Das Schloss Wolfsbrunnen

 

 

Das Schloss Wolfsbrunnen wurde zwischen 1904 und 1906 vom königlichen Kammerherren und Landrat von Eschwege, Alexander von Keudell (1861 bis 1939) erbaut. Der Grund und Boden gehörte von alters her zum Besitz der Familie von Keudell aus Schwebda, ansonsten war der Landadel wohl  bereits verarmt.
Unter Wilhelm-Friedrich von Keudell (1735-1807), ebenfalls Landrat in Eschwege, fand hier die erste Festlegung einer Parkanlage statt, in die 1788 eine Jagdhütte mit Unterstellmöglichkeiten für Pferde im Keller gebaut wurde. Unweit dieser Hütte entsprang die Wolfsbornquelle, oberhalb derer Wilhelm-Friedrich von Keudell anfänglich begraben lag. Diese Quelle, die in umbauter Form  als Brunnen noch heute  im Schlosshof existiert, ist die Namensgeberin für das vom Kasseler Architekten Anton Karst (1861-1919) gebaute Schloss sein.

Anton Karst errichtete auch drei Villen für den Großindustriellen Henschel, mit dessen Tochter Luise Alexander von Keudell seit 1886 verheiratet war. Nach Fertigstellung von Wolfsbrunnen im Stil der Neurenaissance, bezogen Alexander und Luise von Keudell das Schloss am 27.06.1907. Geldgeber für das nachgereichte Hochzeitsgeschenk war Vater Henschel.

In der zwei Stockwerke hohen Eingangshalle befand sich ein offener Kamin, die Treppenaufgänge waren mit Schnitzerein verziert und in die Bleiverglasten Fenster waren Segenssprüche eingearbeitet. Man fand einen Spiegel- und einen Rittersaal, einen "Blauen Salon" und eine Bibliothek vor.

Aus der Ehe von Luise und Alexander gingen mindestens ein Sohn (Rudolf) und eine Tochter, ein Enkelsohn (Walrab) und eine Enkeltochter (Ebba) hervor. (Der Enkelsohn, Walrab von Keudell, starb 1953 nach einem Blitzschlag.)

Am 24.6.1939 verstarb Alexander von Keudell und wurde auf dem nahen Waldfriedhof beerdigt. Nachdem nur wenige Wochen später auch der, seit seiner Pensionierung auf Schloss Wolfsbrunnen lebende Bruder Alexanders, nämlich General Rudolf von Keudell, geb. 1858,  starb, bewohnte die Witwe, Luise von Keudell Teilbereiche des Schlosses allein weiter.

Während des Zweiten Weltkrieges brachte die Deutsche Wehrmacht hier ab 10.02.1943 ein Teillazarett des Eschweger Hauptlazarettes zur Betreuung der Leichtverletzten und Genesenden unter. Nachdem die Amerikaner das Schloss übernommen, das Lazarett wieder aufgelöst und bis zum 22.10.1945 Wolfsbrunnen geräumt hatten, waren bis zum 29.5.1946 zurückreisende Polen hier; bis 1947 diente es als Kinderheim elternloser jüdischer Kinder.

Da das Hilfswerk der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck vom 19.08.1947 bis zum 15.09.1956 das Schloss gepachtet hatte, wohnten bis zum 31.07.1950 Russlandheimkehrer hier, im Kurheim.

Nach dem Tod Luise von Keudells 1951 stand Wolfsbrunnen bis 1953 als Erholungsheim für Bergwerkslehrlinge aus dem Ruhrgebiet zur Verfügung.

1956 wurde das Schloss vom Hilfswerk der Evangelischen Kirche geräumt und stand leer, bevor es der Bundesgrenzschutz von 1958 bis 1961 mietete und teilweise renovierte.

Von 1965 bis1966 mietete es die Firma Preussag AG an, die im Raum Eschwege Fernleitungen verlegte.

Am 19.8.1968 verstarb im Alter von 82 Jahren mit Baron Rudolf von Keudell der letzte männliche Stammhalter dieser Linie. Wie die vor ihm gegangenen Mitglieder seiner Familie bettete man auch Ihn auf dem Waldfriedhof nahe dem Schloss zur letzten Ruhe.

Am 1.4.1969 erwarb die Firma Soblick aus Hamburg das Schloss Wolfsbrunnen, um es in ein Sporthotel mit 90 Betten umzubauen. Diese Pläne sind jedoch nicht verwirklicht worden. Lediglich der Nordflügel erfuhr einen Ausbau zu Wohnungen und man vermietete ihn auch als solche.

Laut Presseberichten 1981 von Soblick für über 3 Millionen D-Mark an einen Fachbuchverlag veräußert, gelangte es an die "Poona Jünger". Diese Sannyassins (asketisch, ungebunden und besitzlos lebendende hinduistische Mönche) des indischen Gurus Bhagwan residierten nach ausgedehnten Umbauarbeiten, die 1983 abgeschlossen waren, in ihrem nun "Rajneesh Stadt" genannten Ashram (klosterähnliches Meditationszentrum). Wolfsbrunnen sollte Therapie- und Missionszentrum sein.
Es sollen etwa 80 Sannyassin, die nicht nur aus Deutschland sondern auch aus Österreich, Italien und Indien kamen, auf dem Schloss gelebt haben. Sie nahmen Rodungen im Park vor und richtete die beiden Teiche wieder her, die sogar mit Fischen besetzt wurden.
Die Mönche unterhielten hier einen Verlag für Bücher und Kassetten, eine Schreinerei mit Möbelrestauration, eine KFZ-Werkstatt, eine biologische Gärtnerei, eine Boutique nebst Kosmetikabteilung mit Naturpräparaten, eine Dachreinigungsfirma, eine Arztpraxis und ein Restaurant. Alle Mühe war jedoch vergebens, da die "Poona-Jünger" in der Region auf Ablehnung stießen.

Demzufolge verkauften sie das Schloss 1985 an die Unternehmensgruppe Familienheim GmbH München, die jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Daraufhin erwarb die Firma Karl Heckel Immobilien GmbH München es, sanierte es grundlegend und teilte es in Hotelapartments auf.

Nach der Vermittlung durch die Firma Stadler GmbH an Bauherren und (nun) Apartmenteigentümer wurden 80 Gästezimmer einge- und der Tennisplatz wieder hergerichtet, Hallenbad, Sauna, Solarium gebaut, das Dach neu eingedeckt, die Fassade sandgestrahlt und neue Fenster und Türen eingesetzt. Nur ging es trotz über 10 Millionen investierter D-Mark nicht vorwärts und weitere 1,5 Mio. standen an! Deshalb schlossen sich die "Bauherren" zu einer Solidargemeinschaft zusammen, gründeten eine GmbH und eine Besitzgemeinschaft, deren Aufgaben es war, die Gewerbeeinheiten der Schlossanlage von Noch-Besitzer Karl-Heckel für weitere 2 Millionen zu erwerben.

Nach vier Jahren Bauzeit konnte dann endlich am 3. Oktober 1989 das Restaurant und am 27. November 1989 das Hotel Schloss Wolfsbrunnen eröffnet werden.

Anfangs lief es wohl auch ganz gut. Die Jahre gingen ins Land, die Besitzer wechselten.

Der NABU-Hessen und das Land Hessen zeichneten Schloss Wolfsbrunnen 2006 als erstes Gebäude im Werra-Meißner-Kreis mit der Plakette und der Urkunde "Fledermausfreundliches Haus" aus.

Mittlerweile erfährt es wohl eine weitere Sanierung oder einen Umbau durch Irina Klochkova und Andrey Trubitsin. Ist es noch bzw. wird es wieder "Hotel Schloss Wolfsbrunnen" und wenn ja zu welchen Konditionen?

Mehr Interessantes zur Familie von Keudell siehe auch:
www.keudelstein.de

Ausarbeitung in Anlehnung an das Buch: "Hotel Schloss Wolfsbrunnen-Die Geschichte einer guten Adresse", Erwin Heuckeroth, Herausgeber Hotel Schloss Wolfsbrunnen, BetriebsGmbH & Co. VerwaltungsKG Meinhard-Schwebda, 1990 und Wikipedia, die freie Enzyklopädie

Bild, Mitte Privatfoto
Bild, unten Postkarte des Hotels