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Hymne des Eichsfelds

Hermann Iseke um 1900

Bist du gewandert durch die Welt,
Auf jedem Weg und Pfade,
Schlugst auf in Nord und Süd dein Zelt,
An Alp und Meergestade:
Hast du mein Eichsfeld nicht geseh'n
Mit seinen burggekrönten Höh'n
Und kreuzfidelen Sassen,
Dein Rühmen magst du lassen!

Dort, wo die junge Leine fließt,
Die Unstrut wallt zu Tale,
Der Hülfensberg die Werra grüßt,
Der Ohmberg seine Hahle,
Die Wipper flutet durch die Au,
Landauf, landab, welch feine Schau
Auf Tal und Hügelketten
Und schmucke Siedelstätten!

Beut auch die Scholle ihren Sold
Oft karg der Müh', dem Schweiße:
Nur frischer durch die Adern rollt
Das Blut bei frohem Fleiße!
Und ist die Welt nicht breit und lang?
Hinaus mit Reff und Arbeitsdrang!
Es zollt auch fremde Erde das
Gut dem heim'schen Herde!

Dem Herd, an dem in frommer Zucht
Die treue Gattin waltet,
Und Kindern, gleich des Ölbaums Frucht,
Die Händchen betend faltet;
Dem Haus, wo noch der Herrgott gilt,
Und nicht nur, was den Magen stillt,
Wo felsenfester Glaube
Die Blicke hebt vom Staube!

Eichsfelder mit Frohwanderblut
Und liederreicher Kehle,
Heim, heim steht all dein Herz und Mut,
Dein Sinn und deine Seele,
Heim, wo das Kreuz vom Hügel ragt
Und dir von Gottes Liebe sagt!
Schlägt deine letzte Stunde,
Es sei auf Eichsfelds Grunde!

Hintergrund (Wikipedia)

Im "Eichsfelder Marienkalender 1901" veröffentlichte Hermann Iseke unter der Überschrift "Eichsfelder Sang" zwei Lieder im Paralleldruck, die nach verschiedenen Melodien gesungen werden sollten. Der erste Teil nach der Melodie des bekannten Studentenliedes "O alte Burschenherrlichkeit" und der zweite nach der Melodie des ebenfalls bekannten Reiterliedes "Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd" nach einem Text aus Wallensteins Lager von Friedrich Schiller, vermutlich in der Vertonung von Christian Jakob Zahn, die in damaligen Kommersbüchern zu finden war. Dieser Kalender erschien bereits im 25. Jahrgang mit dem Untertitel "Jahrbuch für die Mitglieder des Allgemeinen Vereins der christlichen Familie". Da diese Publikation auch einen Wandkalender für 1901 enthielt (vergleiche die Kopie des Titelblatts bei Keppler), muß der Kalender Ende des Jahres 1900 oder spätestens Anfang 1901 erschienen sein. Rechnet man die redaktionelle Vorbereitungszeit mit ein, so muß der Text spätestens um die Mitte des Jahres 1900 von Iseke verfasst worden sein und nicht erst 1902, wie in den meisten Veröffentlichungen zu lesen ist. Einen weiteren Hinweis kann möglicherweise ein Brief von Iseke an seinen Verleger F. W. Cordier geben, in dem er am 2. Juli 1900 sein Unverständnis äußert über eine von Cordier vorgesehene Anmerkung "Nachdruck verboten" Tatsächlich erschien der "Eichsfelder Sang" später mit genau dieser Bemerkung unterhalb der Überschrift.

Text und Melodie des Eichsfeldliedes sind allerdings seit 1978 nicht mehr durch das Urheberrecht geschützt.