Aus der Chronik "50 Jahre Sport in Struth"
von Vinzenz Hoppe

Der Struther Sportverein im "3. Reich"

1933 - 1945

Vom März 1932 bis zum 24. Juni 1933 schweigt der Vereins-Chronist. Vermutlich kamen nach der Machtergreifung Hitlers auch für den Sport neue Bedingungen und mit diesen musste man erst mal wieder fertig werden.

In einer Vollversammlung vom 24. Juni 1933 wurde beschlossen:

1. Jedes Mitglied, welches einigermaßen von seiner Arbeit abkommen kann, wird vom Vorsteher ersucht, an der Be­erdigung unseres langjährigen verstorbenen Vereinswirtes Johannes Schneider teilzunehmen, ein Kranz vom Verein wird beschafft.

2. Jedes Mitglied, welches noch immer rückständig ist mit seiner Pflichtarbeit am Sportplatz, wird zum letzten Mal auf gefordert, diese nunmehr bis Neujahr zu erledigen. Geschieht dies nicht, so wird für jeden Tag eine Mark erhoben. Andernfalls erfolgt der Ausschluss aus dem Verein. Solche Mitglieder, die nur gegen den Verein arbeiten, können wir missen.

3. Vom Bezirksspielwart Jürgen Müller - Dingelstädt wurde erklärt, dass nunmehr die DJK-Abteilung Struth zum Bezirk "Hülfensberg" ge­hört. Dadurch kommen unsere Mannschaften häufiger zum Einsatz und zu besseren Spielen.

Weil der bisherige 1. Vorsitzende Oswald Jakobi zurück getreten ist, wurde nunmehr der Sportfreund Albert Fritsch als 1. Vorstand gewählt und bestätigt.

Beschlüsse der Versammlung vom 1. Juli 1933

Zum neuen Schriftführer wird der Sportfreund Leonhard Richardt gewählt. Karl Hoppe hatte sein Amt niedergelegt.

Josef Fritsch und Karl Richter wurden zu Abteilungsleitern ge­wählt, die den Vorstand mit Rat und Tat unterstützen sollen, wenn sie mal nicht anwesend sind.

Der Sportfreund Isidor Brand wird auf Vorschlag des Vorsitzenden einstimmig als Ehrenmitglied aufgenommen.

In einem Bannerspiel zwischen der I. und II. Mannschaft wird ein Tischbanner, welches dankenswerterweise von den passiven Sport­freunden gestiftet wird, ausgespielt. Es gilt als Wanderpreis und kommt alljährlich erneut zum Austrag.

1932 - Hervorragendes Ereignis: Bezirksmeister "DJK-Bezirk Höhe"

Ein markanter Höhepunkt im Fußballbetrieb war zweifelsohne die Tatsache, dass sich unsere I. Mannschaft so gut qualifiziert hatte, dass sie gegen den Bezirksmeister Kirchgandern in Reinholte­rode antreten konnte.

Mit dem Lastwagen des damaligen Struther Fuhrgeschäftes Gerhard Richardt, fuhr unsere Elf mit noch anderen "Schlachtenbummlern" nach Reinholterode.

Hier stand ihnen Kirchgandern, der Bezirksmeister des "Bezirkes Sonnenstein" - eine stattliche und gut durchtrainierte Mannschaft gegenüber.

Nach heißem aber fairen Kampf, konnte unsere I. Mannschaft Kirch­gandern mit 3:1 schlagen und errang damit den Titel "Bezirksmeister Höhe".

Unser  Sportfreund Bernhard Goldmann hatte einige Brief­tauben mitgenommen, die er nach dem gewonnenen Spiel fliegen ließ und die schon vor Heimkehr unserer Mannschaft deren Sieg ankündeten.

Unsere Mannschaft spielte in nachstehender Besetzung:

Christoph Hahn

Heinrich Vondran

Ingnaz Mock/Küllstedt

Albert Köthe

Otto Helbing

Reinhold Schade

Peter Tasch

Heinrich Richardt

Paul Richardt/Dieteweg

Karl Börger/Küllstedt

Paul Richardt (Bergmanns-Paul)

Mannschaftsbetreuer war Karl Vondran, Anger 17.

Nun war die Bahn frei. Innerhalb des DJK-Bezirkes "Hülfensberg" gegen den Gaumeister Geismar auf dem großen Gausportfest in Geismar anzutreten. Leider kam ein Verhängnis dazwischen.

Da jeder Spieler in seinem Spielerausweis gültige Marken haben musste, ehe er überhaupt zum Spiel in den Meister­schaftsklassen zugelassen wurde, klebte der Mannschaftsbetreuer Karl Vondran dem Spieler Heini Richardt eine Marke aus einem anderen Ausweis in dessen Spielerpass.

Das wurde bei der Kontrolle bemerkt. Die Marke war ungültig und somit wurde unsere Mannschaft zum Gaumeister­schafts­­spiel nicht zugelassen. Gaumeister wurde Geismar gegen Kirchgandern mit 2:0.

Immerhin waren es große und unvergessliche Kampftage unserer I. Mannschaft und dieses Ereignis verdient, auf einem Extra­blatt in dieser "Chronik des Sportes" festgehalten zu werden!

Ich klage niemand an - ich schreibe nur Tatsachen nieder

Dieser Wahlspruch eines gewissenhaften Chronisten soll und muss auch gelten, wenn wir die Versammlungstätigkeit zur Zeit des unheilvollen Nationalsozialismus beleuchten. Es war hier, wie in jedem anderen Verein. Man musste sich der Diktatur beugen. So endete jede Versammlung mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied und dem sogenannten "Deutschen Gruß". Alle Vereine, unter ih­nen auch unsere Sport Organisation, wurden gleichgeschaltet und hatten sich einzig und allein nur nach der ihnen aufdoktrinierten Regel zu richten. Es gab innerhalb des Ortes auch mancherlei politischen Disput, vor allem auch unter der Jugendlichen bildete sich eine sogenannte "X-Kolonne", die recht oft als Gegenspieler auftrat. Zum Glück verliefen diese Meinungsverschiedenheiten fast immer glimpflich und konnten in Güte geschlichtet werden. Besagte Gruppe unterhielt eine Zeitlang auch eine Faustballmannschaft und trat einige Male gegen die Faustballmannschaft des Ge­sellenvereins zum Wettspiel an.

Einige größere Reibereien führten auch bis zum örtlichen Parteigericht. Der damalige NSDAP-Ortsgruppenleiter Venantz Richardt war - das muss ihm zur Ehre nachgesagt werden - als Mitbegründer des Fußballsportes in Struth, ein gerechter und sachlicher Beur­teiler solcher Vorkommnisse und hat wohl keinem Jugendlichen zu Leide entschieden.

Mehr soll über die Situation des 3.Reiches an dieser Stelle nicht geschrieben werden

Vereinssportsonntag an 16. Juli 1933

Aus einem Zeitungsausschnitt des Chronisten und Berichterstatters Hoppe:

Einen Sportsonntag veranstaltete die DJK-Abteilung in Struth

Die Wettkämpfe begannen mit einer 1200-Meter-Vereinsstafette durch das Dorf. Auf dem neuen Gemeindefestplatz und Sportgelände entwickelte sich ein reger Sportbetrieb vor einer großen Zuschauermenge. Allerlei Sportwettkämpfe, wie 100-Meterlauf, 100-Meter - Rückwärtslauf und Hindernisstaffel wechselten einander ab. Auch die Schuljugend stellte wiederum ihren Mann. Besonderen Spaß bereite­te wohl allen das Hindernislaufen. In die Laufbahn gestellte Hindernisse, wie Leiterwagen und Böcke mussten überwunden werden und erforderten große Gewandtheit von den Sportlern. Den Höhepunkt des Sportsonntags bildete wohl ein interessantes Fußballspiel inner­halb der "Alten Herren" des "Sportvereins 1921". Viele Mitbegründer unserer 1921er hatten mal wieder den Fußballtrikot angezogen und übten voller Eifer ihren geliebten Sport aus. Echt heitere Szenen gab es dabei zu sehen, wenn die Glieder der alten Herren wollten sich noch nicht so recht an diese ungewöhnliche Arbeit gewöhnen. Das Spiel endete mit dem Ergebnis 3:2. Leider setzte nach dem Spiel ein Regen ein und die anderen Wettkämpfe mussten ausfallenden. Den Abschluss bildete ein Faustballspiel, in dem die Mannschaft des katholischen Gesellenvereins Sieger blieb. Siegerehrung und gemütliches Beisammensein in Vereinslokal schlos­sen sich an.

Siegerliste Senioren

100-Meterlauf

Kieler, Richard                   12,5 Sekunden

Tasch, Lorenz                    12,5 Sekunden

Köthe, Albert                     12,6 Sekunden

Siegerliste Junioren

1oo- Meterlauf

Hoffmann, Adolf                 13,1 Sekunden

Tasch, Albert                     14,2 Sekunden

Stude, Josef                      14,5 Sekunden

Rückwärtslauf Senioren

Helbing, Otto                     18,5 Sekunden

Rückwärtslauf Junioren

Markus Ruhland                 21,0 Sekunden

Hindernislauf Senioren

Helbing, Otto                     1 Minute ? 4 Sekunden

Richardt, Paul                    1 Minute ? 6 Sekunden

Hagedorn, Otto                  1 Minute ? 18 Sekunde

Hindernislauf Junioren

Ruhland, Markus                 1 Minute ? 6 Sekunden

Hindernislauf für Schulknaben

Beau, Linus                        1 Minute ? 23 Sekunden

Oppitz, Bernhard                1 Minute ? 25 Sekunden

Stiftung des bereits erwähnten "Werner Simon ? Preises"

Zum geplanten Bannerspiel mit einem Tischbanner der Passiven wurde festgestellt, dass sich das Banner im Preise, den Verhält­nissen entsprechend, zu teuer stellt - wird ein Pokal mit Inschrift gestiftet. Für die Austragung gelten dieselben Bedingun­gen wie bei dem Banner. Das Spiel ist unter Leitung des Schiedsrichters Joseph Fritsch am 6. August ausge­kämpft worden

II. Von dem seit Jahren auswärts weilenden Gründungs- und Ehrenmitglied:

Herrn Werner Simon wurde in dankenswerter Weise heute eine Bronzefigur - einen Sportler darstellend -als Ehr­enpreis gestiftet. Ihm wurde die Bezeichnung "Werner Simon - Preis" gegeben. Bedingungen: alljährlicher Fünfkampf. Der Preis kann nur von ortsansässigen Sportlern ausgekämpft werden.

Wer ihn drei Jahre hintereinander erringt, behält ihn als Eigentum. Disziplinen: Kugelstoßen, Weitsprung,1oo-Meterlauf, Ballweitwurf, 10 000-Meterlauf. Am 13. August 1933 wurde Ehrenreis zum ersten Mal ausgekämpft.

Pressebericht zur ersten Austragung des "Werner Simon Preises"

13. August 1933

Einen zweiten Vereinssportsonntag veranstaltete die hiesige DJK-Abteilung. Die Veranlassung hierzu gab ein alter Sportfreund, Herr Mittelschullehrer Werner Simon-Kiel, welcher z.Zt. in der Heimat weilt. Er hat im Jahre 1921 den hiesigen Sportverein mit ins Leben gerufen und ist seitdem eifriger Förderer unserer Sportjugend von Struth. In anerkennungswerter Wei­se hat er einen Ehrenpreis in Form einer Bronzefigur für den 1. Sieger im Fünfkampf gestiftet.


Erster Sieger und damit Ge­winner des Werner-Simon-Preises wurde Paul Richardt (Dieteweg)
Wir wissen leider nicht in welchem Jahr das Foto entstand. Paul Richardt war ein großartiger Leichtathlet und gewann den Preis drei Mal hintereinander.

Zwei­ter Sieger wurde Paul Richardt (genannt Bergmanns Paul, Sohn vom Bergmann a.D. Wilhelm Richardt) und Dritter wurde der Juni­oren kämpfer Adolf Hoffmann. Letzterer gewann den Langstreckenlauf über 5ooo Meter als Teilnehmer der Junioren. Diese Leistung ist umso höher zu werten, weil sämtliche Kämpfe nur in einer Klasse ausgetragen wurden.

Im Rückspiel "Alte Herren I" gegen "Alte Herren II", blieb Nr. 1 Sieger mit 4:3 Toren.

Unsere DJK-Abteilung gehört nun zum Bezirk "Hülfensberg"

24. August 1933

Aus einem Zeitungsbericht über die Kreisvorstandsitzung wurde vorgelesen, dass unsere DJK-Abteilung nunmehr dem Bezirk "Hülfensberg" eingegliedert worden ist.

Derzeitige Mannschaftsaufstellung

I. Mannschaft

Paul Richardt II

Heinrich Richardt

Karl Börger

Josef Herz

Paul Richardt

Albert Köthe

Otto Helbing

Reinhold Schade

Heinrich Vondran

Ignaz Mock

Christoph Hahn

Ersatz: Otto Tasch, Albert Gebhardt. Es handelt sich hierbei bereits um eine gemischte Elf, denn Herz stammt aus Diedorf und Börger und Mock sind Spieler aus der DJK-Abteilung-Küllstedt

II. Mannschaft


Paul Schade

Albert Tasch

Otto Kirchner

Lorenz Tasch

Heinrich Gebhardt

Alexander Hoffmann

Otto Hagedorn

Adolf Hoffmann

Karl Hoppe

Albert Schilling

Paul Tasch

Ersatzspieler: Philipp Jakobi, Gregor Jakobi

Außerordentliche Versammlung am 9. September 1933

In der heutigen außerordentlichen Versammlung gab der Vorsitz­ende Albert Fritsch Bericht über den Bezirkstag in Ershausen.

Dort wurden auch neue Bestimmungen über  das Flaggen und die Grußpflicht erlassen. Es gilt nunmehr nur noch der soge­nannte "Deutsche Gruß" und bei Sportfesten u.a. muss neben der Vereinsfahne auch die Fahne des 3.Reiches gehisst werden. Zu den Wettkämpfen beim Bezirks-Sportfest in Geismar, meldeten sich 24 Teilnehmer. Das ist immerhin eine recht zufriedenstei­lende Zahl und man ersieht daraus, dass der Kampfgeist innerhalb unserer Sportabteilung immer mehr wächst.

Struther Sieger hier auf dem Bezirkssportfest in Geismar am 24.9.33

im Fünfkampf der Senioren:

Richardt, Paul                     mit     175 Punkten

im Dreikampf der Jugend:

Stude, Josef                       mit     44,5 Punkten

Den 3000- Meterlauf konnten die Struther Leichtathleten in über­ragender Form gewinnen:

1. Sieger - Senioren Hoffmann, Alexander 11,10 Minuten

2. Sieger Jugend Tasch, Josef                   11,58 Minuten

Das Fußballspiel Geismar I gegen Struth I, verlief mit 6:O.

8. Oktober 1933 - Aufforderung zur Teilnahme am Erntedankfest 1934

Zu dieser Versammlung erschien der Stützpunktleiter der NSDAP Ortsgruppe Venantz Richardt. Er bittet den Verein, das Erntedankfest, welches auf dem Gemeindefestplatz stattfinden soll, durch eini­ge Spiele zu verschönern.

Dazu wird beschlossen: Die spielenden Mannschaften beteiligen sich in Fußballkleidung am Umzug und zeigen auf dem Festplatz einige Bewegungsspiele. Die Vereinsfahne geht mit zur kirchlichen Dankandacht.

19. November 1933

Stark bis in den Tod - Theateraufführung

Die langjährige Theater-Tradition soll auch in diesem Winter aufrechterhalten werden, es soll das Freiheitstück: "Stark bis in den Tod" und das Lustspiel "Die Fußballbraut" zur Aufführung kommen.

Zum letzten Mal werden die Vereinsmitglieder die am Ausbau des Sportgeländes nur wenig oder noch gar nicht gearbeitet haben auf­gefordert, ob sie ihrer Pflicht überhaupt noch nachkommen wollen oder nicht. Im letzteren Falle sieht sich der Vorstand genötigt, die allerstrengsten Maßnahmen zu ergreifen. Zur Zeit müssen wei­tere Ausbauten am Platz aus finanziellen Gründen zurückgestellt werden, weil die Säumigen auch der finanziellen Pflicht von 1 Mark pro Arbeitstag ebenfalls nicht nachgekommen sind.

Nach Bekanntgabe der Preisliste des "Werner-Simon-Preises" um­gerechnet nach Mehrkampfwertung ergibt sich gegenüber der frü­heren Wertung eine Schwankung in der Punktzahl. Ein Platzwechsel tritt nur zwischen den 4. Und 7. Platz ein.

An der am 12. November stattfindenden Volksabstimmung beteiligt sich unsere Sportabteilung geschlossen.

Laienspieltradition der DJK Struth

Einen guten Ruf in der Aufführung lehrreicher und zeitnaher The­aterstücke, hat unsere Sportjugend seit langen Jahren. Auch in die­sem Winter wollten unsere Jugendkraftler erneut davon Zeugnis geben. Am Feste der Hl. Drei Könige fand im Schneider'schen Saal die erste Aufführung statt. Das Hauptstück "Stark bis in den Tod", zeigte den Leidensweg eines Tiroler Freiheitskämpfers unter der Knute des Franzosenherrschers Napoleon. Vergleicht man die dama­lige Zeit mit der heutigen, so muss man den guten Geschmack und die Routine unserer Sportler anerkennen. Das Stück passte in allen Rol­len zum Geschehen der Jetztzeit. Als Beigabe wurde das Lustspiel "Die Fußballbraut" gegeben. Die Veranstaltung musste auch am Sonntag-Abend wiederholt werden und beide male war der Schneider'sche Saal vollbesetzt. Unsere Sportler haben auch diesmal wieder was Rechte getroffen und es gebührt ihnen Dank und Anerkennung für das Gebotene. (Zeitungsnotiz von Vinzenz Hoppe am 9.Januar 1934).

Das Jahr 1934

Der Vorstand setzt sich nach Neuwahl in der Generalversammlung folgendermaßen zusammen:

1. Vorsitzender: Albert Fritsch (wiedergewählt)

2. Vorsitzender: Paul Richardt (Dieteweg)

Kassierer: Peter Tasch

Schriftführer: Leonhard Richardt (wiedergewählt)

Beisitzer: Paul Jakobi und Heinrich Jakobi.

Spielwart I. Mannschaft: Heinrich Jakobi

Spielwart II. Mannschaft: Otto Tasch

Meinungsverschiedenheiten am 21. Januar 1934

Aus Zwistigkeitsgründen mit dem 1. Vorsitzenden Albert Fritsch, trat der II. Vorsitzende Paul Richardt freiwillig zurück von seinem Amt.

Als Nachfolger wurde Albert Gebhardt zum 2. Vorsitzenden gewählt.

Albert Gebhardt wurde aber nur Beisitzer, da Heinrich Jakobi beim 2. Wahlgang 11 Stimmen gegen 7 erhielt und damit II. Vorsitzender wurde.

Zusammenlegung der Mannschaften

Da aus der ersten Fußballmannschaft mehrere Sportler freiwillig ausgetreten sind und die II. Mannschaft zur Zeit auch nicht voll­zählig ist, wurden beide zusammen gelegt. Die Aufstellung obliegt dem 1. Spielwart. Die II. Mannschaft wurde von zukünftigen Meisterschaftsspielen zurückgezogen.

Am 3. April 1934 meldet der Vereins-Chronist

Nach Verlesung des Protokolle der letzten Versammlung, musste we­gen unvorhergesehener Zwischenfälle - sie werden nicht angegeben - die heutige Tagung abgebrochen werden.

Tätigkeitsbericht vom Mai 1934

In Form eines Vereins-Ausfluges soll am 3. Juni 1934 die Ausstellung des Reichsnährstandes in Erfurt besucht werden. Die Fahrt soll mit dem LKW des Fuhrunternehmers Gerhard Richardt er­folgen.

Vereinsbeschlüsse vom Juni 1934

Aus Anlass eines Besuches des Fußball-Kreisbereichsleiters in Dingelstädt hat der Verein für Rasenspiele/Dingelstädt V.f.R ein Pokalturnier angesetzt, an dem Struth mit seiner I Mannschaft beteiligt ist. Auf eine höhere Anordnung hin, haben sich sämtliche geladenen Vereine an der Besichtigung zu beteiligen, unsere Elf fährt so zeitig ab, dass sie um 8 Uhr in Dingelstädt ist.

Die Passiven fahren um 1 Uhr mittags und alle gemeinsam, müssen in Dlngelstädt um 4 Uhr Nachmittags zum Festzug antreten.

Der Werner Simon-Preis soll an einem Julisonntag ausgekämpft werden.

Fünfkampftag zur Austragung des Werner Simon-Preises am 15. Juli 1934

Die Kampfdisziplinen hierfür sind hinreichend bekannt. Den Kampf­richtern stellten sich 8 Leichtathleten, die um den Sieg rangen.

Als Sieger im Gesamtklassement gesehen ging Adolf Hoffmann mit 180 Punkten hervor

2.

Alexander Hoffmann

169

Punkte

3.

Philipp Jakobi

123

Punkte

4.

Albert Tasch

117

Punkte

5.

Paul Schade (V.Thomas Schade)

99

Punkte

6.

Albert Gebhardt

94

Punkte

7.

Gustav Beau

88

Punkte

8.

Edmund Richardt

84

Punkte

 

Nach der Siegerverkündigung hielt ein fröhliches Beisammensein alle Sportler noch einige Stunden gemütlich beisammen.

Stand des Fußballbetriebes im November 1934

Am 17. November 1934 waren es zwei wichtige Beschlüsse, die unsere Sport­ler bewegten:

1. Stellungnahme zum Fußballbetrieb

2. Vertrieb der Olympiahefte

Zu 1. Da die Spielmöglichkeit für unsere Mannschaft im DFB auf einige wenige Spiele gesunken ist wegen Ausscheidung der umliegen­den Ortschaften, melden wir unsere Mannschaft bis auf weiteres vom Spielbetrieb ab.

Zu 2. Der Vertrieb der Olympiahefte soll mittels Liste innerhalb unseres Ortes streng kontrolliert geschehen.

Leitung der Sportvereinigung 1935

Im Verlauf der Jahreshauptversammlung am 15. Januar 1935 wurde der Vorstand in folgender Besetzung gewählt:

1. Vorsitzender       Tasch, Peter

2. Vorsitzender       Jakobi, Philipp

Kassierer                Richardt, Hermann

Schriftführer           Richardt, Leonhard

Sportwart               Jakobi, Philipp

Ballwart                  Hoffmann, Adolf

Wegen Nichterfüllung der für alle Sportler bestehenden Pflich­ten wurden aus dem Verein ausgeschlossen:

Vondran, Karl

Brand, Reinhold

Köthe, Paul

Vereinskrise im März 1935

Am 2. März bedurfte es einer besonderen Versammlung, um das ab­sinkende Spielerniveau und überhaupt das Vereins-Interesse wieder etwas anzufeuern. Der II. Vorsitzende Philipp Jakobi rich­tete daher an alle mahnende Worte. Diese Aufmunterung galt vor allen Bingen den jüngeren Mitgliedern. Der Sportwart zeigte auf, mit welchem Elan früher gekämpft wurde und mit welcher Begeiste­rung der Sportplatz ausgebaut worden sei. Besonders die aktiven Fußballspieler müssten jetzt wieder nur einen Bruchteil dieser früheren Begeisterung aufbringen, um die Kampfmoral des Vereins zu retten. Als Ergebnis dieses Appells wurde eine Fußballmann­schaft auf gestellt und der Fußballbetrieb erneut in Angriff genommen.

Mit der Mannschaftsführung und -leitung wurden beauftragt: Joseph Fritsch - Albert Gebhardt - Josef Herz (Schmiede­geselle aus Diedorf).

In der Aprilversammlung: 1935 wurde die Fußballfrage wieder be­vorzugt erörtert. Sobald es zweckmäßig erscheint, soll der Verein dem "Deutschen Fußballbund" angemeldet werden.

Ausflug am 19. Mai 1935

Mit 3o Mitgliedern ging es heute in einem Kraftomnibus der Fir­ma Josef Hahn/Heiligenstadt, in das "Grüne Herz Deutschland". Zu­nächst wurden Eisenach und Wartburg besichtigt. Dann ging es wei­ter zum Inselberg, nachdem vorher noch Schloss Altenstein und der Trusethaler Wasserfall bewundert wurden.

Das bemerkenswerteste an dieser Fahrt war, dass bei der Abfahrt ein regelrechtes Schneetreiben einsetzte, sodass die ganze Land­schaft nochmals ein winterliches Kleid angelegt hatte. Dafür kam aber die Entschädigung beim Besteigen des Inselberges. Mittlerweile hatte nämlich der Wettergott ein Einsehen und schenkte uns doch noch eine gute Fernsicht in das herrliche Thüringer Land vom Aussichtsturm des Inselberges.

Ein neues Tornetz

wurde am 1. Juni 1935 beschafft. Die Kosten hierfür wurden durch einen Sonderbeitrag, pro Mitglied 2o Pfennige, aufgebracht.

21. Juli 1935

Erneut wurde heute der Werner-Simon-Preis im Fünfkampf ausgetragen. Leider fehlt die Siegerliste. Ein Fußballspiel erste Mann­schaft gegen "Alte Herren", endete mit 8:0 für die I. Mannschaft.  Gegen 6 Uhr zog man zum Vereinslokal, wo Siegerverkündigung und Preisüberreichung beim gemütlichen Beisammensein den Sportler - Kampftag beendete.

Wieder im "DFB"

In der Versammlung vom 7. September 1935 erklärte der 1. Vorsitz­ende Peter Tasch, dass der Verein nun wieder dem "DFB" eingegliedert sei. In großen Zügen gab er die Verhaltungsmaßregeln ge­genüber dem Bund bekannt und ermahnte alle Spieler, diese getreu­lich zu befolgen.

Alsdann wurde das Mitglied Alfred Trost zum Spielwart bestimmt.

Monatsbericht Dezember 1935

Nach einer Verfügung des "DFB" ist jedes Mitglied verpflichtet, eine Mitgliedskarte mit Lichtbild und Verbandsmarken zu besitz­en. Ihr Besitz berechtigt zur Teilnahme an allen sportlichen Ver­anstaltungen und Übungen des DFB. Einbegriffen ist auch eine Haft­pflicht- und Unfallversicherung.

Eine "Olympia-Sparglocke" wurde auf dem Stammtisch des Vereinslokals "Zur Krone" aufgestellt. Der in der Glocke angesparte Be­trag fällt restlos dem Verein zu, zur Beschaffung von Sportgegenständen.

Generalversammlung vom 19. Januar 1936

Einen umfassenden Überblick über das bisherige Vereinsleben gab der Vorsitzende Peter Tasch. Dann wurde die Vorstandswahl durchgeführt. Gewählt wurden: Peter Tasch (26 Stimmen), Franz Richardt mit 3 Stimmen). Kassenführer Hermann Richardt und Schriftwart Leonhard Richardt wurden einstimmig ebenfalls wiedergewählt. II. Vorsitzen­der wurde Heinrich Jakobi. Zum Schriftführer-Stellvertreter wurde Albert Vondran (Große Gasse) gewählt. Zum 2. Ballwart wurde Linus Beau bestimmt. Die Vereinskassierung erfolgt jetzt im Einsatz von jeweils 4 Unterkassierern. Die jetzigen sind: Otto Tasch, Karl Hoppe, Albert Köthe und Edmund Richardt. Am 3. Februar soll ein öffent­licher Sportlerball stattfinden.

Anmerkung des Chronisten

Mit der Seitennummer 124 des Protokollbuches(I), schweigt der Vereinschronist mit seinen Eintragungen. Es entsteht somit eine Pause über den ganzen II. Weltkrieg hinweg. Die nächste Eintragung beginnt unter dem 1o. Januar 1948.