1930 -1933

Aus der Chronik
"50 Jahre Fußball in Lengenfeld u. Stein"
von Walther Fuchs

Friedrich Grawe am 12. Juni 1930 als verkäufer in der "Gede"

Ein besonderer Leistungsanstieg begann mit dem 12. Juni 1930. An diesem Tage wurde das Lebensmittelgeschäft "Gede" in Lengenfeld u. Stein eröffnet. Mit dieser Eröffnung trat Friedrich Grawe aus Meschede/Sauerland, ein ganz hervorragender Fußballspieler, seine Arbeitsstelle als Verkäufer in diesem Geschäft an. Sportfreund Grawe, ein brillianter Techniker, führte nun ein regelmäßiges Training ein, das er selbst leitete. Er selbst spielte nun Mittelstürmer, und wenn es ein Verteidigungsspiel war, Mittelläufer in unserer Mannschaft. Schon einige Wochen später war ein Leistungsanstieg und eine bessere Kondition spürbar.
Als dann auf dem großen Schulsportfest auf Bischofstein unsere I. Mannschaft gegen den Bischofsteiner SC am 20. August 1930 antrat, wurde das Spiel mit 7:2 gewonnen. Ein großer Erfolg für unsere Mannschaft war, mit der Beendigung der Punktspielserie 1931, der Vizemeister im Bezirk Hülfensberg hinter dem großartigen FC Geismar.

Franz Riese, rechts im Bild, in Aktion

(1) Vorsitzender Karl Wegwerth - (2 ) Heinrich Müller - (3) Josef Richwien - (4) Paul Riese - (5) Heinrich Riese - (6) Michael Kattner - (7) Johannes Witzel - (8) Ernst Eichner - (9) Johannes Richwien - (10) Peter Hahn - (11) Konrad Scharf - ( 12) Franz Riese

Ein weiterer Höhepunkt bildete das Spiel gegen den FC Warburg auf Ostern 1932 (siehe Bild), das nur mit 2:1 verloren ging. Ebenso wurde gegen den FC Eschwege  mit 1:2 ein recht gutes Ergebnis erzielt. Bei dem Rückspiel in Eschwege im Frühjahr 1932 erlitt unser Torwart auf dem Aschenplatz eine sehr schwere Verletzung am Knie. Dieser Torwart war unser unvergesslicher Sportsfreund Konrad Scharf, den man heute noch zu den besten Torhütern unserer Fußballmannschaften in der fünfzigjährigen Fußballgeschichte zählt. Noch heute denken viele alte Sportler daran, wie oft er durch seine bravourösen Paraden für unsere Mannschaft den Sieg errang.

Konrad Scharf, starb in Folge eines Sportunfalls am17. Juli 1932

Leider gab es zu dieser Zeit kein Penicillin und keine Tetanusspritzen, so dass unser Konrad Scharf an den Folgen dieser Verletzung am 17. Juli 1932 verstarb.
Ein besonderes Fußballtalent war unser rechter  Halbstürmer Heinrich Müller, der schon mit 16 Jahren als bester Jugendspieler in unsere I.Mannschaft berufen wurde. Mit seiner Schnelligkeit und seinen Dribbelkünsten stellte er manche Verteidigung vor fast unlösbare Aufgaben und gab manchem Torwart mit seinen scharfen Schüssen das Nachsehen.
Eine ganz besondere Verstärkung unserer I.Mannschaft in diesen Jahren war der Zugang der Sportfreunde Karl-Dietrich Viering als Torwart und Reinhard Thienken als linker Halbstürmer vom SC Bischofstein.
Der allerbeste Spieler, den wir besessen haben und unserer Mannschaft in den 30ger Jahren als Spielerpersönlichkeit das Gepräge gab, war unser Johann Kasperski.

Hintere Reihe, von links nach rechts:  Heinrich Riese, Heinrich Müller, Franz Riese, Reinhard Thienken, Johannes Witzel
Mittlere Reihe: Peter Riese, Michael Kattner, Ernst Eichner
Vordere Reihe: Peter Hahn, Kunsch vom Bischofstein, Johann Kasperski

Er kam aus der Reserve von Schalke 04 und brachte unserer Mannschaft durch fleißiges Training  die derzeitige Taktik und Spielweise der Schalker zu dieser Zeit, wenn auch im bescheidenen Maße, bei. Sein Einsatz war stets spielentscheidend.

Unsere stärksten Mannschaften in den 30er Jahren waren:

I. Mannschaft:
Karl-D. Viering, Peter Hahn, Franz Riese, Paul Riese, Michael Kattner, Ernst Eichner, Heinrich Riese, Heinrich Müller, Johann Kasperski, Reinhard Thienken, Johannes Witzel.
Jugendmannschaft:
Albert Hahn, Kurt Hahn, Andreas Riese, Andreas Witzel, Walter Höppner, Heinrich Müller II, Hugo Hahn, Lorenz Witzel, Bernhard Müller, Walther Fuchs, Johannes Menge.

Infolge der Benutzung des Bischofsteiner Sportplatzes durch zwei Sportclubs, dem Bischofsteiner SC und dem BSC Lengenfeld u. Stein, traten immer mehr Terminschwierigkeiten auf. Daher stellte der Lengenfelder Fußballclub am 2. Mai 1931 erneut einen Antrag an die Gemeinde, einen geeigneten Platz zur Verfügung zu stellen. Den Ausbau würden die Fußballer selbst übernehmen. Am 9. Mai 1931 fasste die Gemeinde folgenden Beschluss. "Einen Beschluss über den Antrag des Fußballclubs jetzt schon herbeizuführen, erübrigt sich, da die Angelegenheit noch nicht genügend geklärt ist. Eine Beteiligung der Gemeinde bei der Anlegung des in Aussicht genommenen Sportplatzes soll stattfinden und wird die Gemeinde zur gegebenen Zeit hier zu Stellung nehmen.?
Nach dreimonatiger Wartezeit auf die Stellungnahme der Gemeinde stellte der Fußball ? Club am 3.8. 1931 wiederum einen Antrag , die Ausmaße der Turnerwiese, auf der schon ein Tor stand, weiter nach Westen zu verlegen, um darauf einen Sportplatz auszubauen..
Laut Protokoll vom 15.8.1931 gab die Gemeindevertretung folgende Erklärung ab: "Zu diesem Antrag konnte keine Stellung genommen werden, weil der infrage kommende Besitzer des betreffenden Landes nicht erschienen war und der anwesende Vorstand des Fußball - Clubs keine greifbaren Vorschläge machen konnte.?
Damit war wieder einmal der Bau eines eigenen Sportplatzes ins Wasser gefallen. Die Lengenfelder mussten weiter auf dem Bischofsteiner Platz spielen. Eine Einigung mit Herrn Dr. Ripke wurde dahingehend erzielt, dass die Schulmannschaft am Sonnabend und der BSC Lengenfeld u. Stein am Sonntag den Sportplatz für Wettspiele benutzten konnte.
Mit der Arbeitslosigkeit in den Krisenjahren 1931 bis 1933 verschlechterte sich auch die Finanzlage des Fußballvereins. Mehrere Sportler konnten nicht mehr ihren Beitrag und viele Zuschauer nicht mehr ihr Eintrittsgeld bezahlen. Daher stellte der Fußballclub den Antrag an die Gemeinde um Beihilfe zur Pacht für die Benutzung des Sportplatzes Schloss Bischofstein. Erst nach nochmaligem Antrag wurde die Angelegenheit am 19.1.1932 durch die Gemeindevertretung ?dahingehend erledigt, die gepachtete Wiese unterhalb des Dorfes, welche für Sportübungen gepachtet war, zu kündigen und die dafür gezahlte Pacht in Höhe von 50,- Reichsmark dem Sportclub als Beihilfe zu überweisen.?

Dr. Wilhelm Ripke in den 30er Jahre

In dieser Not ermäßigte Herr Dr. Ripke in großzügiger Weise die Pacht von 120,- RM auf 50,- RM und verzichtete mit einem Schreiben vom 15.12.1932 für das Jahr 1933 vollkommen auf die Pacht.