Käthe Kollwitz wurde als Tochter von Katharina (1837-1925) und Karl (1825-1889) Schmidt geboren. Karl hatte zunächst Jura studiert, und war dann, als er aufgrund seiner liberalen Ansichten keine Anstellung beim preußischen Staat fand, Maurermeister geworden. Katharina, geborene Rupp, war Tochter des Politikers Julius Rupp.

Aus der "Käthe Kollwitz Mappe", herausgegeben vom Kunstwart, München bei Georg D. W. Callwey im Kunstwartverlag ergänzt:

... "Ihr Großvater mütterlicherseits war Julius Rupp, der Gründer der freireligiösen Gemeinde dort. Ihr Vater, arm, hatte als Referendar erkannt, dass er bei seinen religiösen und politischen Meinungen keine Hoffnung auf Beförderung habe-da ging der Jurist, wie die Russen sagen, "ins Volk"; er wurde Maurer, machte als solcher seinen Meister und blieb Maurer so lange, bis er als Sprecher der Gemeinde Rupps aufgenommen ward. Alle seine vier Kinder ließ er sorgsam ausbilden. Käthes Künstlertalent erkannte er früh."...

Käthes Geschwister waren Lisa und der Ökononom und Philosoph Conrad Schmidt (1863-1932). Ihre Kindheit verbrachte sie von 1867 bis 1885 in Königsberg und nahm ab 1881 Unterricht beim Kupferstecher Rudolf Mauer und Kunstunterricht bei dem Maler Gustav Naujok. Schon mit 13 Jahren verfertigte sie erste Kupferstiche. 1885/86 ging sie in die Zeichenschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen bei Karl Stauffer-Bern und wurde mit Gerhart Hauptmann und Arno Holz bekannt. In dieser Zeit fällt ihr Interesse auch auf die graphischen Arbeiten Max Klingers, dessen Radierzyklen sie nachhaltig beeinflussten. 1886 erfolgt ihre Rückkehr nach Königsberg , wo sie von Emil Neide an der Kunstakademie Königsberg unterrichtet wurde . Anschließend studierte sie bis 1889 in München bei Ludwig Herterich.

Nach ihrem Studium in Berlin heiratete sie 1891 den Arzt Karl Kollwitz, zog mit ihm in einen Berliner Arbeiterbezirk, den Ortsteil Prenzlauer Berg, in ein Eckhaus der damaligen Weißenburger Straße (heute Kollwitzstraße 56A) direkt am damaligen Wörther Platz (Straße und Platz sind seit 1947 nach ihr benannt). 1892 gebar sie ihren Sohn Hans, 1896 Sohn Peter, der 1914 in Flandern fiel und auf der Kriegsgräberstätte Vladslo beigesetzt ist. Dieser Verlust brachte sie in Kontakt mit dem Pazifismus und auch mit Sozialisten. 1895 nahm sie mit 3 Werken an der Freien Kunstausstellung teil. Von 1895-1898 schafft Käthe Kollwitz inspiriert von Gerhart Hauptmanns Drama "Die Weber" den Zyklus "Ein Weberaufstand".

1899 beginnt das Dresdner Kupferstichkabinett mit dem Erwerb von "Ein Weberaufstand" eine Sammlung ihrer Werke. Sie bekommt die Kleine Goldene Medaille auf der Deutschen Kunstausstellung in Dresden verliehen, nachdem ihre Nominierung im Vorjahr abgelehnt wurde. Von 1901-1908 arbeitete Käthe Kollwitz an dem Zyklus "Bauernkrieg", für den sie den Villa-Romana-Preis 1908 erhält. Im Jahr1904 lebt sie ein Jahr in Paris und arbeitet in der Plastikklasse der Académie Julian. Kontakt mit Auguste Rodin und Théophile Alexandre Steinlen (1859-1923).

Im Januar 1906 wird Ihr Plakat für die Deutsche Heimarbeit-Ausstellung auf Wunsch der Kaiserin Auguste Viktoria von allen Anschlagsäulen entfernt, da dieser die Darstellung einer abgearbeiteten Frau missfällt. Die Darstellungen werden als "Rinnsteinkunst" von der Kaiserin bezeichnet.

1910 begann sie mit der Bildhauerei mit einem Stil, der dem Ernst Barlachs verwandt ist. Käthe Kollwitz verband auch eine enge Freundschaft mit dem Berliner Maler Otto Nagel.

In der "Käthe Kollwitz Mappe", herausgegeben vom Kunstwart, München bei Georg D. W. Callwey im Kunstwartverlag heißt es dazu:

"Ein paar Jahre vor der Jahrhundertwende traten zum ersten Male auf einer Ausstellung Blätter von ihr zwischen gleichgültigen anderen heraus. "Sie ist eine große Radiererin", sagen seitdem die einen; man hat sich sogar zu dem billigen Paradoxon verstiegen: "Käthe Kollwitz ist unter den neueren Radierern der einzige Mann." "Sie ist eine sozialdemokratische Agitatorin", sagen andere. "Sie ist eine pessimistische Endmalerin", behaupten dritte. "Eine religiöse Künstlerin", vierte. Wohl: wie immer man diese Kunst mit den eigenen Empfindungen und Gedanken zusammenreimen und was man aus sich heraus in sie eindeuten möge ? eines ist allen gemeinsam: man vergisst sie nicht. Wer den Namen Käthe Kollwitz hört, hat sofort eine Vorstellung dieser Kunst. Düster ist sie, trotz aller Bewegtheit schwerflüssig, ganz gesammelt in ihrer zähen Kraft, einheitlich und einfach ist sie ? unabweisbar eindringlich."

Nach der Ermordung Karl Liebknechts widmete sie ihm einen Holzschnitt. Ihrer Meinung nach hat Kunst die Aufgabe die sozialen Bedingungen darzustellen. Am 24. Januar 1919 wird sie als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und erhält gleichzeitig den Professorentitel. Zwischen 1921 und 1924 arbeitete Käthe Kollwitz für die Internationale Arbeiter-Hilfe (IAH), der viele linke Intellektuelle angehörten. Einer Partei gehörte sie nie an, empfand sich aber als Sozialistin und unterstützte einen Aufruf des ISK zu einer Zusammenarbeit von KPD und SPD. Während dieser Zeit entstehen sozialpolitische Plakate wie "Nie wieder Krieg" für den Mitteldeutschen Jugendtag in Leipzig und "Nieder mit den Abtreibungs-Paragraphen!" 1922/23 arbeitet sie an der Holzschnittfolge "Krieg", die von den Werken Ernst Barlachs beeinflusst ist. Ab 1928 leitet sie das Meisteratelier für Graphik an der Akademie der Künste in Berlin. 1929 werden Werke von Ihr im Kupferstichkabinett in Basel ausgestellt und ihr wird der Orden "Pour le Merite" für Wissenschaften und Künste verliehen. Ihr Mahnmal "Die Eltern" für den gefallenen Sohn Peter, das sie schon seit 1914 geplant und in Arbeit hat wird 1932 auf dem Soldatenfriedhof in Roggevelde nahe Dixmuiden (Flandern) aufgestellt.

1933 wurde sie zum Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste gezwungen und ihres Amtes als Leiterin der Meisterklasse für Grafik enthoben, da sie zu den Unterzeichnerinnen des "Dringenden Appell" zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront gegen den Nationalsozialismus gehörte. Ihren letzten Zyklus "Vom Tode" (Lithographien) schafft sie 1934/35

Im Jahr 1936 wurden die Exponate der Künstlerin aus der Berliner Akademieausstellung und dem Kronprinzenpalais entfernt, was einem Ausstellungsverbot gleichkam.

Die ?Käthe Kollwitz Mappe", herausgegeben vom Kunstwart, München bei Georg D. W. Callwey im Kunstwartverlag führt dazu aus:

... "Als ihre Kinder herangewachsen waren, kam plastisches Arbeiten dazu. Reisen 1904 nach Paris, 1907 infolge des Villa Romana-Preises nach Florenz. 1898 waren die Blätter zum Weberaufstand erschienen, 99 kamen das Gretchenblatt und der Aufruhr, 1900 die Zertretenen, 1901 die Carmagnole, 1901 die Hamburger Kneipe, 1903 das tote Kind, in den folgenden Jahren bis 1908 im Auftrag der Verbindung für historische Kunst der Bauernkrieg-Zyklus, 1904 die Darstellungen aus Pariser Kneipen, 1909 die düstern Simplizissimus-Zeichnungen, 1909 das Blatt "Arbeitslos", 1910 die "Frau vom Tod gepackt", 1911 die kleineren Platten zum Thema Tod. Die nüchternen Lebensdaten und die Titel der Werke
s p r e c h e n  bei Käthe Kollwitz.
Da ihr die Instrumente beim Spiel gehorchen, da auch die Vorgänge, die sie schildert, und die Gestalten, die sie zeigt, aufs äußerste bewegt sind, fällt uns um so stärker die seelische Schwere auf, die trotzdem über allen ihren Schöpfungen liegt. An alle Stoffe tritt sie von e i n e r Seite und tritt sie mit e i n e r Stimmung: vom Elend her und mit dem Gefühl des Miterleidens. Es ist keine Spur von Tendenzen in diesen Blättern; Tendenz sieht auch die andern und wendet sich gegen sie, Käthe Kollwitz nimmt hin. Sie betont nicht: das sollte anders sein, sie betont: das ist so. Was etwa doch in ihrer Kunst von der Freude an irgendwelcher Schönheit, irgendwelcher Eigenart, irgendwelcher Komposition, was von irgendeinem der tausend anderen Erreger des künstlerischen Schaffens erzeugt ist, wird sofort von jenem tiefsten Ernst bis zur dunkelsten Sättigung durchdrängt. Und kein Gedanke, den die Phantasie nicht sofort in diesem slawischen, selten slawisch-deutsch gemischten Volk verkörperte, das sie seit Kindheit her um sich erlebt. Ihm g e h ö r t  sie; in der Beziehung ändern auch Frankreich und Italien nicht das allermindeste an ihr. Aber dieser schwerflüssige Phantasiestrom g l ü h t  wie Lava, ehe er schwarz erstarrt. Käthe Kollwitz gestaltet mit ihrem naturalistischen Sehen weit über Naturalistisches hinaus. Sie erlebt auch das unwirkliche Wahre. Dieses, wie jeder echte Künstler, in der einzigen Form, in der wir Menschen Unwirkliches erleben können: in der des Traums. So werden Gebilde, die auch als Phantasiegeschichte an sich nur wenige ihresgleichen haben. Über dem Leide der Einzelnen und der Vielen ragende Ewigkeitssymbole des Menschenwehs."

Auf Einladung Dr. Ripkes, des Internatsleiters der Erziehungsschule Schloss Bischofstein, waren auch die politisch engagierte große Künstlerin und ihr Mann nach einem kurzen Besuch 1929 im Juli 1932 12 Tage im Schloss zu Gast.

Am 19. Juli 1940 stirbt ihr Mann Karl, am 22. September 1942 fällt ihr Enkelsohn Peter in Russland. Es entsteht die Lithographie "Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden".

Während des Zweiten Weltkrieges lebte Käthe Kollwitz eine Zeit auf Schloss Bischofstein in Lengenfeld unterm Stein; nach dem Krieg wurde auf dem Dachboden eine vergessene Kiste mit verschollen geglaubten Grafiken gefunden. 1943 übersiedelte sie nach Nordhausen zu der Bildhauerin Margret Böning (1911 ? 1995). Am 25. November 1943 wird ihre Berliner Wohnung in der Weißenburger Straße, in der sie seit 1891 lebte ausgebombt und dabei zahlreiche Grafiken, Drucke und Druckplatten zerstört. Im Juli 1944 zog sie auf Einladung von Prinz Ernst Heinrich von Sachsen um in den Rüdenhof des Ortes Moritzburg. Dort bewohnte sie im 1. Stock ein Eckzimmer mit Blick auf das Schloss Moritzburg und ein danebenliegendes Zimmer mit Balkon. Von der Wohnungseinrichtung ist nur der Nachttisch, ihr Tagebuch und die Sterbebüste von Johann Wolfgang von Goethe erhalten. Sie starb am 22. April 1945, wenige Tage vor dem Ende des Krieges und damit des Naziregimes, in Moritzburg. In dem Rüdenhof (Meißner Straße 7) erinnert eine Gedenkstätte an Leben und Werk der sozial engagierten Künstlerin. In der Ortsmitte steht ein ihr gewidmetes Denkmal, das der Architekt Schuchart mit einem Relief von Etha Richter versehen hat.

Nach Käthe Kollwitz ist der Käthe-Kollwitz-Preis benannt. Ihr selbst wurde 1908 der Villa-Romana-Preis verliehen.

Der 1960 von der damaligen "Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik" gestiftete Preis wird jährlich von der Akademie der Künste (Berlin) an einen bildenden Künstler vergeben, der damit für ein Werk oder sein Gesamtschaffen geehrt wird. Er trägt den Namen der Künstlerin Käthe Kollwitz. Den Preis vergibt eine Jury, deren Mitglieder jedes Jahr neu bestimmt werden. Mit der Auszeichnung ist auch eine Ausstellung im Gebäude der Akademie verbunden. Seit 1992 wird das Preisgeld in der Höhe von 12.000 Euro (Stand 2009) von der Kreissparkasse Köln, der Trägerin des Käthe-Kollwitz-Museums in Köln, mitfinanziert.

Käthe-Kollwitz-Museen heute:

Käthe-Kollwitz-Museen in Dresden, Berlin und Köln sind dem Werk von Käthe Kollwitz gewidmet. Jenes in Köln wurde 1985 von der Kreissparkasse Köln als erstes Kollwitz-Museum überhaupt gegründet. Es besitzt die größte Sammlung ihrer Werke und zeigt oft Monografien thematischer Zusammenhänge (zum Beispiel Goya, Ernst Barlach, Otto Dix, Henry Moore oder Picasso).

Als besonders ist auch das Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg (bei Dresden) anzusehen. In diesem Haus starb Käthe Kollwitz am 22. April 1945. Heute werden dort Originalgrafiken, Fotografien und Tagebuchauszüge gezeigt.

Weitere Ausstellungen stehen in historischem Bezug oder stellen künstlerische Techniken in den Mittelpunkt ("Imago Mortis - Das Bild des Todes", "Geschichte der Lithographie").

Ein Höhepunkt war 1995 "Käthe Kollwitz - Meisterwerke der Zeichnung" zum 50. Todestag der Künstlerin mit 130 Blättern aus 48 internationalen Museen und Privatsammlungen.