Aus der Chronik "50 Jahre Sport in Struth"
von Vinzenz Hoppe

Ein hoffnungsvoller Neubeginn

1946 - 1951

Bereits nach Beendigung des II. Weltkrieges 1945 wurde von der alliierten Militärbehörde die Gründung von kommunalen Sportverbänden genehmigt.

Die Gründung der neuen "Sportgemeinschaft Struth" erfolgte an 1. Mai 1946.

Zum Sportgemeinschaftsleiter wurde der Sportsfreund Franz Richardt gewählt und zum Schriftführer August Hahn. Nach Franz Richardt übernahm der Fußballer Erwin Richardt für eine Zeit die Leitung bis Isidor Richardt (Sohn von Altersmitglied August Richardt) zum 1. Vor­sitzenden und Josef Rödiger zum neuen Schriftführer gewählt wurden.

Die erste Eintragung datiert unter dem 10. Januar 1948. Das Vereins- und Gemeinschaftsleben wurde also wieder stabil und aktiv.

Generalversammlung vom 11. Januar 1948

Diese Hauptversammlung machte das Gemeinschaftsleben wieder be­weglich. Man begann mit einem kurzen Rückblick auf die Versammlungstätigkeit von 1947. Sie war keineswegs zufriedenstellend und es fehlte noch der rechte Schwung.

Bei der Wahl des neuen Vorstandes erhielten:

Isidor Richardt = 51 Stimmen,

Walter Fischer = 10 Stimmen und

Alfred Trost = 3 Stimmen

Zum Kassenführer wurden Heinrich Jakobi und zum Schriftführer Josef Rödiger einstimmig wiedergewählt.

Als Mannschaftsbetreuer für die I. Mannschaft wurden Paul Richardt und Albert Goldmann gewählt.

Beschlüsse vom 19. März 1948

1. Einmalige Unterstützung für die Hinterbliebenen unserer Ge­fallenen, Vermissten und gefangenen Sportskameraden. Sie wurde einstimmig befürwortet, mit der Festsetzung des Unterstützungsbetrages wurden die Sportfreunde Heinrich Jakobi, Isidor Richardt, Edmund Goldmann, Josef Rödiger und Albert Brandt beauftragt.

2. Neue Abgrenzungsfähnchen sollten beschafft werden. Erich Köhmstedt verpflichtet sich, dieselben herzustellen.

3. Im Mai soll ein Sportfest stattfinden. Erstmalig nach Kriegsende soll es wieder mit Leichtathletik durchgeführt werden.

Mit der Organisation und Programm-Aufstellung wurde Paul Richardt mit weiteren 6 Sportkameraden beauftragt.

Sportlerberatung vom 17. April 1946

Auf allgemeinen Wunsch der Spieler wurde der Einrichtung eines Spielerfonds zugestimmt. Die Hälfte des Eintrittsgeldes bei sport­lichen Veranstaltungen auf dem Platz sollten diesem Fonds zugute kommen.

Schiedsrichterlehrgang  im Vereinslokal "Schneider"

Da es im Kreis Mühlhausen sehr an geprüften Schiedsrichtern fehlt, hat sich das Kreissportamt entschlossen, Schiedsrichterlehrgänge abzuhalten. Der Lehrgang erstreckt sich auf 4 Schulungsabende und wird von Kreissportleiter Frick geleitet. Ort des Lehrgangs ist unser Vereinslokal Schneider mit Teilnehmern aus den Dörfern Effelder, Küllstedt, Bickenriede und Struth.

Aus unserer Sportgemeinschaft nahmen daran teil und wurden so­mit zu geprüften Schiedsrichtern

Heinrich Jakobi - Albert Goldmann - Karl Weißbauer - Lothar Rödiger - Paul Richardt - Albert Ruhland

Die Vereinschronik schweigt wieder

Unter dem Protokoll vom 17.April 1948 findet sich die Anmerkung:

"Beim ehemaligen SG-Leiter Josef Funke liegen keine Eintragungen vor." Er stammte aus Büttstedt und war Lehrer und Schul­leiter hier in Struth, er leitete mehre Monate lang die SG.

Zusammensetzung der Leitung am 1. Juli 1949

Da SG-Leiter Funke sein Amt niedergelegt hatte, machte sich eine Neuwahl erforderlich. In der heutigen außerordentlichen Versamm­lung wurde der Sportsfreund Alfred Trost zum Vorsitzenden und Otto Hunstock zum Stellvertreter gewählt.

Kassierer: August Helbing

Technischer Leiter: Paul Richardt

Leiter für Kultur: Georg Köhmstedt

Jugendsportwart: Theo Brand

Schriftführer: Heinrich Thor

Es wurde auf dieser Versammlung eine ganz neue Mannschaftsbetreuung gewählt:


Alfred Trost
Theodor Richardt
Heinrich Jakobi
Edmund Goldmann
Albert Goldmann
Paul Richardt.

Die nun begonnene Arbeit in unserer SG kann als äußerst rege angesprochen werden. Besonderes Augenmerk wurde auf die Entwicklung und Pflege der 1. und 2. Mannschaft gelegt.

Regelmäßige Trainingsabende mit dem Sportfreund Kornrumpf aus Mühlhausen und Kritikabende mit dem Leiter der SG, wer­den nun regelmäßig abgehalten. Dass dies kein Fehler, sondern eine Neuerung war, bewies sich bald. Das erste Resultat zeigte sich bei den Pflichtspielen der 1. Mannschaft, die gegen spielstarke Gegner den 1. Platz und damit den Herbstmeistertitel erringen konnte.

Verbreiterung des Sportgedankens

Um den Sport noch mehr zu verlagern, also breiteste Kreise mit einzubeziehen, wurde die Sparte "Tischtennis" mit Erich Dölle als Leiter gegründet. Ebenso wurde eine Sparte "Leichtathletik" mit dem Leiter Bruno Richardt ins Leben gerufen.

Gründung der Theater-Laienspielgruppe am 1. November 1949

Schon immer lebte in unserer SG der Gedanke des Laienspieles, indem von Anfang an im Winterhalbjahr regelmäßig Theateraben­de für die Dorfgemeinschaft veranstaltet wurden.

Nunmehr nahm durch die Initiative alter Theaterspieler diese gute Sache organisatorische Formen an. Es meldeten sich sofort 15 Mitglieder für diese Gruppe. Leiter derselben wurde Bernhard Jakobi-  technischer Leiter - Siegfried Simon und Kassierer Georg Köhmstedt.

Das erste Auftreten der neugegründeten Theatergruppe erfolgte am 26. Dezember 1949 mit dem Volksstück "Du sollst Vater und Mutter ehren".

Du sollst Vater und Mutter ehren - Das vierte Gebot

von Ludwig Anzengruber

Anzengruber: geboren am 29. November 1839 in Wien, war Sohn eines Beamten bäuerlicher Herkunft, nach dem Tod seines Vaters und seiner Großmutter musste die Mutter die Familie alleine ernähren, sie waren sehr arm und Anzengruber konnte wegen Geldmangels nicht studieren, arbeitete in einer kleinen Buchhandlung , dann von 1860 bis 1867 als Schauspieler an verschiedenen Vorstadt- und Wanderbühnen ?> wenig Erfolg, erste Schreibversuche (Possen, Satiren, Novellen), 1870 erster schriftstellerische Erfolg "Der Pfarrer von Kirchfeld", 1873 heiratet er eine 16-jährige, ab 1874 bekommt er alle paar Jahre eine staatliche Unterstützung, 1877 "Das vierte Gebot" und er schreibt jetzt auch für renommierte Zeitungen und Zeitschriften, 1878 Schillerpreis, 1887 Grillparzerpreis, stirbt am 10. Dezember 1889 an Blutvergiftung, 1905 Errichtung eines Anzengruber - Denkmals in Wien (am Schmerlingplatz)

Das vierte Gebot: (du sollst Vater und Mutter ehren)

Volksstück, Handlung in Wien, belehrend in der Handlung, unterhaltend, in Dialogform, im Dialekt geschrieben, Handlung spielt in 4 Akten und zieht sich über etwas mehr, als ein Jahr hin.

Thema: Anzengruber untersucht dieses Gebot auf seine möglichen Folgen hin, er vergleicht die verschiedenen Erziehungsmethoden von drei Familien, der Familie Schöner, Hutterer, Scharlanter.

Inhalt: Hutterer, ein Hausbesitzer, sehr geldgierig und materialistisch, missbraucht das 4. Gebot gegenüber seiner streng religiösen Tochter Hedwig als Druckmittel, er verbietet ihr die Beziehung zu ihrem Klavierlehrer Frey und zwingt sie den reichen, genusssüchtigen und untreuen Stolzenthaler zu heiraten. Josepha, seine vorige Geliebte, gerät, ebenso wie ihr Bruder Martin, auf Abwege, weil ihre Eltern, die Handwerksmeister Schalanter sie durch ihr schlechtes Beispiel dazu treiben. Ihre Mutter mischt sich überall ein und verkuppelt alle, der Vater säuft und intrigiert. Eines Tages will er gut dastehen und verrät Stolzenthaler von Hedwig?s früherer Beziehung mit Frey und das sie immer noch seine Liebesbriefe aufgehoben hat. Stolzenthaler will Hedwig verlassen, weil sie ihm sagt, daß sie ihn nur geheiratet hat, wegen ihrem Vater, sie läuft aber weg, weil sie Angst vor der Reaktion ihres Vaters hat.

Im Wirtshaus treffen Frey, mittlerweile Feldwebel, Martin, Rekrut (unter seiner Macht) und Schalanter auf einander. Es kommt zu einem Streit, bei dem Martin jähzornig Frey erschießt. Während Frey, kurz vor seinem Tode, in Richtung Stadt gebracht wird, kommt Hedwig (ist ja weggelaufen) hinzu. Sie sieht ihre Liebe Robert Frey sterben. Nachdem dann auch noch Hedwig?s Kind stirbt, ist sie vollkommen in sich zusammengebrochen, sie verkraftet das alles nicht. Martin wird dann zum Tode verurteilt. Im Gefängnis läßt er nur den Gärtnersohn und Priester Eduard Schön und seine Großmutter, die jahrelang versucht hat ihn und Josepha auf den rechten Weg zu bringen, ihn besuchen. Seine Eltern will er nicht sehen und er gesteht Eduard, daß er eifersüchtig und neidisch auf dessen intaktes Elternhaus war und ist. Martin wird am Ende hingerichtet und seine Eltern sehen nur oberflächlich ein, etwas falsch gemacht zu haben, während Hutterer die Handlung, seine Tochter zur Heirat zu zwingen, bereut und verzweifelt ist.

Im Endeffekt werden die Eltern für das Unglück der Kinder verantwortlich gemacht.

Interpretation: Anzengruber macht klar und deutlich, dass die richtige Erziehung der Kinder nicht einfach und sehr wichtig ist.

Es wurde zu einem vollen Erfolg und alle Spieler leis­teten ihr Bestes. Als ein rühriger Theaterfreund ist der Sport­freund Erwin Richardt zu nennen. Zusammen mit den oben erwähn­ten und noch anderen Laienspielern brachte er die Gruppe auf einen guten Stand. Aus der Spielererinnerung heraus, soll an einer anderen Stelle dieser Chronik eine Aufstellung aller ge­botenen Stücke erfolgen. Soviel kann gesagt werden: Bei allen Einwohnern erfreute sich die Theatergruppe größter Beliebtheit und man konnte es kaum erwarten, wenn um die Weihnachtszeit gute, alte Volksstücke geboten wurden. Das änderte sich zwar spä­ter grundlegend, als man von der Abteilung Kultur die zu spielen­den Stücke vorschrieb und unsere Laienspieler keine eigene Aus­wahl mehr vornehmen durften.

Gründung einer FDJ-Gruppe am 19. November 1949

In eine neugegründete Gruppe der Freien Deutschen Jugend, wurden 10 Mitglieder auf genommen. Sie werden in Zukunft noch manche wichtige Aufgabe zu meistern haben.

Auch ein Sportberichterstatter wurde namhaft gemacht in der Per­son des Sportfreundes Gerhard Richardt.

Der Besuch der angesetzten Versammlung - so muss kritisch bemerkt werden - war nicht zufriedenstellend.

Tätigkeit unserer Sportler in der Zeit vom 12. Februar 1950 -20. Februar 1951

1950 zeigte sich ein reger Sportbetrieb. Mit den Ergebnissen, die unsere Fußballmannschaften auf dem Kampffeld errangen, kann un­sere SG sich wahrlich sehen lassen. Große Erfolge wurden auf den Sportfesten in Großbartloff und Bickenriede an die Fahnen ge­heftet. Beide Male konnten unsere Fußballer den Pokal mit nach Hause bringen. Man hatte es in jedem Falle mit spielstarken Mann­schaften zu tun, gegen die es sich durchzusetzen hieß.

Auch das ziemlich spät durchgeführte Struther Sportfest wurde zu einem vollen Erfolg. Das ausgetragene Freundschaftsspiel Struth I gegen Körner I, konnten unsere Fußballer für sich ent­scheiden.

Bedauerlicherweise ereigneten sich in der Berichtsperiode eini­ge Sportunfälle, die mitunter zwangsläufig zu Schwierigkeiten und Kleinmut führten. Die Sache des Fußballes aber siegte. Sie wurde trotzdem hochgehalten. Unter Berücksichtigung der dadurch entstandenen Ausfälle, kann unsere SG mit dem 4. Platz in der Herbstserie 195o durchaus zufrieden sein.

Regelmäßig finden auch wieder die Trainingsabende mit dem Sport­freund Kornrumpf statt.

Auch die Teilnahme an politischen Veranstaltungen und am Frie­densmarsch war gut. Das Kreissportamt regte Arbeitseinsätze an sie wurden hundertprozentig getätigt.

Drei Sportfreunde und zwar: Alfred Trost, Siegmund Richardt und Arno Richardt, nahmen am Parteischuljahr teil.

Eine sehr dringliche Aufgabe steht der Sportgemeinschaft für das kommende Jahr 1951 bevor: der noch bessere Ausbau des Sportplatzes. Darüber wird noch ausführlicher zu berichten sein! - In das Jahr 1951 ging die SG mit der bisherigen Besetzung des Vorstandes mit Alfred Trost als 1. Vorsitzenden. Einstimmig wurde er wieder­gewählt, ein Beweis dafür, dass unter dem bisherigen Vorstand die SG gute Fortschritte gemacht hat.

Ein Kapitel über besonders tüchtige Sportler

An dieser Stelle verdienen mehrere tüchtige Sportler der älte­ren Epoche unserer Sportgemeinschaft festgehalten zu werden. Zuverlässige Tormänner die weit über den Rahmen eines Durchschnittstormannes hinausragten waren: Gustav Beau - Otto Hage­dorn und Peter Tasch. Hervorragende Langstreckenläufer waren: Alexander Hoffmann, Alfons Hagedom, Philipp Jakobi, Edmund Jakobi Adolf und Martin Hoffmann und Peter Tasch.

Als gute Kurzstreckenläufer seien erwähnt Albert Richardt, Dieteweg, Paul Richardt, Dieteweg und Philipp Hindermann.

Der heutige Alterssportler Paul Richardt errang allein viermal den Werner-Simon-Preis.

Da eingangs auch die Radrennfahrer Georg Vondran und August Brand (irrtümlicherweise hat der Chronist in der Abhandlung über den Radfahrverein "Frisch auf" Struth den Namen Brand mit "dt" geschrieben - muss aber heißen "Brand") besonders erwähnt wurden, sei hier noch beigefügt:

Brand war auch Fahrer für die Firma Claes & Co. in Mühlhausen. Als solcher wurde er Sieger im "Großen Opelpreis" 1929. Er erhielt damals als Ehrenpreis eine goldene Taschenuhr, die sein ältest­er Sohn Karl Brand, mit seinem Bruder Lothar Brand ebenfalls Stütze unserer heutigen "BSG-Fortschritt", als kostbares Andenken auf bewahrt. Alle anderen Preise sind 1945 vernichtet worden.

Unsere Mannschaftsaufstellungen  1949

1. Mannschaft 1949

Von links nach rechts, hintere Reihe: Mannschaftsbetreuer: Alfred Trost, Oskar Rödiger, Albert Brandt, Erwin Richardt, Otto Hagedorn, Langestr. 1o, Bruno Richardt,
Mannschaftsbetreuer: Paul Richardt
Mittlere Reihe: Josef Rödiger, Helmut Albrecht, Theo Brandt
Vordere Reihe: Lothar Rödiger, Leo Tasch, Franz Richardt


2. Mannschaft 1949

Von links nach rechts: Adolf Fischer, Josef Eifler, Arno Richardt, Walter Fischer, Siegmund Richardt, August Helbing, Paul Richardt, Paul Schade, Alois Feige, Siegfried Kirchner, Albert Ackermann