Arthur und Beate Bonus (1864-1941 und 1865-1954)
Ein ungewöhnliches Schriftsteller-Ehepaar

(Aus dem "Lengenfelder Echo", Mai 2008, Oliver Krebs, ergänzt durch Angaben aus "Wikipedia")

Zu den auffallendsten Gestalten, die wir in Bischofstein erlebten, gehörte das Ehepaar Arthur und Beate Bonus. Hoch gebildet, Idealisten, die nur an das Gute im Menschen glaubten, dabei anspruchslos an das Äußere. Hilfsbereit und gütig lebten sie zwischen uns und strahlten immer eine herzliche innerliche Fröhlichkeit aus. Besonders Beate Bonus werden alle erlebt haben.

Am 28.10.1865 in Konstanz als Tochter des Pfarrers Albert Jeeb geboren, verbrachte sie ihre Kinderjahre in Rom, wo der Vater Gesandtschaftspfarrer war.

Nach dessen Übernahme einer ländlichen Pfarrstelle in Pratau bei Wittenberg besuchte sie die Oberschule in der Lutherstadt, wo sie durch besondere künstlerische Begabung auffiel. Nach dem Schulabschluss studierte sie an der Künstlerinnenklasse der Münchner Akademie. Hier traf sie mit Käthe Schmidt zusammen, die nach ihrer Verheiratung mit dem Berliner Arzt Dr. Karl Kollwitz unter dem Namen Käthe Kollwitz eine weithin bekannte Grafikerin und Bildhauerin wurde.

Beide jungen Frauen verband eine lebenslange enge Freundschaft, die sich auch auf ihre Familien ausdehnte.

Nach dem Besuch eines Berliner Gymnasiums studierte Bonus evangelische Theologie an der Universität Berlin. 1893 wurde er Pfarrer in einer Fabrikarbeitergemeinde in der Nähe von Luckenwalde, 1895 übernahm er die Pfarrei in Groß Muckrow in der Niederlausitz. Am 10. Oktober desselben Jahres heiratete er die Malerin Beate Jeep. Von 1895-1903 verlebten beide glückliche Jahre im Pfarrhaus von Groß Mukrow, Kreis Lübben/Spreewald. Hier wurden auch die beiden Kinder Helga und Heinz geboren. 1904 ließ Bonus sich in den Ruhestand versetzen, weil er im Jahr zuvor bei einem Brand seines Hauses schwer verletzt worden war. Seitdem lebte er als freier Schriftsteller in Dresden (1904-1906), danach in der Nähe von Florenz (1906-1914) und bei München (1914-1921).

Bonus war der wichtigste theologische Autor des Diederichs-Verlages Um der bürgerlichen Entkirchlichung zu begegnen, forderte er die "Germanisierung des Christentums" und die Rückbesinnung auf das "urtümlich germanische Element unserer Religion". Seine religiöse Konzeption orientierte sich an Paul de Lagarde und Friedrich Nietzsche.

Von 1917 bis 1921 war Bonus Redakteur der Zeitschrift Der Kunstwart (siehe unten). 1921 war er an der Gründung des "Bundes für deutsche Kirche" beteiligt.

Der Kunstwart war eine deutsche Zeitschrift für Dichtung, Theater, Musik, Bildende Kunst und Angewandte Kunst. Sie erschien von 1887 bis 1894 im Verlag Kunstwart in Dresden und danach von 1894 bis 1937 im Callwey Verlag in München. Die Herausgeber waren Ferdinand Avenarius (1887-1923), Wolfgang Schumann (1924-1925) und Hermann Rinn (1931-1937). Der Kunstwart leistete bis zum Beginn des 1. Weltkrieges 1914 einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Erziehung der Jugend, insbesondere von Studenten und Volksschullehrern, und war ein Bestandteil der Lebensreformbewegung.

Um Leser und Sympathisanten des Kunstwart in einer Institution zu verbinden, wurde 1902 von Avenarius im Zusammenwirken mit dem Kunsthistoriker Prof. Paul Schumann der Dürerbund als wichtigster Gebildetenreform-Verein im Deutschen Reich gegründet. 1904 erreichte der Kunstwart mit 22000 Abonnenten einen ersten Höhepunkt. Nach 1937 ging er in der Zeitschrift Das Innere Reich auf.

1921 nahm Arthur Bonus eine Stelle als Lehrer und Erzieher an der Odenwaldschule an, ehe er im November 1923 nach Bischofstein gelangte. Dort hatte sein Sohn Heinz von 1917-1920 die Schule besucht und mit dem Abitur abgeschlossen.

Hier konnte Arthur Bonus seinen Studien nachgehen. Anfangs gab er den Oberklassen noch Religionsunterricht und hielt am Sonntagmorgen im Speisesaal Andachten. Beate Bonus pflegte zwischen ihrem schriftstellerischen Wirken die Blumen und Sträucher des etwas verwilderten Parks. Immer trug sie dabei lange, wallende, weiße Gewänder und breitkrämpige italienische Hüte.

Mit Ripkes verband beide eine hohe intellektuelle Partnerschaft, die beiden Familien reiche Früchte eintrug;
Das Eichsfeld wurde beiden eine wirkliche Heimat, in die sie nach ihren Reisen immer wieder neu beglückt zurückkehrten.

Einen Höhepunkt in der Verbindung mit dem Ehepaar Kollwitz stellten dessen beide Besuche in Bischofstein dar. Auf Einladung Dr. Ripkes waren die auch politisch engagierte große Künstlerin und ihr Mann nach einem kurzen Besuch 1929 im Juli 1932 12 Tage im alten Schloss in Lengenfeld unterm Stein zu Gast.
Dr. Rolf Barthel schildert diese Tage ausführlich in seinem Buch »Zwischenspiel in Bischofstein« (Sonderausgabe 1964 der »Eichsfelder Heimathefte«). Auch in den nächsten Jahren trafen sich beide Paare häufig.

Am 6. April 1941 starb Arthur Bonus 77-jährig. Er wurde auf dem kleinen Bergfriedhof unter großer Anteilnahme aller Bischofsteiner zu Grabe getragen. Beate Bonus zog anschließend in das Haus der Familie Schwehr in der Lengenfelder Bahnhofstraße. Mit der Freundin, die ein Jahr zuvor ihren Mann verloren hatte, traf sie sich noch mehrfach, zuletzt Anfang 1944 in Nordhausen, wohin Käthe Kollwitz im Sommer 1943 übersiedelt war. Sie wechselte bald darauf nach Moritzburg bei Dresden, wo sie kurz vor Kriegsende am 22.4.1945 verstarb.

Beate Bonus widmete der Freundin ein Buch »60 Jahre Freundschaft mit Käthe Kollwitz«, das 1948 im Karl Rauch Verlag erschien.

Da ihre körperlichen Kräfte nachließen, beantragte Beate Bonus die Aufnahme in ein Altenheim. Durch Vermittlung von Frau Poser gelang es, einen Platz im nahen Altersheim der evangelischen Kirche im Kloster Zella zu erhalten. Sie wurde dort freundlich aufgenommen und gut versorgt. Nachdem sie vorher doch recht einsam war, fand sie hier viele geistige Anregungen. Am 22. Februar 1954 ist sie hier 89-jährig verstorben. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde sie neben ihrem Mann und ihrer Tochter auf dem Bischofsteiner Bergfriedhof zur letzten Ruhe gebettet.

Neun Jahre später konnte der umfangreiche Nachlass von Beate Bonus, der auf dem Boden des Altersheim lagerte und der Altpapierverwertung zugeführt werden sollte, durch die Oberin gerettet werden, darunter neben vielen Briefdokumenten auch wertvolle Handzeichnungen beider Künstlerinnen.

Günther Hagen im Jahre 1989