Das Kloster Zella

 

(Bild aus dem Buch von Carl  Duval
"Romantische Beschreibung des Eichsfelds" 1845, Text aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Kloster Zella war ein Kloster der Benediktinerinnen zwischen Lengenfeld unterm Stein und Struth im südlichen Eichsfeld. Heute wird dort ein evangelisches Alten- und Pflegeheim betrieben. Zum Klosterbesitz gehörte auch der 500 Meter nördlich gelegene und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Katholischen Bevölkerungsgruppe genutzte Wallfahrtsort Annaberg.

Geschichte
Gründung

Das Gründungsdatum des am Südrand des Eichsfeldes vom Orden der Benediktiner gegründeten Klosters ist unbekannt, da sämtliche Dokumente und Urkunden des Klosters bei einem Großbrand 1649 im Archivraum des Zellschen Freihof in Mühlhausen vernichtet wurden, wohin ein Teil der Nonnen mit dem Klosterschatz und den Archivalien während des Dreißigjährigen Krieges geflüchtet waren. Heute wird eine Gründung um 1100 als Doppelkloster (Männer und Frauen) angenommen. In den ältesten Belegen zur Klostergeschichte aus dem Jahre 1215 wird aber nur noch das Frauenkloster erwähnt. Das Kloster war mit zahlreichem Güterbesitz und Schenkungen versehen, diese konzentrierten sich im Gebiet zwischen den Städten Treffurt im Süden, Mühlhausen im Osten und Dingelstädt im Norden. So verkaufte auch Ritter Heinrich von Treffurt am 15. September 1273 sein Dorf Strut, ein Reichsgut, für 24 Mark Silber an das Benediktinerinnen-Kloster Zella.

Plünderung und Zerstörung im Jahr 1525

Zum Kloster gehörten die Orte Struth und Effelder unmittelbar; die leibeigenen Bauern nutzten im Frühjahr 1525 die Verwirrung und Schwäche, um alte Rechnungen mit dem Kloster zu begleichen, Am 26. April 1525 wurde das Kloster erstürmt, Wertsachen und Vorräte erbeutet. Wohl erst Tage oder Wochen nach der erlittenen Niederlage in der Schlacht bei Frankenhausen überfielen Aufständische das Kloster erneut und legten in dem umfangreichen Gebäudekomplex Brände, wodurch das Kloster zunächst unbewohnbar wurde. Die in langwierigen Prozessen erhobenen hohen Schadenersatzforderungen richteten sich sowohl gegen die Bewohner der Klosterdörfer, als auch gegen die Reichsstadt Mühlhausen, da diese durch ihre Unterstützung für die aufständischen Bauern erst den Ausbruch der Unruhen ermutigt haben sollte. Eine enge Bindung bestand seit der Reformation an das im Nordeichsfeld gelegene Kloster Gerode, dieses stellte die Zellaer Pröbste.

Wiederaufbau und nochmalige Zerstörung im 17. Jahrhundert

Die zum Eichsfeld gehörigen Orte um das Kloster wurden nach der Reformation mehrheitlich wieder katholisch. Somit wurde der Klosterbesitz nicht zur Beute der umliegenden Landesfürsten und wurde bei der Fortsetzung des Klosterlebens im Jahre 1588 weiter genutzt. Auf Anordnung des Landesherren wurde das Kloster in den Gerichtsbezirk des Amtes Gleichenstein überführt und somit in seiner Unabhängigkeit eingeschränkt. Der größte Teil der heute noch erhaltenen Gebäude stammt daher aus der ersten Wiederaufbauphase von 1603 und einer zweiten Bauphase, die nach erneuten Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges erforderlich wurde.

Auflösung des Klosters 1810 und nachfolgende Besitzverhältnisse

Mit dem Reichsdeputationshauptbeschluss von 1803 wurde das Ende des Klosters eingeleitet. 1810 wurde das Kloster Zella (22 Nonnen) durch Dekret der preußischen Regierung endgültig aufgelöst und gelangte in Privatbesitz:

  • 1810-1842: Heinrich Wilhelm Röbeling, Mitbesitzer wurden seine Enkel Adam und Wilhelm Lutteroth. Seit 1837 wurde die Wallfahrt auf den Annaberg-dieses war nun ein zum Klostergut gehöriges Vorwerk-durch den Gutsbesitzer unterbunden, was zu großen Unmut in den katholischen Umlandgemeinden führte.
  • 1842-1869: Emil Lutteroth mit Sohn Wilhelm Lutteroth. Die Lutteroths hatten sich in den umliegenden Orten zahlreiche Feinde gemacht, indem sie ihre wirtschaftliche Vorrangstellung unbarmherzig und rabiat auszunutzen pflegten. Im März 1848 erhoben sich deshalb zahlreiche Kleinbauern und Tagelöhner, stürmten das Klostergut, um sich ihrer Schulden und Abgabenlasten mit Gewalt zu entledigen, dies geschah zeitgleich auch an zahlreichen Orten in Westthüringen (siehe auch Mihla: Graues Schloss). Die Aktion endete im Fall Zella mit einer Verhaftungswelle und Aburteilung der Kleinbauern und Tagelöhner
  • 1869-1888: Kaufmann Rudolf Weiss aus Bad Langensalza.
  • 1888-1932: Generalleutnant Rudolf von Fries aus Saarbrücken, ein Neffe des Vorbesitzers. Er richtete am Waldrand ein Erbbegräbnis ein und ließ 1907 mehrere Gutsgebäude und das Kirchendach erneuern, die 1906 bei einem Brand beschädigt worden waren.
  • 1932-1945: Rittermeister Helmut von Fries. Er war der Sohn des Vorbesitzers und Kunstsammler. Die von ihm erworbenen Antiquitäten wurden in der Klosterkirche als Sammlung präsentiert und von den Amerikanern (?) bei Kriegsende geraubt.
  • 1945-1946: wurde das Gut zunächst beschlagnahmt, der Wald und die Ländereien wurden 1946 bei der Bodenreform an Neubauern verteilt. Das Vorwerk Annaberg wurde an Neubauern übergeben.
  • 1947-1948: Übertragung des Klostergebäudes und der Nebengebäude an die evangelische Landeskirche der Provinz Sachsen. Die Übertragung sah die Einrichtung eines Altersheimes vor. Dieses wurde durch erste Umbaumaßnahmen vorbereitet.
  • 1948-heute: Evangelisches Altersheim der provinzialsächsischen Landeskirche bzw. (ab 2009) der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

 Mehr unter www.kloster-zella.de