Kloster Reifenstein

 


(Bild aus dem Buch von Carl  Duval
"Romantische Beschreibung des Eichsfelds" 1845, Text aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Kloster Reifenstein
Das Kloster Reifenstein (Riffensteinium) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in der Gemeinde Kleinbartloff im Landkreis Eichsfeld im Freistaat Thüringen, rund 4 km südsüdöstlich von Leinefelde.

Geschichte

Das Kloster wurde vom Grafen Ernst II. von Tonna-Gleichen 1162 gestiftet und mit Mönchen aus dem seit 1130 existenten Kloster Volkenroda besiedelt. Es gehörte damit der Filiation der Primarabtei Morimond an. 1217 stellte Landgraf Ludwig von Thüringen das Kloster unter seinen Schutz. Papst Urban IV. bestätigte 1262 dessen Rechte. Wenige Jahrzehnte nach der Gründung, konnte es durch Kauf und Schenkung seinen Besitz auf die Dörfer Kallmerode, Hausen und Kleinbartloff ausweiten. Weiterhin besaß es große Teile von Beberstedt, Hüpstedt und verschiedenen Wüstungen.
Im 14. und 15. Jahrhundert wurde das Kloster mehrmals geplündert. Am 29. April 1525 kam es durch die Reformation und den Deutschen Bauernkrieg zu Unruhen. Einige Bauern der Klostergemeinden drangen in das Kloster ein und zerstörten die Einrichtung der Kirche. Am 1. Mai 1525 zerstörten Bauern des ?Vereinigten Thüringer und Mühlhäuser Haufens? unter der Führung von Thomas Müntzer das Kloster sehr stark und die Mönche flohen nach Heiligenstadt und auf den Rusteberg. Erst im Jahr 1585 wurde es unter Abt Philipp Busse vollständig wieder aufgebaut. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde es erneut zerstört. Erst 1650 begann der Wiederaufbau. Ab 1697 erfuhr die Anlage unter Abt Wilhelm Streit (1690-1727) eine Erneuerung im Barockstil. Unter Verwendung mittelalterlicher Reste erfolgte eine Erneuerung des Torhauses und auch die Alte Abtei im Nordanbau (1693), das Brüderhaus (1699), das Schäferhaus (1700) und der Nordflügel (1708) sanierte er. Die nachfolgenden Äbte Martin Günther (1721-1732) und Johann Simon Hentrich (1732-1755) setzten die Arbeiten fort. Der Südflügel mit der Kirche und der Sakristei wurde von 1737 bis 1743 neu errichtet, der Ostflügel mit dem Refektorium von 1765 bis 1773 und der Westflügel, die Prälatur, unter Abt Guido Köhler (1769-1772) von 1769 bis 1770.
1794 bis 1795 wurden noch die alte Abtei und das Dormitorium umgebaut. Während der Säkularisation 1803 hob man das Kloster, das noch mit dem Abt, dreiundzwanzig Konventualen und drei Novizen besetzt war auf und nutzte es als Domäne, Ackerbauschule, Landfrauenschule und seit 1949 als Krankenhaus.
Bei der Auflösung kam das Klosterinventar an verschiedene Eichsfelder Kirchen, die Klosterkirche selber dient seit 1995 als Konzertsaal.


Anlage und Bauten
Reste der mittelalterlichen Anlage sind nicht erhalten. Die existierende Anlage besteht aus einem vierseitigen Gebäudekomplex mit zwei unterschiedlich großen Innenhöfen, die durch einen um 1800 errichteten schmalen Bibliotheksbau getrennt sind. Die Kirche, ein an der Stelle dreier Vorgängerbauten aus Sandssteinquadern errichteter einschiffiger Saalbau, mit Wandpfeilern, einem monumentalen Westportal, Kreuzgratgewölbe und einem hohen Walmdach, deren Ausstattung abgegangen ist, liegt im Südwesten der Anlage, im Norden wird der Bau durch einen Anbau verlängert. Nördlich der Kirche steht ein viergeschossiger Turm mit einem Pyramidenhelm. Dieser Turm ist der älteste erhaltene Gebäudeteil und stammt aus der Zeit um 1580. Der dreigeschossige Westflügel ist verputzt. Nord- und Ostflügel sind zweigeschossig. Im Inneren ist die Raumaufteilung verändert worden. Erhalten sind zwei Treppenhäuser im Nordosten und Südosten, die zu den Obergeschossen führen. Unter der gesamten Anlage liegen kreuzgratgewölbte Keller.

 

Auf dem Klostergelände und am Waldrand befinden sich mehrere Naturdenkmale von regionaler Bedeutung. So gilt die als "Siebenbrüderbuche" bekannte Rotbuche als älteste ihrer Art im Obereichsfeld. Ihr Alter wird auf 300 Jahre geschätzt. Man nimmt an, dieser Baum sei durch ein Zusammenwachsen von sieben jungen Buchenstämmen entstanden, was sowohl den Namen, als auch die eigenartige Wuchsform des Buchenstammes erklären würde.