ihr in Luxemburg, Belgien und Frankreich getan. In Frankreich ist kein Haus unbeschädigt.) Drauf fragte ich ihn: "And why have you shooten on my window. I had hanged a white flag out of it!"(Und warum habt ihr auf mein Fenster geschossen? Ich hatte eine weiße Flagge herausgehängt!) Er erwiderte: "You hang white flags out and shot at our soldiers."(Ihr habt weiße Flaggen gehisst und auf unsere Soldaten geschossen.)
Darauf entgegnete ich: "But we are Ladys and we have not killed one of yours."
( Wir sind Frauen und wir haben nicht einen von euch getötet.)" "It is war!" ("Es ist Krieg!")
Der 7. April war für Struth eine Tragödie. Hatten die Familien die Kämpfe in Todesangst in den Kellern ihrer Häuser verbracht. Haus um Haus wurde von den Amerikanern zurückerobert und angezündet. Die Bewohner wurden daran gehindert die Brände zu löschen und zur Flucht in die nahen Waldgebiete. Einigen gelingt die Rettung kleiner Habseligkeiten. Viele verlieren alles. Die Fliehenden geraten noch dazu in den Tieffliegerbeschuss der amerikanischen Jagdbomber. Frau Böhm und ihre zwei jüngsten Kinder werden tödlich getroffen. Die 12jährige Maria Elisabeth wird schwer verwundet. Sanitäter bringen sie in das Hospital Pfafferode.
Dort erliegt sie ihren Verletzungen. Sechs weitere Bewohner des Dorfes werden an diesem Tag Opfer der Kämpfe. So werden 65 Familie ihrer Existenz beraubt. Bei Aufräumarbeiten findet man die verkohlten Leichen deutscher Soldaten. 14 von ihnen werden unbekannt auf dem Struther Friedhof bestattet.  Doch auch die folgenden Tage hielten sich noch viele Struther versteckt. Im Kloster Zella fanden Obdachlose ein Asyl. Am 10. April kam das Gerücht auf, dass alle Struther erschossen werden sollten. Der Freiherr von Fries vom Kloster Zella und der Struther Pfarrer Lerch unternahmen einen Bittgang zum amerikanischen Kommandanten. Man sah von dem Vorhaben ab. Trotzdem kam es aber zu einem weiteren tragischen Zwischenfall. Da die Amerikaner den flüchtigen Bürgermeister nicht fassen konnten ergriffen sie an seiner statt Albert Ruhland. Er wurde als Unterbürgermeister eingesperrt, da man ihm das Läuten der Glocken anlastete. Robert Cardinell schreibt in seinem Bericht: "...Er verbrachte die Nacht bei Wasser und Brot. Am nächsten Tag kurz vor unserem Abmarsch gingen ein paar Offiziere, ich weiß nicht wer,... zurück zum Stall erschossen den Unterbürgermeister. Im Rückblick ein weiterer schlechter Vorfall."

Um weitere Verluste zu vermeiden unterlassen es die Amerikaner die Wälder um Struth zu durchkämmen. Nur wenn Vormarschwege betroffen sind geschieht dies. Allein im Bereich des Wilhelmswaldes bleiben 30-40 Deutsche unentdeckt. Sie unternehmen am 8. April unter Führung eines Feldwebels den Ausbruch nach Norden. Weiter bleiben zehn Soldaten des Regiments Hirschfeld unentdeckt, die sich im Hortelsgraben bei Büttstedt verborgen hielten. Erst mehrere Stunden nach Ende der Kampfhandlungen wagen sie sich aus ihrem Versteck und begeben sich an der Straße Büttstedt - Bickenriede in Gefangenschaft. Einige Soldaten hielten sich auch am Dorfrand in einem Haus versteckt. Als sie entdeckt werden wird das Haus in Brand gesteckt. Gegen Abend des 7. April erscheinen zwei deutsche Jagdflugzeuge vom Typ FW190 über dem Obereichsfelder Raum. Auf der Straße zwischen Katharinenberg wird ein LKW-Konvoi beladen mit deutschen Kriegsgefangenen aus Struth und Dörna beschossen. Es gibt viele Tote und Verwundete. Eine mit Flachswerk gefüllte Scheune in Anrode brennt ab. Auch Mühlhausen wird Ziel eines Tieffliegerangriffes. Mehr als 30 Zivilsten, vorwiegend Frauen und Kinder sterben. Zwei amerikanische GIs werden tödlich getroffen. Das Kommando bezeichnet die Verluste als belanglos. Es gelingt der Abschuss eines FW 190.
Auch Küllstedt wird noch am 7. April durch die siegreichen Amerikaner besetzt. Der damals fünfzehnjährige Eduard Fritze be­schreibt in seinem Tagebuch die Kämpfe zwischen ab­rückenden Deutschen und vorstoßenden Amerikanern.
...Wieder zuhause, helfe ich meinem Vater beim Gefechtklarmachen unseres Wohnhauses. Alle Fenster wurden weit geöffnet und die Gardinen in der Mitte geknotet oder abgenommen. Am Bahnhof sehe ich die Feldküche auf den LKW in voller Aktion. Der Schornstein qualmt, Erbsensuppe mit Bauchfleisch ist im Kessel. Ein Kradmelder taucht plötzlich von Küllstedt kommend auf und bringt die Meldung: Dingelstädt ist vom Amerikaner besetzt. Eine Gruppe Fallschirmjäger hatte sich im Gelände um den Bahnhof verteilt.  Zum Gefechtslärm von Süden kommt nun, deutlich zu vernehmen, Geschütz und MG Feuer aus östlicher und nördlicher Richtung. Einzelne Soldaten, Infanteristen, kommen einzeln oder in kleinen Gruppen aus dem Bahneinschnitt und verschwinden in Richtung Hollau. Gegen 11.15 Uhr schiebt ein Feldwebel der Infanterie(?) sein Leichtmotorrad , ein 98 cbm Typ Wanderer, in unseren Garten und stellt es am Zaun ab. Er erklärt meinem Vater, dass er als Kompanieführer anstelle des gefallenen Leutnants, seinen Kompaniegefechtsstab in unserem Haus einrichten möchte. Er hat nur eine Kartentasche umhängen und als Bewaffnung eine Pistole. Mein Vater räumt ihm den Schreibtisch frei in der guten Stube. Tatsächlich erscheint schon bald aus Richtung Büttstedt ein Kradmelder. Wir hörten mit: "Die Amerikaner sind in wenigen Minuten hier, sie haben soeben das Nachbardorf Büttstedt besetzt." Es setzt dann schlagartig Granatbeschuss ein und MG - Feuergarben schlagen klatschend und laut surrend in die dem Haus gegenüberliegenden Baumreihen und abgestellten Waggons. Als einzelne Granateinschläge in unmittelbarer Nähe liegen, packt unser Feldwebel plötzlich seine Kartentasche zusammen und verschwindet zu unserem Erstaunen durch das Nordfenster zu Fuß in Richtung Bahnhof . Mein Vater fordert nun ganz unmissverständlich: "Alles in den Keller" und wir folgen seinen Worten. Und doch gab es vor der Ankunft einen unvergesslichen Zwischenfall. Wir hatten durch das geöffnete Fenster einen guten Durchblick auf die Straße. Plötzlich stand über unserem Treppenzugang auf der höher gelegen Straße ein Sanitätsauto, ein großer Lieferwagen, weiß mit großem Roten Kreuz.

Ein Soldat sprang heraus und rannte auf unser Haus zu. Mein Vater begab sich sofort nach oben- ich hinterher. Der Soldat rief uns entgegen: "Trocken gefahren - Wasser, möglichst Gießkanne ? habe Schwerverwundete geladen - der Amerikaner unmittelbar hinter uns." Wie so oft in solchen Situationen war eine Gießkanne nicht auffindbar. Während ich noch suchte, hatte mein Vater aus dem Küchengebrauch einen weißen Wassereimer am Leitungshahn vollaufen lassen und der Sanitätsfahrer rannte mit diesem zurück. Umgeben von Wasserdampf  füllte er den Kühler und stellte den Eimer gut sichtbar für uns am Straßenrand ab, um dann in Richtung Küllstedt zu verschwinden.

...In unserer Kellerzeit, war an unserem Fensterausblick zur Straße eine gewaltige Militärarmada vorübergezogen. Panzer verschiedener Typen, überwiegend große Sherman, Ketten- und Halbkettenfahrzeuge, Lastkraftwagen verschiedener Größen und immer wieder dazwischen Jeeps.

Bild 24:

Die Verluste der Deutschen in der Schlacht um Struth waren extrem hoch. 255 Gefallene und 630 Gefangene, denen amerikanische Verluste von 27 Toten und 89 Gefangenen gegen­über­standen.
Der Heeresbericht jedoch verschweigt das Scheitern des Angriffes. Der Bericht des Oberst i. G. Estor von 1947 bemerkt lapidar:

"...Der während der Nacht begonnene Angriff der eigenen Kampfgruppe hat zunächst Boden gewonnen, kommt aber dann vor zunehmender feindlicher Gegenwirkung zum Erliegen. Fühlbare Verluste durch die bei Tage einsetzende Lufttätigkeit... Der Versuch durch Angriff die Verbindung zum großen südlichen Nachbarn (7. Armee) herzustellen, ist, wie auf Grund des Kräfteverhältnisses vorauszusehen gescheitert... Ein taktisches oder operatives Ziel ist nicht erreicht worden."

Alle Texte aus Eduard Fritze

"Die letzten Kriegstage im Eichsfeld
und im Raum Mühlhausen vom 3. ? 10. April"