Burg und Stadt Stein

 

(A:die Burg Stein, hier schon Bischofstein; B: die St. Georgs Kapelle, hier als Neukirchs bezeichnet; C: das Vorwerk; D: die Hagemühle)

Historischer Hintergrund

Aus mehreren Artikeln, veröffentlicht im "Lengenfelder Echo" 2007, Gemeindeverwaltung Lengenfeld unterm Stein und der Chronik

Bezugnehmen auf den Artikel aus den Lengenfelder Echo, April 1957:
"Neue Erkenntnisse über die Burg Stein" von Lambert Rummel, kann man im L.E. April 2007 lesen:

Um die Ursprünge der Burg Stein zu finden,..."müssen wir zurück in die Zeit des thüringischen Landgrafen Ludwig mit dem Barte, als dieses Grafengeschlecht zu Vizedomen vom Kurfürsten von Mainz über Thüringen und Hessen gesetzt wurde.

Unter seinen Söhnen Ludwig der Springer und Beranger kam erst das östliche und nördliche Eichsfeld an Thüringen (Rommel, Geschichte der Hessen)"

Diese Grafen, vom Kurfürsten als Verwalter und Richter eingesetzt, versuchten zu aller erst ihren Eigenbesitz und ihre Hausmacht zu festigen und zu mehren.

"Ludwig der Springer erbaute 1067 den ersten Wartturm auf dem Wartenberg bei Eisenach.
Das südwestliche Eichsfeld aber, unsere Flur, gehörte in der damaligen Zeit noch zur "winkischen Mark" (ein alter Bestandteil der Germarmark), welche den welfischen Grafen von Northeim gehörte. In dieser Zeit begann der eigentliche Burgenbau auf den Bergen und Steinen. Zuerst nannten sich diese Vorburgen "Hüser" (Steinerne Hüser). In dieser Zeit bauten in unserer Nachbarschaft die welfischen Grafen von Northeim auch das "Hahnstedehus" (später den Hanstein).

Als 1130 der 3. Vizedom des Springers Sohn Ludwig die Grafenwürde von Kaiser Lothar erhielt, fiel auch das südwestliche Eichsfeld mit unserer Heimatflur an die Landgrafenschaft Thüringens.
Vordem hatte unsere Heimat dem Werragrafen der Gisonen angehört.

Nach der Thüringer Chronik von Heinrich von Falkenstein (2. Teil) ging diese neue thüringische Landesgrenze, wie es die alte Schreibweise besagt, wie folgt:

Von Wannfreden, die diesseits strebende Strasse auf einen Berg, der heißt Eichenberg, jenseits dem "neuen Hoff" zu dem Steine und jenseits dem scharfen Steine bis an die Leine usw. (Der Südhang des Hülfenberges heißt heute noch "der Eichenberg".) Dieser "neue Hoff" zum Steine ist somit sicher um 1100 von den Werragrafen der Gisonen, welche mit den welfischen Grafen von Northeim verschwägert waren, gemeinsam erbaut worden. Hierauf gründeten ja die Braunschweiger später zur Zeit des Thüringen Erbfolgekrieges ihre Ansprüche an den Stein. Da in dieser Zeit der Auflösung der Germarmark, in der kriegerischen Zeit der Raubgrafen untereinander, dieser Hof nicht ungeschützt bleiben konnte, bauten die verschwägerten Grafen Giso der Jüngere und der Graf von Northeim sicher den ersten Wartturm, das "Nidderste Hus" auf dem Hof zum Stein.

Als 1137 dieser Landgraf Ludwig I. nach dem Aussterben des Gisonischen Grafengeschlechts "(Tod von Graf Giso V.)" den Stein erbte "(er war mit Gisos Schwester Hedwig (?) vermält)", erhob auch der Erzbischof und Kurfürst von Mainz als früherer Lehnsherr dieser Gisonen seine Ansprüche auf den Stein. Hier wird auch schon 1137 diese Warte "Hus zum Stein" genannt. (Somit der Anfang der Bauzeit unseres Steines schon um 1100.)

Um diese Frühburg des Steins fließen geschichtliche Tatsachen und im Volk überlieferte und bis heute noch erhaltene Legenden und Sagen ineinander. So rankt sich auch um unser "Nidderstes Hus" die Sage der Zerstörung dieser Frühburg durch ein Fräubchen von England."...

(Siehe Fräubchen von England!)

Lengenfelder Echo vom Juli 2007:
Von einer anderen Quelle wird die Frage gestellt: War die heilige Elisabeth auf Burg Stein in Lengenfeld?

Durchaus möglich! Elisabeth kam als Kind mit 4 Jahren (1211) nach Thüringen und wurde 1221 mit dem Landgrafen Ludwig von Thüringen vermählt. Sie war damit Landgräfin, also Landesmutter von Thüringen zu dessen Ländereien auch der "Stein" gehörte. Da seine Vorfahren den Stein geerbt hatten und dieser in landschaftlich reizvoller Umgebung sowie unmittelbarer Nähe des damals schon berühmten Wallfahrtsortes zum heiligen Kreuz auf dem Hülfensberg lag, hätte sich die dem christlichen Glauben und der Nächstenliebe verpflichtet Elisabeth sicher wohlgefühlt. Wurde Ihr der "Steyn" als Morgengabe zur Vermählung geschenkt?
(Frei nach Norbert Lorentz, 1928 im "Heimatboten".)

Karl Duval schreibt in seiner "Romantischen Beschreibung des Eichsfeldes" S. 359:
"Im Jahre 1282 war Hugo von Stein Vogt auf dem Schlosse Bischofstein, denn die Burg gehörte zu dieser Zeit bereits dem Landgrafen von Thüringen eigentümlich zu."

In der "Politischen Geschichte des Eichsfeldes" von Wolf-Löffler heißt es auf Seite 285:
"Im 14. Jahrhundert vergrößerten die Erzbischöfe von Mainz das eichsfeldische Gebiet, worunter das Schloss Stein (Bischofstein) das erste war. Es gehörte 1298 dem Landgrafen Dietrich von Thüringen und dem Grafen von Henneberg."

Winitzigeroda-Knorr schreibt in den "Wüstungen des Eichsfeldes" S. 114:
"Das Schloss Stein gehörte sicher zum Nachlass des Landgrafen Hermann von Thüringen, um welchen sich seine Tochter Jutta, bzw. deren Gatte, Markgraf Heinrich der Erlauchte von Meißen, neben dem Grafen von Henneberg einerseits, mit der Herzogin Sophie von Brabant, der Tochter der hl. Elisabeth, andererseits, stritten."


Weiter aus dem Artikel von Lambert Rummel "Politische Geschichte Lengenfelds und Bischofsteins", Lengenfelder Echo von Juli/ August 1957, veröffentlicht im L E August 2007, Gemeindeverwaltung Lengenfeld unterm Stein:

"Zwischen 1400 und 1802 hatte das Amt Bischofstein seine eigenen vorgeschriebenen Maße und Gewichte:

Berliner Gemäß= 16 Metzen= 1 Scheffel, um 24 Scheffel=1 Mispel

Heiligenstädter Gemäß= 4 Köppchen=1 Metzen, 4 Metzen= 1 Scheffel und 6 Scheffel= 1 Malter, 1 Malter ist ungefähr 3 Zentner

Ein Malter Heiligenstädter Gemäß= drei Scheffel, sechs 2/5 Metzen Berliner Gemäß.
Bischofsteiner Gemäß =16 Metzen= 1 Malter/ Heiligenstädter Gemäß.
Die Sprengelmetze, solche 6 Metzen geben auf einen Scheffel und 36 Metzen gehen auf 1 Malter Heiligenstädter Gemäß."

1420 Die "Stadt zum Stein", die als kleine Marktstadt unterhalb der Burg am Südosthang des Burgberges lag und von einer Befestigungsmauer umgeben war, wird urkundlich genannt. In diesem Marktflecken stand auch nach dem 30- jährigen Krieg noch die "Sankt-Georg-Kapelle", in welcher im Jahre 1705 noch kirchliche Handlungen statt gefunden haben sollen.

Bezugnehmen auf den Artikel aus den Lengenfelder Echo, Juni 1957:
"Neue Erkenntnisse über die Burg Stein" von Lambert Rummel, kann man im L.E. Juni 2007 lesen:


"...Aus der gefundenen Karte lässt sich nun das erste zuverlässig Bild der Burg entnehmen, wie es Augenzeugen in den Jahren zwischen 1550 und 1600 aufgezeichnet haben. Die dargestellten Burggebäude stimmen mit den Angaben überein, die Amtsvogt Phillip Falk um 1600 gemacht hat.

Falks Angaben lauten:
"Der Turm ist 62 Schuh hoch (3 Schuh = 1m, gemeint ist der Ostturm ).
Das Wohnhaus ist 100 Schuh lang und 35 Schuh breit, mit Ziegel bedeckt, hat 3 Stockwerke.

1. Stockwerk:
1Wohnstube mit 5 Fenstern, daran 1 Kammer mit 1 Fenster, ferner durch den Gang hin Schreibstuben mit 3 Fenstern und 1 Küche mit 3 Fenstern, neben1 kleinen Speisekammer, so 1 Fenster hat.

2. Stockwerk:
hat 2 Stuben, deren 1 die Amtsstuben mit 7 Fenstern, die andere, die Hofstuben genannt, hat 3 Fenster, 1 Saal hat 4 Fenster, item 4 Kammern, davon 2 nach dem Turm, eine mit 1, die andere mit 2 Fenstern, dann 2 an der Amtsstuben, deren auch eine mit 1 Fenster, die andere mit 2 Fenstern.

Das 3.Stockwerk
hat eine wüste Stuben, die Nonnenstuben genannt, neben einem kleinen wüsten Kämmerlein mit 1 Fenster, hiervor seindt 2 Boden und ein Vorsaal.

Darüber hat es einen Estrichboden mit 2 Rauchkammern, gar unter dem Dach (also 2.Boden), 1 kleiner Boden, etwa den 5. Teyl des Hauses haltend.

Neben dem Waschhaus ist ein Pferdestall, so 48 Schuh lang und 30 breit, worauf 2 Kammern und 2 Böden mit Estrich übereinander.

Überhalb dem Pferdestalle gegen dem Wohnhaus ist ein Schuppen, 58 Schuh lang und 15 breit.

Im Vorhofe ist ein Back- und Brauerhaus, so zusammen 56 Schuh lang und 71 breit, gegenüber  ist ein wüster Schoppen mit einer Thorausfahrt.
(Diese Angaben verdanke ich unserem Landsmann und Heimatforscher Anton Fick.)

Unterhalb der Burg, am Berg hat der Kartenzeichner ein schon halb wüstes langes Gebäude ohne Dach dargestellt. Dieses wüste Gebäude war benannt Neukirchs. Es ist zweifellos die damals wüstliegende Georgskapelle (sie wurde neu aufgebaut, 1611 neu eingeweiht vom Bischof Gobelius auf seinen alten Titel St Georg).
Weiter unten am Berge in der Nähe des Teiches lag ein großes Vorwerk, wahrscheinlich da wo noch heute der übermauerte Brunnen steht und das umliegende Gelände als Wüstung anzusprechen ist. Diese Burg, das Vorwerk und die Georgskapelle sind im 30 jährigen Krieg zerstört."...

"Was ist nun von dieser alten Burg und Stadt Stein außer Urkunden und Sagen "sichtbar und beweisführend" übriggeblieben? Diese Feststellung ist heimatgeschichtlich unbedingt nötig, da die Steine der Burg und Stadt Stein sämtlich zu Tal gebracht und zu neuen Bauten  verwendet worden sind. Der Zahn der Zeit wird auch die letzten Mauerreste bald verschwinden lassen und sogar die Burggeländeformen so verändern, dass die Nachwelt nichts mehr finden kann.

Auf dem Burgberg befindet sich das ca. 35a fassende Gelände der eigentlichen Burg Stein. Die Gesamtlänge beträgt 140 m, die Breite an der breitesten Stelle nur 40 m. Der Burggraben ist in diese Maße nicht einbezogen.
An der schmalen Stelle beim urkundlich erwähnten "Malahus" ist der Felsen nur 19 Meter breit. Das Gelände steigt von Südwesten nach Osten ca. 15 Meter. Die Burg war daher in das untere, das "Nidderste Hus" und die höher gelegene "Oberburg" geschieden.

Auf dem weit ins Friedatal stoßenden Südwestfelsen des "Niddersten Huses" befindet sich noch die Rudera mit Mauerresten des im Durchmesser 4 m starken Südwestsöllers. Der Felsen ist auf der Ostseite mit heute noch sichtbarem Mauerwerk verstärkt. Es hat auch den Anschein, als ob es den Nebenbau des SW-Turmes getragen hätte. Mit diesem "Niddersten Hus" bis an das Malzhaus waren 1420 die von Ershausen belehnt und 1476 beim Ableben des letzten Ereshusen die von Hanstein.

Vom äußeren Ende des Südwestturmes sind es 45 m bis zum Malzhaus. Von diesem Malz- oder Brauhaus, welches 8,70 m lang und 5,50 breit war, sind die Kellergewölbe und Mauerreste noch vorhanden. Dort sind auch noch die Mauerrest eines Gebäudes zu sehen, welches 7,50 m breit gewesen sein muss; seine Länge ist nicht mehr festzustellen.

In dem ansteigenden Zwischengelände bis zur Oberburg finden sich auf 65 m Länge keine Mauerreste mehr, aber das Erdreich ist durchsetzt mit Dachziegelbrocken. Man findet halbe Ziegeln, an denen man noch die alte Deckweise "Mönch und Nonne" feststellen kann.
Erst an der breitesten Stelle des Geländes stoßen wir auf die Mauerreste des Haupt- oder Amtsgebäudes, welches nicht längslaufend des Berges sondern querlaufend gebaut war. Dreißig Meter davon entfernt finden wir auf der höchsten Stelle der Oberburg die Rudera des Ostturmes. Der Eckfels dieses Turmes ragt 10m aus dem sehr breiten Halsgraben am Ostende der oberen Burg empor. Dieser Turm, so wie er gestanden hat, ermöglichte die Übersicht über sämtliche Eingänge zur Unter- und Oberburg. Man kann sie als eine sehr fest und gut angelegte Burg bezeichnen.

Alle hier angegebenen Maße sowie die noch vorhandenen Mauerreste sind 1950 von Josef Richwien und mir festgestellt und in einem Grundriss 1:150 in unserer Ortschronik aufgenommen worden damit diese Angaben, so wenigstens unserer Heimatgeschichte erhalten bleiben.

Stadt Stein. Von der genannten breitesten Stelle des Halsgrabens am Ostturm lief ein Graben, von einer Mauer begleitet, südlich bergabwärts, dann scharf westlich abbiegend, wieder nördlich aufwärts führend, bis unter den Felsen des Südwestturmes. Dieser Graben und diese Mauer, von der 1950 noch Reste zu sehen waren, schlossen die Stadt Stein ein. Es ist das Gelände, in welchem sich heute der Friedhof von Bischofstein befindet. Es steigt nordwestlich terrassenförmig an bis unter die Burgfelsen. Das Erdreich ist ebenfalls mit vielen alten Ziegelbrocken durchsetzt.

In jüngerer Zeit wurden noch eine Herdstelle und daneben Mauerwerk festgestellt.
Kurze Zeit danach fand der Schlossgärtner Ewald Riese viele Topfscherben, welche noch aus der alten Stadt Stein stammten. Dieselben wurden von unserem Kulturleiter König (?) in dankenswerter Weise in mühsamer Arbeit als eine Grape, ein Becher mit Rundem Fuß und eine Vase aus Keramik zusammengefügt."


Heute kann man auf dem Burgberg noch die Vertiefung sehen, in der bis ca. 1933 eine Linde wuchs, weiterhin Mauerreste einer Stallung oder des Malzhauses/Backhauses.