Erziehungsschule Schloss Bischofstein 1908 - 1945

 

Auf dem Foto sehen wir den Rosebach, der von Hildebrandshausen kommend in unmittelbarer Nähe der Hagemühle in die Frieda mündet. Der Rosebach ist heute verrohrt und nur noch durch Einlauf in die Frieda erkennbar. Im Bildvordergrund sehen wir die Frau von Dr. Marseille, Hedwig Marseille, geb. Vohwinkel.  Im Bildhintergrund erkennen wir Schloß Bischofstein. Das Foto enststand im Winter 1907/1908

Aus der Chronik von Walter Fuchs

1907

Im Herbst dieses Jahres kaufte Herr Dr. Gustav Marseille Schloss Bischofstein, um darin eine private Internatsschule einzurichten.


1908
Am 18. Januar 1908 wurde die Schule Schloss Bischofstein als Typ einer Oberrealschule mit 35 Schülern, von denen 4 Schüler mit aus Haubinda kamen, von Herrn Dr. Marseille eröffnet. Der Viehbestand setzte sich zu diesem Zeitpunkt wie folgt zusammen:

2  Pferde,
2  Esel,
10 Milchkühe
30 Stck. Federvieh.

1913
In diesem Jahr fanden in Schloss Bischofstein die erste "Einjährigen-Prüfung" statt. Bis zum Jahre 1912 wurden die Schüler als ?Externe" geprüft.

1914
1914 bis 1918 Im ersten Weltkrieg waren unter den Lehrern und Schülern 31 Gefallene zu beklagen.

1917
Am 6.11.1917 starb Herr Dr. Gustav Marseille, geboren am 20.8.1865. Auf seinen Wunsch hin wurde er auf dem Bischofsteiner Bergfriedhof beerdigt.

1919
Am 1.2.1919 kam Herr Dr. Wilhelm Ripke, der am 22.2.1886 in Estland geboren wurde und 1912 in Heidelberg zum Dr. phil. promovierte nach Bischofstein.

1920
Am 17. Juli 1920 übernahm Herr Dr. Ripke mit Genehmigung des Provinzial-Schulkollegiums der Provinz Sachsen die Leitung der Schule.

1923
Herr Dr. Wilhelm Ripke heiratet Hedwig Vohwinkel.

1929
Im Jahre 1929 wurde der neue Sportplatz mit den Ausmaßen von 150 m x 80 m, auf dem sämtliche leichtathletischen Disziplinen und Ballsportarten durchgeführt werden können, gebaut. Das Spielfeld hat eine Länge von 100 m und eine Breite von 60 m. Die Einweihung erfolgte am 20. August 1930.

1930
Während der großen Weltwirtschaftskrise wurden in den Jahren 1930 bis 1932 ständig 80 Kinder von Arbeitslosen in Bischofstein auf Initiative von Frau Dr. Ripke zu Mittag beköstigt.

1933
Am 20. August 1933 wurde das 25-jährige Bestehen der Schule äußerst festlich begangen. Nach großen leichtathletischen Wettkämpfen bildete das Feuerwerk, das oberhalb des Sportplatzes abgebrannt wurde einen besonderen Höhepunkt.
Die Uraufführung des "Bischofsteiner Films? im Speisesaal wurde mit einer solch großen Begeisterung aufgenommen, so dass er mehrmals für die Lengenfelder Bevölkerung im Saal der Gemeindeschenke aufgeführt werden musste.

1936
In den Osterferien 1936 wurde Herr Dr. Ripke vom Kultusministerium der nationalsozialistischen Regierung aus politischen Gründen als Leiter der Schulen abgesetzt. Herr Dr. Karl Pietzker übernahm die Leitung der Schule.

1942
Die Schule Bischofstein wurde vollkommen von den Nazis enteignet. Herr und Frau Dr. Ripke mussten zeitweise Bischofstein verlassen und wohnten im Bahnhofs-Hotel in Lengenfeld unterm Stein. Bischofstein wurde nun ?Staatliche Heimschule?.

Lengenfeld u. Stein und Schloss Bischofstein am Ende des II. Weltkrieges

1945
16. März: Eine V-Waffeneinheit wird am Lengenfelder Bahnhof (ein)ausgeladen.

23. März: Mit der Zeugnisausgabe wird die Schule Schloss Bischofstein geschlossen.

27. März: 400 kriegsgefangene englische Offiziere aus dem Kriegsgefangenenlager Spangenberg trafen unter deutscher Bewachung in Lengenfeld u./Stein ein und wurden im Saal der Gemeindeschenke, in der Schule und auf Bischofstein untergebracht.

2. April: Zu diesem Zeitpunkt hatten die amerikanischen Kampftruppen die Linie Eschwege-Eisenach überschritten. Die V-Waffen-Abteilung, die seit dem 16. März in Lengenfeld u./Stein lag, rückte in Richtung Effelder ab. Um 12.45 Uhr fuhr der letzte Eisenbahnzug durch Lengenfeld u./ Stein.

4. April: Um 16.45 Uhr besetzen amerikanische Kampftruppen ohne Kampfhandlungen Lengenfeld u./Stein.

13. April: Die amerikanischen Kampftruppen verließen Lengenfeld u./Stein; nur ein kleines Besatzungskontingent blieb zurück.

19. April: Schloss Bischofstein musste vollkommen für die amerikanischen Truppen geräumt werden. Die Angehörigen der Heimschule Schloss Bischofstein, die ab 23. März ihre Heimatorte nicht mehr erreichen konnten, wurden in das Lengenfelder Schulgebäude verlegt. Herr und Frau Dr. Lipke, die auf Bischofstein bleiben durften, zogen in Thomas Kaufholds Wohnung (ehemals Bollmann), da dieselbe einen abgesonderten Ausgang hatte.

Da es den Amerikanern auf Bischofstein nicht gefiel, zogen sie nach Wanfried auf den Kalkhof zu von Scharfenbergs.

2. Mai: Die ersten Flüchtlinge ziehen in Bischofstein ein. Alle ehemaligen Schülerzimmer sind belegt.

Für die Kinder der Flüchtlinge wurde auf Initiative von Frau Dr. Ripke ein provisorischer Kindergarten eingerichtet, den Gisela Maßberg, eine Tochter des ehemaligen Hauptlehrers Maßberg leitete. Ihre Schwester Renate half ihr bei der Betreuung der Kinder. Die Heimschule löste sich mit der Abreise der Schüler und Betreuer nach und nach auf.

1939 - 1945
In diesem schrecklichen II. Weltkrieg mussten 1o7 Schüler und Lehrer der Schule Schloss Bischofstein ihr Leben lassen.

1945 Am 10. Mai (Himmelfahrtstag) rückten amerikanische
Besatzungstruppen in Lengenfeld u./Stein ein. Neun Häuser der oberen Bahnhofstraße und der Bahnhof mussten für diese Truppen geräumt werden.

Am 1. Juli rückten diese amerikanischen Besatzungstruppen in Richtung Eschwege ab.

Am 5. Juli gegen 7.30 Uhr durchziehen sowjetische Truppen Lengenfeld u./Stein und besetzen die Zonengrenze.

1. September: Wiedereröffnung der Lengenfelder Schule mit 301 Schülern.

Am 28. Oktober wurde der 80. Geburtstag von Frau Beate Bonus, die bei Frau Sehwehr am Bahnhof wohnte, auf Schloss Bischofstein gefeiert.