Das Rittergut Keudelstein

 

(Ausarbeitung anhand von Beiträgen aus dem "Lengenfelder Echo", der untenstehenden Website und Wikipedia-Artikeln zu den Gerichtsbarkeiten)

Unterhalb der Keudellkuppe, in der malerischen südeichsfeldischen Landschaft nahe Lengenfeld unterm Stein, war lange Zeit ein stattliches Rittergut zu finden.
Die Wurzeln der Herren von Keudel, die sich später als "Keudel von Keudelstein" bezeichneten lassen sich bis in das 14., ja sogar 13. Jahrhundert nach Schweda in Hessen zurück verfolgen.

Als Grundbesitzer (Junker) in Hessen und im Eichsfeld oblag ihnen im Mittelalter hier in Lengenfeld die untere oder auch niedere Gerichtsbarkeit. Diese auch als patrimoniale Gerichtsbarkeit, Dorf-, Thing- oder Hubengericht bezeichnete "Rechtssprechung" befasste sich in der Regel mit geringeren Delikten des Alltags, die mit Geldbußen oder leichteren Strafen sühnbar waren. Dazu gehörte der Pranger, das Tragen des Lästersteins, der Schandpfahl. Diese fallen unter die Rubrik Ehrenstrafen.

Die obere Gerichtsbarkeit, auch als "Halsgericht oder Grafschafts-/Vogteirecht" bezeichnet, übten die Vögte des Steins (ab 1409 Amt Bischofstein) aus. Dies betraf vor allem Straftaten wie Raub und Mord, Diebstahl, sexuelle Belästigung, Notzucht (Vergewaltigung), homosexueller Geschlechtsverkehr, Hexerei oder Zauberei und Kindesmord. Die Hinrichtungsformen bei einem Todesurteil unterschieden sich jeweils nach dem Verbrechen (zum Beispiel für Kindesmörderinnen das Ertränken, für Notzucht der Feuertod oder für Mord das Rädern) sowie nach der Person des Verbrechers. Die Hinrichtung durch Enthaupten war beispielsweise lange Zeit eine "privilegierte" Hinrichtungsmethode für Adelige.)

Die Herren von Keudel und von Hanstein wurden seit 1420 von Mainz mit 400 Acker Land, der Meierei, einem Hof unter dem Kirchiber und zwei weiteren Höfen belehnt. Auf diese Mainzer Lehen gehen vermutlich Orts- und Flurnamen wie Keudelsgasse, Herrengasse, Goldgasse und Hanstein zurück.
Urkunden aus dieser Zeit belegen, dass sich der gesamte Grundbesitz der Umgebung in den Händen des Kurfürsten von Mainz, der Klöster, Ritter und Junker befand.
Weiterhin hat der Müller der Obermühle nachweislich für die Herren von Keudel gemahlen, weshalb diese auch "Herrenmühle" genannt wurde.

Mit dem Tod des Walrab von Keudel 1792 wurde sein Besitz vom Amt Bischofstein eingezogen und die eichsfeldische Linie (Keudel von Keudelstein) erlosch. Das Gut an sich bestand noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg.

Heute findet man nur noch verschwindende Reste aus denen man schlussfolgern kann, dass dort in der Flur einmal ein Gebäude stand. Wie groß und prachtvoll es war, lässt sich jedoch nicht mal mehr ahnen!
Deshalb freue ich mich, allen Mittelalterfans und Freunden von Burgen, Klöstern und verschollenen Rittergütern hier eine von Oliver Krebs, HeimatStudio Medien-Dienste GbR in Lengenfeld unterm Stein, erstellte Internetpräsens zum Keudelstein empfehlen zu können. Ein wahrer Schatz an gesammelten geschichtlichen Hintergründen von Heimatforschern, Zeit- und Augenzeugen, sowie an tollen Fotos zum geschliffenen Rittergut Keudelstein und seiner Lage!


Zu finden unter
www.keudelstein.de.