1137 - 1907 - Aus grauer Vorzeit

 

Bild aus dem Buch von Carl  Duval
"Romantische Beschreibung des Eichsfelds" 1845

Aus der Chronik  von Walter Fuchs - Lengenfeld u. Stein

In einem der schönsten Gebiete des Obereichsfeldes, dem romantischen Friedatal, liegt idyllisch eingebettet der Ort Lengenfeld u./ Stein, eingeschlossen von Bergen, die mit dichtem Nadelholz- und vorwiegend Laubholzbestand der gesamten Landschaft ein besonderes Gepräge an Naturschönheit verleiht. Über diesem Ort am Hang des Burgberges, 316 m hoch, liegt das schon zweihundertvierzig Jahre alte, ehemalige kurmainzische "Schloss Bischofstein". Als Vorgänger dieses Schlosses stand auf dem 402 m hohen Schlossberg, der bis zum Jahre 1933 eine uralte stolze Linde trug, die Burg "Stein", die ab 1409 "Bischofstein" genannt wurde. Die wechselvolle Geschichte der Burg und des Schlosses Bischofstein soll die nachstehende chronologische Darstellung in Jahreszahlen belegen:

1130
Das obere Friedatal und damit unsere Flur kommt unter die
Botmäßigkeit des Landgrafen Ludwig I. von Thüringen.

1137
Der Landgraf Ludwig I. erbt die Burg "Stein" persönlich.
Zum ersten Mal wird der "Stein" genannt "Hus zum Stein".

1138
Ein Popo de "Lapide" wird genannt.

1272
Tuto de "Lapide" war Vogt auf der Burg "Stein".

1304
Die Edelherren von Hardenberg besitzen die Burg "Stein"

1326
Die von Hardenberg verkaufen die Burg "Stein" an den Erzbischof von Mainz für 2 040 Mark feinen Silbers.

1409
Am 11. Januar 1409 wird in einer Urkunde die Burg "Stein" zum ersten Male "Bischofstein" genannt. Zum "Amt Bischofstein" gehören 14 Dörfer; Verwalter ist der jeweilige Amtsvogt.

1420
Die "Stadt zum Stein", die als kleine Marktstadt unterhalb der Burg am Südosthang des Burgberges lag und von einer Befestigungsmauer umgeben war, wird urkundlich genannt. In diesem Marktflecken stand die "St.-Georg-Kapelle", in der im Jahre 1705 noch kirchliche Handlungen stattfanden. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die "Burg" und die "Stadt zum Stein" teilweise zerstört.

1747
Die Burg auf dem Burgberg wird abgebrochen und das jetzige Schloss Bischofstein durch den Baumeister Christoph Heinemann aus Dingelstädt im Auftrage des Kurfürsten von Mainz errichtet. Während der Bauzeit wurde der Sitz des Amtsvogtes in die Meierei in Lengenfeld u./Stein verlegt. Ebenfalls abgebrochen wurde die St.-Georgs-Kapelle. Nach Fertigstellung des neuen Schlosses wurde in einem Raum der unteren Etage des Herrenhauses diese Kapelle neu eingerichtet und benediziert.

1802
Am 6. Juni 1802 nahm laut Vertrag mit Frankreich der König Friedrich Wilhelm III. von Preußen das Eichsfeld in Besitz. Lengenfeld wurde nun preußisch und Bischofstein staatliche Domäne.

1806
Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt wurde das Eichsfeld französisch und am 18.8.1807 dem Königreich Westfalen angegliedert.

1814
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1913 war die Franzosenherrschaft für das Eichsfeld zu Ende. Das Eichsfeld wurde wieder preußisch, und Schloss Bischofstein ging als Rittergut in Privatbesitz über.

1843
Am 22. Februar wurde der Bischofsteiner Bergfriedhof eingeweiht. Darüber berichtet ein Tagebuch: "Im Jahre 1843, den 22. Februar hat der Gutsbesitzer Wilhelm Müller auf Bischofstein in Lengenfeld einen neuen Kirchhof am Schlossberge lassen machen und sogleich vom Töpfer Pastor lassen einweihen. An diesem Tage ist ein kleiner Knabe von ihm das allererste dahin begraben worden."

1907
Im Herbst dieses Jahres kaufte Herr Dr. Gustav Marseille Schloss Bischofstein, um darin eine private Internatsschule einzurichten.