Hagemühle

 

Aufnahme vermutlich aus den 60er Jahren

Chronik der Hagemühle
nach Walther Fuchs

Schon seit dem frühen Mittelalter hat Lengenfeld u./Stein  vier Mühlen besessen.

Im Oberdorf, der Friedaquelle am nächsten, lag die Obermühle, auch "Herrenmühle" genannt, da der Besitzer derselben als "Herrenmüller" den Herren von Keudell lehnspflichtig war.


Im Unterdorf, im Grundstück der Meierei eingebettet, stand die "Mittelmühle", nach einem ihrer Besitzer auch "Peterchensmühle" genannt. Ältere Urkunden über die Erbauung der Mittelmühle sind uns nicht bekannt. Sie hat aber sicher schon vor dem Dreißigjährigen Krieg bestanden, denn in den Kirchenrechnungen der katholischen Kirche von Lengenfeld unterm Stein vom Jahre 1585 wird der "Mittelmüller" bereits genannt.


An der Teufelsnase soll eine Mühle mit zwei Mahlgängen existiert haben, die 1870 abgerissen wurde. Diese und die folgende Hagemühle erhielten das Wasser für die Mühlräder aus dem Berg, an dessen Fuß sie standen.

Die "Heynmule", "Hainmühle" oder "Hagemühle", die fünfhundert Meter westlich Lengenfelds, und unterhalb Bischofsteins liegt, hat ihren Namen von den waldigen Höhen um unser Dorf, die früher im Gesamtbegriff "Hegene", "Hage" und "Hainich" hießen. In einer Urkunde von 1326 wird gesagt: "Schloss und Stadt Stein liegen beim Walde Hegene".

(Gezeichnete Mühlenbilder und Fakten zu den anderen Mühlen entnommen aus der "Lengenfelder Chronik".)

Die Hagemühle ist eine der ältesten Mühlen des Friedatales. In einer Papierhandschrift des Hauptstaatsarchivs in München sind auf Blatt 8 der Mainzer Urkunden von 1281 Angaben über den Besitz der Burg Stein (pertinentes ad castrum Steyne) eingetragen. Aus diesen summarischen Angaben (in Villis cumia centibus) sind folgende Angaben für die Hagemühle sehr wichtig:
"Von der Heynmule - gegen Thomastag (Thomastag = Entrichtungs- und Abgabetag der Steuern) 6 Heiligenstädter Talente - ferner für 8 Hufen Landes - ferner den Zoll daselbst, der mindestens 50 bis 60 Mark beträgt. Ein Talent gilt 24 Schillinge und 1 Mark = 30 Schillinge."
Der Flurteil Lengenfelds zwischen der Hagemühle und dem Schlossweg, wo früher dieser Zoll erhoben wurde, heißt heute noch die "Zollstede".

Die hohe Pacht von 6 Talenten hatte einen Wert von 6 Acker Wiesen allein und zeugt davon, dass zur Hagemühle ein sehr großer Bezirk früher mahlpflichtig war. Diese Mühle war ohne Zweifel die zur Burg Stein, ab 12. Januar 1409 "Bischofstein" genannt, und dem späteren gleichnamigen Amt gehörige Amts- oder Bannmühle.
Aus den Urkunden des Stadtarchivs von Wanfried ist zu ersehen, dass der Hagemüller (Thomas Helmbach) von Lengenfeld den Hessen im Dreißigjährigen Kriege Kundschafterdienste leistete. Hieraus erklärt sich auch, dass das Wohnhaus der Mühle in diesem Kriege nicht zerstört wurde. Wolf schreibt in seiner "Politischen Geschichte", dass Lengenfeld von den hessischen Bauern im Jahre 1639 teilweise verbrannt wurde. Nach dem Bericht des damaligen Pfarrers  Volkmar Hahn vom 15. Mai 1656 (Akten der Pfarrei) waren von den 1584 bestehenden Herdstätten nach 1648, von 100 an der Zahl, nur noch 24 vorhanden, die anderen verfallen, 1639 meistens verbrannt.
Ein als Wohnhaus genutzter Teil der Hagemühle, laut Inschrift 1577 erbaut, steht heute noch und ist somit der älteste Bau in Lengenfeld u.Stein.
Nach dem Jurisdictionalbuch des Amtes Bischofstein hatte die Heynmüllen im Jahre 1664 zwei Mahlgänge und als Besitzer wurde Hans Helmbach genannt. Laut Sterberegister der kath. Kirche in Lengenfeld u. Stein starb am 28.7.1693 Conrad Kaufhold, Müller in der Hagemühle im Alter von 53 Jahren. In den Gemeinderechnungen der Commun Lengenfeld wird danach die Witwe des Conrad Kaufhold bis zum Jahre 1699 als Besitzerin der Hagemühle aufgeführt. Hier heißt es: "Witwe Conrad Kaufhold posidet 1 Mühle mit 2 Mahlgängen, 2 Hufen, 41/2 Acker und 11/2 Rodeacker und entrichtet an Steuergeldern 1 Reichsthaler 23 gute Groschen und 7 Pfennige." Danach hatte die Hagemühle zu dieser Zeit einen Gesamtgrundbesitz von 66 Acker Land und Wiesen.

Im Jahre 1700 übernimmt Hans Kaufhold, Sohn des Conrad Kaufhold, im Erbgang die Hagemühle in Besitz.
Seit dieser Zeit können wir die Besitzer der Hagemühle bis heute lückenlos aufzählen:

1700-1744 Hans Kaufhold, Sohn des Conrad Kaufhold.

1745-1750 Hans Heinrich Kaufhold, Sohn des Hans Kaufhold.

1751-1756 Georg Merten (Martin)

1757-1771 Laurentius Lorenz.
Er war gleichzeitig der Besitzer des Bauernhofes "Unter dem Kirchberg", Nr. 9, heutiger Besitzer (1991) Dieter Menge.

1772-1798 Adam Lorenz, der am 29.7.1798 in der Hagemühle gestorben ist. Die Witwe des Adam Lorenz, Maria Anna, geborene Fick, heiratete am 24.2.1800 den Michael Mühr, der nun den Mühlenbetrieb leitete. Die Hagemühle blieb aber im Besitz der Erben des Adam Lorenz. Im "Lagerbuch der Commun Lengenfeld vom 1. Juni 1801" ist eingetragen: "Adam Lorenz Sen. Erben, Posidet Haus und Hof, bestehend aus einer Mühle mit zwei Mahlgängen unterhalb Lengenfeld, die Hagemühle."

Jährliche Steuer auf Kurfürstliches Amt Bischofstein:

6  Schnb. 21/2 Pfennig Erbenzins
1  Schnb. 6 Pfennig für ein Huhn
1  Schnb. 6 Pfennig für ein Hahn
1  Schnb. 3 Pfennig für 30 Eier
1  Schnb. 3 Pfennig für Pflugdienstgeld
11/2 Metzen Korn u. 11/2 Metzen Hafer

1799-1813  Witwe Maria Anna Lorenz, geb. Fick, ab 24.2.1800 Ehefrau des Michael Mühr.

1813-1839      Bernhard Schuchard aus Geismar, der am 25.1.1808 die Maria Barbara Lorenz, Tochter des verstorbenen Hagemüllers Adam Lorenz, geheiratet hatte.

1839-1862 Michael Schuchard, Sohn des Hagemüllers Bernhard Schuchard.

1863-1889 Karl Hildebrand. Er hatte am 28.11.1862 die Regina Schuchard, Tochter des Hagemüllers Michael Schuchard geheiratet.

1890-1933 Michael Hildebrand, Sohn des Hagemüllers Karl Hildebrand.

1934-1960 Katharina Hildebrand, Witwe des Michael Hildebrand.

Der Hagemüller Michael Hildebrand hatte die verwitwete Katharina Witzel, geborene Bitter nach dem Tode seiner ersten Frau, die am 17.9.1931 gestorben war, geheiratet. Den Mühlenbetrieb leitete ihr Sohn Robert Witzel, den sie in die Ehe mitbrachte, von 1934 bis 1943. Nach dessen Tod übernahm seine Frau Amalia Witzel den Mühlenbetrieb, die von 1948 bis 1950 den Müllergesellen Franz Jagoda eingestellt hatte.

Willi Mielke, der von 1947 bis 1950 den landwirtschaftlichen Betrieb führte, von 1950-1960 den Betrieb der Mühle weiter leitete, musste notgedrungen im Jahre 1960 den Mühlenbetrieb einstellen.

Am 1. Januar 1949 wurde der Gesamtgrundbesitz der Hagemühle in "Sämtliche Haushaltungen der Gemeinde Lengenfeld u. Stein" wie folgt angegeben:              

1.            Gesamtbodenfläche: 4 ha 43 a
2.            Davon landwirtschaftliche Nutzfläche:
               4 ha 10 a. Darunter Ackerland: 3 ha 4 a

1960-1980 Amalia Witzel, Schwiegertochter der Katharina Hildebrand.

Nachdem der Mühlenbetrieb am Karfreitag 1960 eingestellt worden war, wurde am 1.September 1966 das Mühlrad abgerissen. Damit war das letzte Stück einer heimatlichen Mühlenromantik der Zeit und Not gehorchend in die Vergangenheit gesunken.

1980-2004 Wilfried Goslar
Am 15. Juni 1980 verkaufte Frau Amalia Witzel die Hagemühle an Herrn Wilfried Goslar, der in diesem über vierhundert Jahre alten und traditionsreichen Gebäude eine ganz moderne Gaststätte mit "Eis - Cafe" nach langwierigen Außen- und Innenumbauarbeiten am 1. Mai 1989 eröffnete.

Lengenfeld u./Stein, den 15. August 1991
Walther Fuchs

1994 eröffnet das neuerbaute Hotel Hagemühle seine Pforten. Die nicht ausreichende Nachfrage zwingt die Familie Goslar 2004 dazu, dass Hotel aufzugeben.

2004-2006
Die Hagemühle steht zum Verkauf.

2006-2008
Andreas Seipel aus Struth kauft am 28. Juni 2006 die Hagemühle und eröffnet im leerstehenden "Hotel Hagemühle", in Kooperation mit dem Verein Jugend-Fußball Akademie Thüringen-Aktion Verantwortlich Leben e.V. ein Fußballinternat.

Am 28. Juni 2008 heiratet Andreas Seipel Verena Schneider aus Geismar und bewohnt nach zweijähriger Umbauzeit der alten Hagemühle nun die selbige seit dem 1. Juli 2008.

 

Lengenfeld u. Stein, den 2. Januar 2011 Bernward Seipel