1922 - 1930

Aus der Chronik
"50 Jahre Fußball in Lengenfeld u. Stein
"
von Walther Fuchs

Das Jahr 1922 hat für den Lengenfelder Sport eine besondere Bedeutung. In diesem Jahr gründeten zur Freude einer schon zu dieser Zeit fußballbegeisterten Jugend beherzte Sportler den "FC Lengenfeld u. Stein". Damit beginnt die  Geschichte des Lengenfelder  Fußballsports, der mit seinem auf und nieder, aber auch mit seinen Erfolgen gerade zu unserer Zeit die große Zahl unserer Sportenthusiasten jeden Sonntag immer wieder in seinen Bann zieht.

Der Wunsch einen Fußballclub zu gründen, wurde vorerst durch den 1. Weltkrieg, dem auch viele Lengenfelder Turner und Rennfahrer zum Opfer fielen, zunichte gemacht. Das Ziel wurde aber von der Jugend nicht aufgegeben. Endlich war es soweit. Ende März 1922 gründete die Lengenfelder Jugend im Eichsfelder Hof ihren "FC Lengenfeld u. Stein 1922" Den Anstoß dazu gaben Walter Paul, ein Sohn unseres derzeitigen Apothekers und Herr Aloys Fuchs, der gleichzeitig den ersten Vorsitz übernahm. Die ersten Mitglieder und gleichzeitig aktive Spieler waren:

Christel Eichner - Ewald Fischer - Heinrich Fischer - Hans Gries - Richard Günther - Joseph Hahn - Karl Hahn - Heinrich Hartmann - Willi Hartmann - Karl Höppner - Michael John - Georg Kramer - Walter Paul - Johannes Richwien - Wilhelm Richwien - Ewald Riese - Franz Riese - Heinrich Riese - Joseph Riese - Peter Riese - Karl Witzel

Leider erfuhr unser Fußballclub zu dieser Zeit keinerlei Förderung durch den Staat bzw. durch die Gemeinde. Die Bitte, ein geeignetes Gelände zum Bau eines Sportplatzes zur Verfügung zu stellen, wurde von der Gemeindevertretung am 2. April 1922 mit der Begründung zurückgewiesen, ... "Dass die an der Strasse nach Hildebrandshausen gelegene Keudelsteiner Wiese, von der Gemeinde mit der Schule Bischofstein als "Turnerwiese" gepachtet, zum Treten eines Balles vorhanden und groß genug sei." Leider entsprach dieses Teilstück der Wiese in Form eines Dreiecks keineswegs den Ausmaßen eines Fußballplatzes.

Trotzdem fand im April 1922 das erste Fußballspiel in Lengenfeld auf einer Keudelsteiner, unterhalb der Teufelsnase, östlich des Petersberges gelegenen Wiese gegen Großbartloff in folgender Aufstellung statt:

Heinrich Fischer (Tor ), Joseph Riese (Verteidigung (1),  Richard Günther (Verteidigung), Peter Riese (Mittelfeld (2))
Hans Gries (Mittelfeld), Karl Hahn (Mittelfeld),  Heinrich Riese (Sturm (4)), Karl Höppner (Sturm),  Walter Paul (Sturm)

Georg Kramer (Sturm), Johannes Richwien (Sturm)

Tage Vorher hatte man die Wiese, die in ost-westlicher Richtung lag, notdürftig als Spielfeld hergerichtet. Das östliche Tor hatten die Sportfreunde mit Pfosten und Querlatte aufgebaut. Das westliche Tor bestand nur aus zwei Pfosten und einem Seil als gedachte Querlatte. Die Tornetze fehlten.
Etwa 100 Zuschauer umsäumten das Spielfeld als die beiden bunt gewürfelten Mannschaften den Rasen betraten. Die Spieler waren durchwegs mit Sporthosen bekleidet, die bis zu den Knien reichten. Jeder trug das Sporthemd, das er gerade besaß.
Als Fußballschuhe dienten Rindslederschuhe. Glücklich schätzte sich der Spieler, bei dessen Schuhen die Absätze abgerissen waren. Dafür hatte dann der Sportfreund Kramer Stollen auf die Sohlen genagelt. Eine einheitliche Sportkleidung war zu diesem Zeitpunkt nur ein Traum. Demzufolge stand der Schiedsrichter bei diesen ersten spielen oft vor einer unlösbaren Aufgabe. Wie sollte er auch aus der Vielzahl von bunten Dressen bei einem Foulspiel die richtige Entscheidung treffen.
Leider hatte nun dieses erste Fußballspiel in Lengenfeld einen für heutige Verhältnisse unmöglichen Ausgang. Als das Spiel nach der Halbzeit wieder begonnen hatte und 2:1 für Großbartloff stand, erschien Oberst Fritsch vom Keudelstein mit Gewehr und zwei Hunden wie ein drohendes Unwetter und löste unter Strafandrohung das Spiel auf "seiner" Wiese auf. Man sah nur flüchtende Spieler und Zuschauer über die Frieda springen. Die Großbartloffer jagten den Entenberg hinauf, und die Lengenfelder stürmten quer über die Felder in das Bilstal und dem Weinberg zu. Damit war das erste Fußballspiel zu Ende.

 



Wachmeister Arzinger 1936

Eine Anzeige an den derzeitigen Wachtmeister Arzinger in Geismar hatte eine Gemeindevertretersitzung am 27. April zur Folge. In dieser Sitzung wurde beschlossen: "Die Fußballer dürfen nur auf der "Turnerwiese" an der Straße nach Hildebrandshausen spielen". Damit fand ein regelmäßiger Spielbetrieb in Lengenfeld sein vorzeitiges Ende. Trotzdem wollte die Lengenfelder Jugend ihren Fußballsport nicht aufgeben. Daher wurde auf der Turnerwiese immer fleißig trainiert. Leider konnten die Wettspiele nur auswärts stattfinden. Gegner für uns waren die Mannschaften von Faulungen, Diedorf, Großbartloff, Geismar und Wilbich. Die stärksten Gegner waren der FC Diedorf und der FC Geismar mit ihrem fairsten Spieler Paul Andres an der Spitze. Diese Spiele konnten wir in den zwanziger Jahren nie gewinnen. Dagegen brachte unsere Mannschaft gegen die anderen Fußballclubs manche Siege mit nach Hause
Schuld an mancher vermeidbaren Niederlage war das Fehlen eines eigenen Spotplatzes und damit der Mangel an einem regelrechten Training, das ein Zusammensiel förderte. So wurde immer wieder die Forderung nach einem vereinseigenen Fußballplatz erhoben. So wurde im  Jahre 1924 nach der Grummeternte die Keudelsteiner Wiese unterhalb des Turnplatzes nur für die Herbst- und Wintermonate zu Sonntagsspielen als Spielfeld freigegeben. Die Sportfreunde Ewald Riese, Heinrich Fischer, Ewald Fischer und Michael Otto schlugen Holz im Weinberg für die Tore, die der Stellmacher Anton Montag herrichtete. Die Freude über die aufgestellten Tore war nur von kurzer Dauer. Die einzelnen Wiesenpächter, die um ihre Erträge an Heu bangten, wurden zu Gegnern des Fußballsports. So kam es auch, dass von dieser Seite aus eines nachts die Tore wieder entfernt wurden und auf Antrag nicht wieder aufgestellt werden durften. So blieb es mit den Auswärtsspielen wie eh und je bis zum Jahre 1929.

Das Jahr 1929 brachte für den Lengenfelder Fußballsport in zweierlei Hinsicht eine große Wende.
Der Direktor der Erziehungsschule Schloss Bischofstein, Herr Dr. Wilhelm Ripke, ließ im Jahre 1929 mit dem Bau eines neuen Sportplatzes im "Tulchen" eigens für die Schüler seiner Schule beginnen.
Mit Kreuzhacke, Schaufel, Spaten und dem Einsatz von Loren musste die im nördlichen Teil des vorgesehenen Platzes abgetragenen Erde im südlichen Teil wieder aufgetragen werden.

Wenn auch die Arbeit sehr schwer war, so waren mehrere Lengenfelder Arbeiter froh, in der Zeit der beginnenden Arbeitslosigkeit eine lohnende Beschäftigung zu finden. Als im Jahre 1930 dann der Bau des Sportplatzes beendet war, hatte die Schule Bischofstein, und wie wir dann später sehen werden, auch Lengenfeld eine moderne Wettkampfstätte mit Laufbahn für alle Sportarten.
Ebenso wichtig wie der Neubau des Bischofsteiner Sportplatzes war die Reorganisation des Lengenfelder Fußballsports Ende des Jahres 1929.

Karl Wegwerth 1932

Das geschah auf einer Versammlung am 28.12.29, zu der die beiden großen Förderer des Lengenfelder Fußballsports Aloys Fuchs und Karl Wegwerth alle begeisterten Fußballanhänger eingeladen hatten.

Der "Eichsfelder Hof" war an diesem denkwürdigen Abend überfüllt. Als Vertreter des Kreises war auf Veranlassung des Sportfreundes Rudolf  Menge der Vorstand der DJK "Winfridia" Heiligenstadt erschienen.
Das Ergebnis dieser  Versammlung war der Anschluss unseres Fußballclubs an die deutsche Jugendkraft und damit die Neugründung des Ballspiel ? Clubs 1930 DJK "Winfridia" Lengenfeld unterm Stein. In den Vorstand wurden folgende Sportfreunde gewählt:

Karl Wegwerth (Vorsitzender), Aloys Fuchs (Stellvertreter), Rudolf Menge (Schriftführer), Franz Richwien (Kassierer), Erwin Günther (Ballwart), Michael Kattner (Spielführer I. Mannschaft) und Siegfried John (Spielführer Jugend).


Für die Spielerdresse wurden die Farben Blau-Weiß gewählt, die als Traditionsfarben bis 1964 bestanden. Zur Unterscheidung wählte die I. Mannschaft "Dunkelblau"? Dress und Hose mit "Weiß" abgesetzt, die Jugend nahm "Hellblau".
Gleichzeitig wurde zur Förderung des Lengenfelder Fußballsports ein Patenschaftsvertrag mit der DJK Winfridia Heiligenstadt abgeschlossen. Ebenso wurde zur Kenntnis genommen, dass unsere I. Mannschaft und
Jugendmannschaft mit Beginn der neuen Punktspielserie im Bezirk Hülfensberg spielen werden, zu dem nachfolgende Mannschaften gehörten: Geismar, Wilbich, Großbartloff, Effelder, Faulungen, Struth, Diedorf und Heyerode.

Hintere Reihe: Albert Kattner, Heinrich Müller, Georg Kaufung, Fritz (Joseph)?, Josef Eberhardt;
Reihe davor: Albert Hahn, Siegfried John, Karl Hardegen;
Vordere Reihe: August Gebhardt, Erwin Günther, Martin Richwien; Jugendmannschaft: Jahr der Aufnahme 1929?

Da jeder Fußballverein zu einem geregelten Punktspielbetrieb zwei Schiedsrichter stellen musste, wurden als Schiedsrichter-Anwärter die Sportfreunde Aloys Fuchs und Franz Richwien gemeldet.
Der Lehrgang für alle von den Fußballclubs des Bezirkes Hülfensberg gemeldeten Anwärtern fand im wöchentlichen Turnus abwechselnd in Geismar und Großbartloff unter Leitung des Schiedsrichter-Obmannes Tulle statt, der die Prüfung auch am 15. März 1930 abnahm. Damit hatte Lengenfeld zwei geprüfte Schiedsrichter. Unser Vorsitzender Karl Wegwerth qualifizierte sich im August 1930 als Schiedsrichter.
Um auch die Heimspiel austragen zu können, wurde am 1. April 1930 mit Herrn Dr. Wilhelm Ripke ein Pachtvertag über die Benutzung des Bischofsteiner Sportplatzes abgeschlossen. Die jährliche Pachtsumme in Höhe von 120,- Reichsmark musste der Verein aus eigenen Mitteln aufbringen. Der Bischofsteiner Sportplatz wurde Ostern 1930 mit dem Spiel Bischofsteiner SC ? DJK Lengenfeld u. Stein eingeweiht.

Das erste Spiel gegen Bischofstein bestritt unsere Mannschaft in folgender Aufstellung:
Erwin Günter (Tor), Peter Hahn, Franz Riese, Paul Riese, Michael Kattner, Ernst eichner, Heinrich riese, Peter Fuchs, Josef Richwien, Johannes Witzel, Johannes Richwien.
Obwohl das Spiel gegen den Bischofsteiner SC mit 6:0 und das Spiel gegen Geismar auf Weißen Sonntag noch 5:1 verloren gingen, stiegen die Leistungen der I.Mannschaft von Spiel zu Spiel.

Unsere Jugendmannschaft, die schon seit 1929 in nachstehender Aufstellung zusammenspielte:
Erwin Günter (Tor), August Gebhardt, Martin Richwien, albert Hahn, siegfried John, Karl Hardegen, Albert Kattner, Heinrich Müller, Georg Kaufung, Fritz(Josef?) und Josef Eberhardt schlug im Bezirk Hülfensberg im Spieljahr 1930 jede Mannschaft, so dass sie in diesem Jahr Meister wurde.