Aus der Chronik "50 Jahre Sport in Struth"
von Vinzenz Hoppe

Aus dem Sportverein Struth 1921 wird
die DJK (Deutsche Jugendkraft) 1921

1922 - 1930

Mit der Separation kam der neue Sportplatz!

Greifen wir jetzt nochmals auf die Erinnerungen von Karl Köthe zurück.

An einem sehr schwülen Sommerabend - die Fenster in der Schneider'­schen Gastwirtschaft standen weit offen - redete man sich drinnen die Köpfe heiß. Es ging hoch her, die Gemüter waren sehr erregt bei der Erörterung des Themas: Flur-Dorf-Separation. Alles war zwar gegen die Separation "aber wenn zwei sich zanken da freut sich der Dritte."

Voll Freude und Zuversicht sagte ich zu meinen Sportkameraden: "wenn separiert wird, bekommen wir auch einen neuen Sportplatz".

1925 verließ Karl Köthe - einer der besten Fußballpioniere unse­rer Gemeinde sein Heimatdorf. Er schreibt dann später: "Als ich nach Jahren mal wieder daheim war und den neuen schönen Sportplatz sehen konnte, da war mein Sportlerherz sehr, sehr erfreut."

Hier muss ich unseren Werner Simon wieder zu Wort kommen lassen.

"Als die Separation begann, hatte mein Bruder Arthur den Landmes­ser Bergemann gedrängt, unbedingt ein Gelände für den neuen Sport­platz einzukalkulieren. Bergemann meinte dann zu mir: "Es gebe in der Struther Gemeinde viele Leute, die mir gedroht haben, für einen Sportplatz Land zu verschwenden, müsse bestraft werden"! Aber ich  ließ mich nicht beirren und wandte mich mit Eingaben nach Mühlhausen und Erfurt, in denen ich mich für die Befürwortung ein­es Sportplatzgeländes einsetzte. Ich bekam erfreulicherweise Zu­sagen. Darauf meinte der Landvermesser: "Obwohl Struth auf einem Hoch­plateau liegt, ist es schwer einen geeigneten Platz dafür zu finden" Ich schlug die "Heiligenländer" an der Lengenfelderstraße vor. Es wurde aber abgelehnt, weil es gutes Kohlland war. Durch meinen Bru­der Arthur ließ mir der Landmesser dann sagen, dass der Saurasen, unterhalb der alten Dorftränke - heute Annabergstraße - wegen sei­ner Lage und seines Windschutzes am besten geeignet sei für den neuen Sportplatz .Von da ab war ich beruhigt, denn nun schien die Sache doch zu klappen. Um 1930 oder noch später habe ich auch mal einen kleinen Wanderpreis gestiftet, den Paul Richardt (Sohn der alten Kindfrau im Dieteweg) als erster gewonnen hat."

Soweit die Erinnerungen vom Gründer Werner Simon. Auf seinen ge­stifteten Wanderpreis; er wurde später "Werner Simon-Preis" ge­nannt und alljährlich ausgetragen. Leider ist er bei den Struther Kriegswirren 1945 mit vernichtet worden. Doch darauf kommt der Chronist später noch zurück.

Anmerkung des Chronikschreibers: Nachdem nun ein neuer Sportplatz durch die Separation in Aussicht gestellt war konnten auch die Gemeindeväter und auch die anderen Gegenspieler nicht mehr anders. Staatlicherseits verlangte man auch immer mehr die sportliche Ertüchtigung der Jugend. So rang sich auch in Struth ganz allgemein die Erkenntnis durch, dass man dem Fußballsport nichts mehr in den Weg stellen dürfe.

Vor den "Blauweißen" aber stand nun in den nächsten Jahren die große Aufgabe, den neuen Sportplatz zu planieren und würdig und spielfähig zu machen.

Doch darüber wird fortsetzend aus den Niederschriften der je­weiligen Schriftführer in den Vereins-Protokollbüchern zu be­richten sein!

Sportliches Leben, geschildert von den Vereins-Chronisten

Das älteste noch aufgefundene Vereinsprotokollbuch beginnt mit der Niederschrift vom 3. Januar 1929. Schriftführer ist damals Bernhard Hoppe (heute Werkmeister in Großbartloff und Bruder unseres Chronikschreibers) gewesen. Der Vorstand setzte sich 1929 wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender: Friedrich Kirchner

2. Vorsitzender : Joseph Fritsch

Kassierer:      "derselbe"

2. Kassierer: Bernhard Hoppe

Schriftführer "derselbe"

Schriftf.-Stellv.: Albert Richardt

1. Beisitzer: Otto Kirchner

2. Beisitzer: Venantz Hahn

Unterkassierer: Albert Fritsch

2. Kassierer: Philipp Hindermann

Ballwart: Peter Tasch

Man ersieht aus der Zusammensetzung dieses Vorstandes, dass es noch viele Doppelfunktionen gab und dass viele Sportler noch nicht so richtig herausgingen.

Der Monatsbeitrag wurde in dieser Versammlung auf 1o Pfenning herabgesetzt.

Weitere Beschlüsse: Peter Tasch wird als Ballwart von der Vereinssteuer befreit, um damit das verantwort­ungsvolle Amt eines Ballwartes besonders anzuerkennen. Als Eintritt zum Theater, gespielt wurde das Volksstücks "Beim Kreuz'le im Tannengrund" werden 5o Pfennig und für den Sperr­sitz 75 Pfennige erhoben.

Hier soll gleich eingefügt werden, dass der "Sportverein Struth 1921" eine gute Laienspiel-Tradition aufzuweisen hat. Eine Aufstellung aller gespielten Stücke, soweit sie noch in der Er­innerung sind, folgt an anderer Stelle dieser Chronik.

Märzversammlung 1929!

Es wurde beschlossen eine neue Vereinskluft-schwarze Hosen und weiße Hemden - anzuschaffen. Den Betrag dafür schießt die Vereins­kasse vor und muss binnen einem 1/4 Jahr zurück gezahlt sein.

In dieser Versammlung wurde auch die 1. Mannschaft und die 1. Jugend aufgestellt. Verzeichnis an anderer Stelle.

Es wurde beschlossen dem Verband wieder beizutreten und die I. Mannschaft zur Spielserie anzumelden!

Inventurversammlung - Mai 1929 über das Vereinsvermögen

Der Verein hat jetzt an Geld 293,00 Mark Barvermögen; 79,8o Mark sind für die Vereinskluft ausgelegt zur Einkleidung der 1. Jugend und an sonstigen Gegenständen sind vorhanden:

1 Speer - 1 Kugel - 2 Fahnen - 2 Pumpen - 6 Fußballhüllen - 4 Blasen - 1 Kassenbuch - 1 Protokollbuch - 1 Perücke - 1 Stopp­uhr - 1 Sprungbock mit Leine - 2 Paar Handschuhe - 2 Knieschoner.

An Theaterrollen sind die Exemplare von nachstehenden vorhanden:

Des Glaubens Sieg

Das Jubiläum in der Mühle

Mathilde ein deutsches Frauenherz

Beim Kreuzl?le im Tannengrund

Der dunkle Punkt

Theatergruppe des Sportvereins - Name des stückes unbekannt

Hernach sind das die ersten Stücke der Reihe nach, die außer dem Stück der alten Herren vor der eigentlichen Vereinsgründung, also dem Volksstück "Andreas Hofer" (wie bereits anfangs vermerkt), gespielt worden sind.

Mannschaftsaufstellung am 19. Februar 1930


Mannschaftsaufstellung 1. Mannschaft

Otto Hagedorn

Willy Suska

Paul Richardt

Otto Helbing

Peter Tasch

Berthold Jakobi

Albert Gebhardt

Otto Kirchner

Heinrich Gebhardt

Phillip Hindermann

Marzellus Fütterer


Mannschaftsaufstellung 2. Mannschaft

Paul Tasch

Heinrich Vondran

Gregor Jakobi

Albert Köthe

Lorenz Tasch

Hermann Richardt

Paul Köthe

Christoph Völker

Wilhelm Brand

Edmund Jakobi

Walter Kieler

Anmerkung des Chronisten zum Jahr 1930

Mit dem 9. August 1930 übernahm der jetzige Chronist, Sportfreund Vinzenz Hoppe die Führung des Protokollbuches an Stelle seines Bru­ders Bernhard Hoppe. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass letzte­rer als Kaufmannslehrling in Mühlhausen dem Boxclub von dem da­maligen berühmten Boxer Willi Eger angehörte und als Fliegengewichtler mehrere Wettkämpfe in Gotha, Langensalza und Erfurt ge­wann. An einem Sportlerabend im alten Schneider'schen Saale, for­derten ihn die Sportfreunde Albert Fritsch und Berthold Ruhland zum Wettkampf heraus. Beide saßen bald mit blutenden Nasen in der Ecke und gaben auf.

Mit dieser Notiz soll dokumentiert werden, dass der Sport in Struth damals begann vielseitig zu werden. Dem vorangegangenen Radsport soll in dieser Chronik noch ein besonderes Kapitel gewidmet wer­den.

Neuer Sportlernachwuchs

Die erste Niederschrift von Vinzenz Hoppe beginnt an 9. 8. 1930  mit der Festlegung eines größeren Sportfestes am 14. Sep­tember.

Im Programm finden sich bereits Leichtathletikkämpfe, wie: Dreikampf (Kugelstoßen, Weitsprung, Hochsprung). Ein Beweis, dass der Sport noch vielseitiger zu werden beginnt.

Das angekündigte Sportfest lockt noch mehr Jugendliche in den Sportverein, der mittlerweile der "DJK-Deutsche Jugendkraft" angehört, wie aus dem Beschluss von 9. März 1929 zu ersehen ist.

So präsentieren sich denn auch beide Fußballmannschafton in ihr­er völlig neuen Aufstellung.

1. Mannschaft

Otto Hagedorn, als behender Tormann,

Willi Suska

Heinrich Vondran

Lorenz Tasch

Albert Köthe

Karl Richter

Otto Helbing

Albert Gebhardt

Otto Kirchner

Heinrich Gebhardt

Peter Tasch

2. Mannschaft:

Christoph Hahn

Paul Schade

Gregor Jakobi

Heinrich Richardt

Berthold Jakobi

Karl Hoppe

Gerhard Böhm

Edmund Jakobi

Paul Tasch

Gustav Beau

Paul Köthe.

DJK-Sportfest an 14. September 1930

Bei einer letzten Vorbereitungsversammlung am 13.September, al­so am Abend vorher, wurden als Kampfrichter für das Sportfest gewählt:

Vinzenz Hoppe

Bernhard Hoppe

Gerhard Völker

Otto Fritsch

August Uloth

Joseph Fritsch

Wilhelm Köthe

Über den Verlauf des Sportfestes ist uns aus den Zeitungsarchiv des Chronisten Hoppe noch folgender Tatsachenbericht erhalten:

Sportfest der DJK  in Struth

Struth, den 15. Sept.1930

Am gestrigen Wahlsonntag stand unser Dorf ganz in Zeichen des Sportes. Zahlreiche Jugendkraftler von nah und fern versammel­ten sich auf unseren Sportplatz, um in friedlichen Wettkampf Körper und Geist zu stählen. Nachdem ein jeder Sportler seiner Wahlpflicht Folge geleistet hatte, zog man zum Sportplatz an der Lengenfelder Straße wo die leichtathletischen Wettkämpfe began­nen. Die Übungen brachten zufriedenstellende Resultate.

In der Seniorenklasse gingen folgende Sieger hervor:

3000 Meterlauf

1. Alexander Hoffmann/Struth mit 11,6 Minuten

2. Werner Hebest/Dörna          mit 11,9 Minuten

Weitsprung

1. Otto Fischer/ Effelder mit 5,70 m

2. B. Gebhardt/Silberhausen mit 5,60 m

Hochsprung

1. Paul Richardt Struth mit 1,55 Meter

2. Adolf Mock/Küllstedt mit 1,45 Meter

Paul Richardt

Kugelstoßen

1. Paul Richardt/Struth mit 11,75 Meter

2. Garwe/Lengenfeld mit 11,50 Meter

100-Meterlauf

1. B. Gebardt/Silberhausen mit 13,0 Sekunden

2. Peter Tasch/ Struth mit 13,2 Sekunden

In der Juniorenklasse wurden Sieger:

1500 Meterlauf

1. Walter Brehme/Langula  mit 4:18

2. Löffler/ Effelder mit 5:10

Weitsprung

1. Ingnaz Mock/Küllstedt mit 5,70 Meter

2. Wendelin Huke/Effelder mit 5,50 Meter

Hochsprung

1. B. Hahn Lengenfeld/ Großbartloff mit 1,50 Meter

2. Ignaz Mock/ Küllstedt mit 1,45 Meter

Kugelstoßen

1. B. Koch/Großbartloff mit 11,50 Meter

2. Ignaz Mock/Küllstedt mit 10,60 Meter

100 - Meterlauf

1. lgnaz Mock/Küllstedt mit 13,4 Sekunden

2. Peter Hahn/ Lengenfeld mit 14,0 Sekunden

Nach Beendigung der Wettkämpfe rangen im Diplomspiel:

1. Effelder ? Struth                      mit 0:1

2. Silberhausen - Großbartloff       mit 1:0

3. LengenfeId ? Struth                 mit 0:0
(Eckenverhältnis 0:2 für Struth)

4. Küllstedt ? Struth                     mit 0:1

Im Pokalendspiel Beberstedt gegen Großbartloff konnte Beberstedt mit 1:0 den Ehrenpokal erringen.

Nachmittags bewegte sich ein langer und farbenfroher Festzug durchs Dorf. Nachdem jeder Sieger mit des Eichenkranzes Preis geschmückt war, hielt abends ein gemütlicher Sportlerball alle Teilnehmer noch einige Stunden zusammen!

Dieser Sporttag hat dem sportlichen Leben in Struth - als einer der ersten in seiner Art - viele neue Impulse gegeben.

Teilnahme am organisatorischen Leben des Verbandes

Am 6. Dezember 1930 wurde in einer außerordentlichen Versamm­lung beschlossen, zu der am 14. Dezember in Bickenriede stattfindenden Bezirksversammlung der "DJK-Bezirk Höhe" eine Abordnung zu entsenden.

20. Dezember 1930

Wegen der schlechten Zeitlage wurde die Teilnahme am DJK- Gautag vom 3. - 6. Januar 1931 sehr in Frage gestellt. Es soll in einem Schreiben mit Heiligenstadt Rücksprache genommen werden.