100 Jahre Fußball in Struth


Bei meinen Recherchen in Vorbereitung der 100 Jahrfeier der DJK Struth im Jahre 2021 stieß ich auf eine interessante Entdeckung. Der erste Fußball in struth wurde bereits 1914 gespielt, wie die Chronik von Vinzenz Hoppe aus dem Jahr 1961 verrät.

Ich möchte an dieser Stelle schon mal an die Anfänge des Fußballs in  Struth im Jahre 1914 erinnern

Wann rollte in Struth der erste Fußball?

Darüber weiß Sportfreund Karl Köthe zu berichten.

Der erste Fußball in Struth rollte im Frühjahr 1914. Es war der Sohn Heinrich des aus dem eichsfeldischen Worbis zugezogenen Gastwirtes Peilert der den Gedanken des Fußballspielens nach Struth trug. Sein Vater hatte die "Kellnersche Gastwirtschaft zum Hirsch" in der Dorfmitte, heute Grundstück von Gerhard Tasch - Maria Vondran, in Pacht genommen. Heinrich Peilert war Klempnerlehrling in Mühlhausen und wurde auch von da aus noch in der Fußballeridee bestärkt.

Er sammelte eine Anzahl Jugendlicher um sich und begeisterte auch sie für den "König Fußball", der von England aus immer mehr Nationen für sich gewann. Sogar der gehbehinderte Artur Simon - ein Bruder des späteren Hauptbegründers des "Sportvereins 1921" Werner Simon, ging als Tormann mit. So kristallisierte sich dann die allererste Struther Fußballelf heraus. Es gehörten ihr an:

Artur Simon,

Werner Simon,

Karl König,

August Hahn (Bruder vom späteren Bürgermeister Josef Hahn), die Brüder

Richard Jakobi und

Albert Jakobi,

Godehard Richardt,

Heinrich Köthe (heute in San Francisco USA),

Alois Köthe (als Lehrer i.R. in Langendreer im Oktober 1970 verstorben;

Karl Köthe (heute in Birkungen),

Gerhard Köthe,

Norbert Gebhardt,

Franz Richter und

Wilhelm Fritsch (als Lehrer in Westdeutschland verstorben).

Die Brüder Simon hatten die Tore angefertigt. Doch wussten sie sich ganz praktisch dabei zu helfen. Die Torpfosten wurden mit Ösen  versehen in die man die Querlatte einsteckte. Sonntags zog die Schar dieser Sportjünger mit 6 Torlatten und Fußball durchs Dorftal.

Hier war die berühmte Waldwiese "Vor dem Hain" oder wie sie im Struther Volksmund hieß "ver?m Heune". Im jungen Frühling bis St. Georgi, denn da war der Graswuchs gefährdet, zog die Struther Dorfgemeinschaft nach hier, um das Ballspiel, dem "Jägerruh der Burschen und dem Reigentanz der Mädchen" zuzuschauen. Hier war also auch der erste Fußballplatz der provisorischen Elf von Struth.

Fiel einer aus, dann hatte man ja noch einige Ersatzmänner auf Lager. Nach dem Spiel, es handelte sich ja vorerst nur um ein Training, zogen die Fußballer mit ihren Torlatten wieder nach Hause. Eines Sonntags hatte man die Tore in die Tannen gelegt. Als man am nächsten Sonntag wieder nach dort kam, hatten "gute Freunde" alle Torhölzer durchgesägt. Solche Gemeinheit hätte man im Bilde festhalten müssen, aber das Fotografieren war damals noch ein recht teurer Sport.

Nach Georgi wurde auch auf der "kleinen Zwetschgentrift am "Geselgerethsweg" trainiert. Doch war der mit Bäumen bestandene Platz räumlich zu klein. Auch 1915, also im 2. Jahr des 1. Weltkrieges, kam das Ganze über den Rahmen des Trainierens nicht hinaus. In den Nachbarorten wurde noch kein Fußball gespielt und so fehlte eben die Mannschaft mit der man sich hätte messen können. Außerdem hatte ja der Krieg dem Sportgedanken ein Ende bereitet, da immer mehr Fußballer eingezogen wurden.

Es blieben im I. Weltkrieg der Initiator Heinrich Peilert, Karl König (Sohn von Heinrich König in der Höhle) und Norbert Gebhardt.

Der Weltkrieg ging 1918 zu Ende, die Soldaten kehrten nach und nach wieder heim.

Werner Simon, Wilhelm Fritsch, Alois Köthe und Karl Köthe waren bald wieder am Fußball. Viele Jugendliche wurden von ihnen in ihrer Begeisterung mitgerissen, die Zahl der Sportler wuchs und es wurde an allen Ecken fleißig trainiert.

Damit wuchsen aber auch die Anfeindungen von unvernünftigen Dorfgenossen. Besonders superkluge alte Einwohner sagten: "Ihr wollt wohl den Militarismus wieder errichten und weiterführen".

Die Bauern sagten: "Wenn die sich wochentags so quälen müssten wie wir, dann könnten sie Sonntags nicht so herumspringen." Unentwegt wurde weiter gespielt und es gab die ersten Wochentage manchen Muskelkater. Bis zu 3 Stunden den Sonntag waren die Männer am Ball. Da der Georgstag das Spielen auf der Hainwiese immer mehr in Frage stellte, von den Gemeindevätern auch kein Entgegenkommen zu erwarten war, rückte die Platzfrage immer mehr in den Vordergrund.

Mittlerweile waren die Fußballfreunde auf über 90 angewachsen und die Frage einer festen Organisation wurde immer brennender.

Ein sehr abschüssiges Gelände an der Lengenfelder Straße, dem Struther Berg vorgelagert, lag als alte Leiden brach und gehörte dem ehemaligen Besitzer von Kloster Zella, Generalleutnant Rudolf von Fries.
Eine Genehmigung wurde eingeholt und es wurde hier gespielt und trainiert. Wieder war es Werner Simon der mit den Pferden seines Vaters Joseph Simon, die dicken Schollen an den hochgelegenen Stellen wegackerte. Mit Hilfe von Schiebekarren und auch auf den Armen wurden die Grasschollen in die Löcher gepackt, um den Platz etwas auszugleichen, damit der Ball nicht gar zu schnell abrollte. Meistens gab es dann Streit darüber, wer den Ball immer wieder auf den Stücken des "Pfaffflecken" wiederholen sollte.

Als immer mehr die Hoffnung bestand, dass uns von Fries den Platz gänzlich für den Fußballsport zur Verfügung stellen würde, begann die Sportlerschar mit des Planieren und Einebnen des Geländes. Dafür wurde jede nur erdenkliche freie Stunde ausgenutzt. Der Schreiber dieser Chronik hat als kaum Schulentlassener im Jahre 1922 sogar abends mit beim Planieren geholfen. Aus den Tannen. des Struther Berges wurde ein großer Haufen dürrer Äste zusammengeschleppt und beim Feuerschein wurde am Platz gearbeitet.

Das Spielen auf diesem ebenfalls nicht vorschriftsmäßigen und kleinen Platz wirkte sich später beim Spielen auf einem fremden Platz nachteilig aus. Denn diese Entfernungen war man ja nicht gewöhnt.

Aus der Sportchronik des Vinzenz Hoppe


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