Hülfensberg

 


Bild aus dem Buch von Carl  Duval
"Romantische Beschreibung des Eichsfelds" 1845

Der Hülfensberg ist ein 448 m hoher Berg im Eichsfeld in der Nähe des Ortes Geismar.

Schon zu Zeiten unserer germanischen Vorfahren war er als Berg der Hilfe bekannt, auf dem an der Donareiche um Beistand gefleht wurde.  (Durch die Tatsache, dass er fast frei steht und einen herrlichen Rundumblick bietet, war er ideal als heiliger Berg.) Einer Sage nach hat Bonifatius diese Eiche gefällt und den wütend davon stiebenden Stammesfürsten, die auf den Zorn Donars hofften, nachgerufen: "Wann wird wieder Frieden schweben über dieser Aue?" Daraus sollen später die Namen der hessischen Ortschaften Wanfried, Frieda, Schwebda und Aue entstanden sein.
Im ersten Jahrtausend wurde auf der nun "Stuffenberg" genannten Anhöhe ein Bethaus errichtet, in dessen Umgebung die Einwohner der umliegenden Ortschaften ihre Angehörigen begruben und in dem sie beteten und Schutz suchten (Raubritterzeit).
Ein Kreuzfahrer, der dankbar war wieder heil in der Heimat angekommen zu sein, spendete im 12. Jahrhundert das Hülfensbergkreuz, auch "Santa Hulpe" genannt. Seit 1360 sind Wallfahrten zum wundertätigen Hülfenskreuz bezeugt, welches sich heute in der um 1360 bis 1367 erbauten und 1890 neugotisierten Erlöserkirche St. Salvator am Gnadenaltar befindet. Dieser Kirchenneubau wurde an einen Rest des Bethauses (Südseite, neben der Sakristei) angebaut. In der Wallfahrts- und Erlöserkirche befinden sich auch beachtenswerte Fresken aus dem 16. Jahrhundert, ein Marienaltar mit Mutter-Gottes-Statue, Statuen der Nebenpatrone Sankt Michael und Sankt Bonifatius. In der Bonifatius geweihten Kapelle ist ein Stück Holz in der Decke zu finden, das zu besagter Donareiche gehört haben soll.
Vorher zum Zisterzienserinnenkloster Anrode gehörig, dessen Nonnen hier die Wallfahrer versorgten und aus dem Grund ihres Aufenthaltes die Nonnenstuben errichten ließen, gibt es in ihrer Nachfolge seit 1860 hier ein Franziskanerkloster. Diese Mönche spielten auch zu DDR-Zeiten eine wichtige und moralhebende Rolle, als Wallfahrten nur nach vorangehender "Durchleuchtung" und mit strengster Überwachung und Kontrolle in kleinem Stil genehmigt wurden. Man befand sich hier schließlich im grenznahen Raum, dem sogenannten "Sperrgebiet" und konnte in den Westen sehen. (Gar nicht gut für DDR-Bürger!)
Das 1933 zu Ehren des aus Geismar stammenden Bekennerbischofs zu Paderborn aufgestellte Dr.-Konrad-Martin-Kreuz, etwas unterhalb der Bergkuppe in Richtung Geismar, weist auch heute noch den Menschen im Eichsfeld den Weg zum Hülfensberg, wenn es am Vorabend kirchlicher Festtage in der Dunkelheit erstrahlt.

 

Auch Hermann Iseke konnte nicht um hin dem Hülfensberg und der Wallfahrertradition ein kleines Gedicht zu widmen:

Der Hülfensberg

Noch liegt der Berg im Dämmergrau,
kaum ahnt der Ost den ersten Strahl,
und harret sein erwartungsfroh;
da wird es laut zu Berg und Tal!
Durch alle Wälder ein Gebraus,
und ein Gesumm durch jeden Hag,
bringt eine Völkerwanderung
der zauberschöne Junitag.

(Gedicht entnommen dem "Lengenfelder Echo")