1933 - 1945

Aus der Chronik
"50 Jahre Fußball in Lengenfeld u. Stein"
von Walther Fuchs

 

Das Jahr 1933 blätterte mit der Machtergreifung der Faschisten das traurigste Kapitel des Lengenfelder Fußballsports ein.
Die Reichstagswahlen vom 5. März 1933 brachten der Nazipartei nicht den beabsichtigten Erfolg. Die Mehrheit des Volkes (57 Prozent) stimmten gegen Hitler. Um aber trotzdem den Reichstag auszuschalten, brauchte Hitler eine Zweidrittelmehrheit. Daher erklärte er die 81 kommunistischen Reichtagsmandate unter Verfassungsbruch für ungültig. Da nun alle bürgerlichen Parteien Hitler ihre Stimme gaben, erhielt er die Ermächtigung, Reichsgesetze zu diktieren. Aufgrund dieses Ermächtigungsgesetzes schalteten die Nazis alle Parteien und Organisationen aus, die ihnen in ihrer aggressiven Politik nicht passten.
Als nun der Vorstand unseres Vereins am 10. Juni 1933 von der Auflösung des FC Geismar und des FC Wilbich erfuhr, wurde unser Kassenbuch dahingehend mit Belegen abgeschlossen, dass nur noch 3 Pfennige als Bestand vorhanden war.
Am 15. Juni 1933 war es dann auch für unseren Verein soweit. An diesem Tag hielt ein Auto vor der Wohnung des Sportfreundes Franz Richwien, der damals Kassierer war. Die vier Männer in Uniformen, die diesem Auto entstiegen und die Wohnung betraten waren der derzeitige Ortsgruppenleiter A. Wiegand, der Sportkommissar Dr. Krüger, der Wachtmeister Stein und ein SS-Offizier. Nachdem der Ortsgruppenleiter ein Schreiben des Kreisleiters verlesen hatte, erklärten er und Dr. Krüger den "BSC Lengenfeld u. Stein 1930 - DJK Winfridia" für aufgelöst. Die Protokollbücher, das Kassenbuch, die Kasse mit einem Bestand von 3 Pfennigen, drei Fußbälle, die unser Ballwart Erwin Günter noch holen mußte und unser Tischwimpel wurden beschlagnahmt.
Der Schock über das unrechtmäßige Eingreifen der Faschisten war bei allen Sportlern so überwältigend, dass vorerst niemand bereit war unter anderem Namen weiterzuspielen. So ging das Jahr ohne Punktspielbetrieb zu Ende. Lediglich die Bischofsteiner Schulmannschaft, die sich durch Spieler unserer 1. Mannschaft verstärkt hatte und unsere Jugend- und Schülermannschaft trugen Freundschaftsspiele aus, die fast ausschließlich gewonnen wurden.
So blieb trotz allem die Begeisterung für den Fußballsport aber auch die Frage: "Wie soll es nun weitergehen?"
Um nun doch weiterhin organisiert Fußball spielen zu können wurde in der am 1. Dezember 1933 durchgeführten Versammlung der Anschluss an den Deutschen Fußballverband unter der Bezeichnung "BSC Blau-Weiß Lengenfeld u. Stein" beschlossen. Den Vorsitz übernahm wieder einmal dem Fußballsport zuliebe unser Karl Wegwerth.
So begann mit dem Jahre 1934 noch einmal ein reger Punkt- und Freundschaftsspielbetrieb. Die beiden erstklassigen Mannschaften, der FC Diedorf und der FC Geismar schafften den Aufstieg in die I. Kreisklasse. Der BSC Lengenfeld u. Stein erreichte den dritten Platz im Kreis, im Bezirk Hülfensberg den zweiten Platz.
Da nun in Vorbereitung der Faschisten auf einen Krieg überall Rüstungsfabriken aus dem Boden gestampft und Autobahnen gebaut wurden, begann in der Wirtschaft ein scheinbarer Aufschwung. Damit fanden die Lengenfelder Arbeiter wieder Beschäftigung, hauptsächlich in diesen Rüstungsbetrieben. Das hatte zur Folge, dass auch die Spieler unserer I. Mannschaft an den meisten Spieltagen nicht mehr zu Hause waren und daher in der Mannschaft nicht eingesetzt werden konnten. Hinzu kam, dass Hitler am 16. März 1935 die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht bekanntgab. Daher spielte die beste Jugendmannschaft der dreißiger Jahre als I. Mannschaft weiter. Eine Verstärkung erfuhr diese Mannschaft stets dann, wenn die alten Spieler wie Erwin Günther, Heinrich Müller, Alois Höppner, Paul Riese, Michael Kattner und Ernst Eichner an einigen Sonntagen von ihren auswärtigen Arbeitsstellen auf Urlaub zu Hause waren.
Nocheinmal hervorheben möchte ich auch an dieser Stelle die gute Zusammenarbeit die wir seit Bestehen unseres Fußball-Clubs, aber ganz besonders in den dreißiger Jahren, mit dem Bischofsteiner Sportclub (BSC) gepflegt haben. Da die Bischofsteiner Schulmannschaft ihre Spiele im Rahmen der Schulmeisterschaft nur an den Sonnabenden austrug, konnten wir uns gegenseitig ergänzen und verstärken. Die besten Spiele dieser Zeit waren 1935 gegen Heiligenstadt 4:2, Mühlhausen 1936 mit 6:1, Eschwege 1936 mit 5:3.

Mit dem Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Schon bei der Mobilmachung und in den Tagen bis zum Kriegsbeginn wurden 69 wehrfähige Männer und Jugendliche, darunter natürlich alle Spieler der I. Mannschaft, eingezogen. Wenn auch die Schüler- und Jugendmannschaft in den Kriegsjahren noch einige Freundschaftsspiele austrugen, so kam mit der Verkündigung des totalen Kriegs jeglicher Sportbetrieb zum Erliegen.

Ruinen, Millionen Tote, Hunger und Elend - das war im Jahre 1945 das Ergebnis des Hitlerkrieges für das deutsche Volk wie auch für die Völker Europas. Für unser Dorf brachte er unermessliche Trauer ob der 98 Toten, unter denen wir auch 29 unserer besten Fußballspieler beklagen. Hinzu kam noch, dass ein großer Teil als Köperbehinderte aus diesem sinnlosen Krieg zurückkamen. Was hätten diese Sportler nicht alles dafür gegeben, um noch einmal auf unserem Sportplatz zu spielen und die Tore für unser Lengenfeld u. Stein zu schießen.

Unsere toten Sportler mahnen uns zum Frieden:

Das Grab von Feldwebel Andres Witzel, gefallen am 31. Juli 1942 in Frankreich



Johann Kasperski




Walter Höppner

Karl Gunkel
Heinrich Müller II
Josef Fuchs



Albert Kattner



Andreas Riese


Heinrich Müller III
Heinrich Ruhland



Christel Müller




Andreas Witzel

Heinrich Hucke
August Richwien
Erwin Günter
Paul Busse
Wilhelm Richwien
Alois Höppner
Paul Witzel
Ernst Eichner



Heinrich Riese

Georg John



Edmund Hahn

Ernst Mähler
Walter John



Franz Riese

Kurt Hahn
Christian Eichner
Alfred Hucke
Helmut Hildebrand